Arbeit der Bezirksverbände ruht

Schwalm-Eder: Landfrauen wollen nach der Krise neu durchstarten

Zwei Frauen stehen vor dem Backhaus in Kerstenhausen. Eine Katze läuft durch das Bild. Die Tür ist offen.
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Wollen das Leben in Kerstenhausen bereichern und den Landfrauenverein neu beleben: Martina Hellmuth, links, und Kathrin Lux vorm Backhaus.

Die Landfrauenvereine leiden unter der Coronakrise: Die Vereinsarbeit ruht coronabedingt seit Monaten. Dabei hatten die drei Bezirksvereine Fritzlar-Homberg, Ziegenhain und Melsungen gerade in diesem Jahr verstärkt Nachwuchs werben wollen.

Schwalm-Eder - Die Zahl der Landfrauen im Kreis sinkt seit 2010 beständig: In Fritzlar-Homberg von 2000 Mitgliedern auf 1200 und von früher 34 Ortsgruppen auf heute 24.

Im Melsunger Bezirk hat sich die Zahl der Ortsvereine von zehn auf fünf halbiert, die der Mitglieder von 500 auf 250. Auch in der Schwalm ist die Zahl der Frauen, die sich in Hessens stärkster Frauengruppe in Hessen engagieren, zurückgegangen. Statt wie bislang 17 Ortsvereine gibt es dort nur noch 14, statt 1000 Mitgliedern nur noch 800, sagt Inge Dietrich vom Vorstandsteam der Bezirkslandfrauen Ziegenhain.

Verband geht in schweren Zeiten neue Wege

Das Thema Nachwuchsgewinnung sei schon lange im kompletten Verband ein Thema, so Heike Hentschel, Geschäftsführerin des Melsunger Bezirksverbandes. Und es werde sich durch die Pandemie weiter verschärfen. Denn gerade die Tatsache, dass die Mitglieder meist älter sind, sei in Coronazeiten ein Grund, äußerst vorsichtig und verantwortungsvoll zu planen. Hessenweit würden deshalb viele Veranstaltungen und Termine nur Online angeboten. „Das ist für viele Frauen nun etwas ganz Neues,“ sagt Heike Hentschel: „Der Verband setzt aber damit in diesen schwierigen Zeiten auf neue Wege“.

Im Melsunger Gebiet soll die Vereinsarbeit krisenbedingt erst im Januar wieder aufgenommen werden: Bis dahin werden die Mitglieder schriftlich über Neuigkeiten informiert, um so die Verbindung zu halten. Auch im Ziegenhainer Bezirk herrscht Stillstand in der Vereinsarbeit der Landfrauen: „Uns fehlt damit jede Gelegenheit, Nachwuchs zu werben“, sagt Inge Dietrich.

Ohne diesen Verein sähe das Leben in Kerstenhausen ganz anders aus

In Fritzlar-Homberg fand gerade die erste Vorstandssitzung statt. Im Freien, mit Abstand. „Wir warten darauf, dass wir die Arbeit aufnehmen können“, sagt Therese Engeland aus Zimmersrode. Die sei nach wie vor wichtig: „Die Landfrauenvereine sind für viele alleinstehende Frauen nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle.“

Dann kam Corona und legte das Projekt Nachwuchsgewinnung der beiden jungen Frauen auf Eis. Damit ist es aber nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, sagt Kathrin Lux: „Wir warten auf die gesetzliche Starterlaubnis, aktiv werden zu dürfen.“

Denn dass sie weiter aktiv in Sachen Landfrauen bleiben wollen, ist für die beiden keine Frage. Ohne diesen Verein, da sind sich beide einig, sähe das Leben in Kerstenhausen ganz anders aus.

Es gäbe kein Backhausfest, kein Osterfrühstück und auch keine Schnuddelabende mehr. Überall dort waren die Landfrauen als verlässliche Stütze dabei, halfen, organisierten, wuppten alles, was anstand. Und dann sah es doch so aus, als müsste der Verein aufgeben, denn es fehlten Frauen, die mitmachen und sich engagieren wollten, auch in der Vorstandsarbeit.

Martina Hellmuth und Kathrin Lux wollen das verhindern. Sie machen sich stark dafür, dass der Landfrauenverein Kerstenhausen ganz neu durchstartet – sobald es die gesetzlichen Vorgaben es erlauben. Denn die beiden sind sich sicher: Wenn die Frauengruppe wegen Mitgliedermangels aufgelöst werden müsste, würde ihr Ort ein Stück ärmer.

Genau 30 Jahre lang haben die Landfrauen das Leben im Borkener Stadtteil bereichert. Haben Kurse, Seminare, Ausflüge angeboten, bei Festen mit angepackt, Gemeinschaft geboten.

Der Blick geht optimistisch nach vorne

Lux und Hellmuth wollen ein neues Miteinander gestalten, auch zwischen den Generationen. Sie verwehren sich gegen das altbackene Bild, das viele Menschen vom Traditionsverein haben: „Bei Landfrauen denken doch viele sofort an Landeier“, sagen die beiden – und das treffe in keinerlei Hinsicht mehr zu. Nicht umsonst schreiben sie das Wort Landfrauen nicht zusammen, sind LandFrauen mit einem großen F in der Mitte: Das spiegele das Bild wider, das moderne Frauen, die gerne und bewusst auf dem Land leben, von sich haben. „LandFrauen sind tatkräftig, vielseitig und selbstbewusst.“ Sie richten die Hoffnung auf Neubelebung auf die Zeit, wenn ein Zusammenkommen wieder erlaubt und möglich ist.

Dann, das wäre das große Ziel, soll der Landfrauenverein Kerstenhausen vielleicht sogar einen solchen starken Ruck erleben, wie ihn die Großenengliser Frauen erlebt haben. Dort kamen Ende vorigen Jahres 15 neue Mitglieder hinzu.

Kathrin Lux und Martina Hellmuth richten den Blick optimistisch nach vorne. „Corona hat unser Anliegen erst einmal erschwert, aber das Thema hat ja weiter Relevanz und ist akut“, sagt Kathrin Lux.

Ein Infoabend im Winter, den die beiden angeboten hatten, hatte nicht die gewünschte Resonanz. Vielleicht aber ändert die Coronakrise die Einstellung vieler. Denn wie wichtig ein Zusammenhalt ist – das ist in Pandemiezeiten deutlicher geworden, als man es sich zuvor hatte vorstellen können.

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