Neue Wasserkraftanlage an der Schwalm soll für Öko-Strom sorgen

Stellten die Wasserkraftanlage an der Schwalm vor: von links Nicole Reichard und Christoph Ernst (Stadtsparkasse Borken), Stadtrat Friedhelm Knigge, Bürgermeister Bernd Heßler, Ingenieur Andreas Zoller, Investor Gerd Möller und Jörg Gisselmann (EAM). Fotos:  Brandau

Borken. Es gibt wohl kaum einen anderen Standort in Borken, der so sehr mit dem Thema Wasser verbunden ist wie der, an dem zurzeit die neue Wasserkraftanlage entsteht, die jede Menge Öko-Strom liefern soll.

An der Schwalm bei Gombeth, genau dort, wo sich bis 1967 die Wasserturbinen der Neuen Mühle drehten, baut die Firma Wasserkraftanlage Borken (WKA) GmbH einen neuen Energielieferanten.

Hinter dem etwas sperrigen Namen steht ein in Borken durchaus bekanntes Gesicht: Gerd Möller aus Kleinenglis war der Initiator des Projekts, das das ungenutzte Wasserkraftpotenzial wieder nutzen will. Zusammen mit Bau-Ingenieur Andreas Zoller und Turbinenfachmann Heiko Wirth gründete er die WKA. Die Idee dazu hatte der Kleinengliser Unternehmer auf einer Autofahrt in die Schweiz. Beim Gespräch über umweltfreundliche Energieformen kam er auf den Gedanken, die Schwalm als Stromlieferanten zu nutzen. Und das, ohne dem Fluss Wasser zu entnehmen oder es gar zu verunreinigen. Das Wasser fließt schlicht über ein neues Wehr und durch eine moderne Turbine - und die verwandelt es in pure Power.

Was einfach und einleuchtend klingt, war im Vorfeld mit einem langen Marsch durch die Bürokratie verbunden. Möller aber hatte einen noch längeren Atem: „Als Handwerker mit jahrzehntelanger Erfahrung weiß ich, wie man Hürden und Hindernisse beiseite räumt.“

Nur das alte Wehr ist noch zu sehen: Die Mitarbeiter von Bauleiter Branko Andaback graben tief ins Erdreich.

Soooo viele Probleme habe es jedoch gar nicht gegeben, schwächt Bürgermeister Bernd Heßler ab: „Wenn man nach EU-Richtlinien bauen will, müssen die Vorgaben natürlich auch alle abgearbeitet werden.“ Die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Borken und WKA aber habe dafür gesorgt, dass viele Entscheidungen schnell auf den Weg gebracht worden seien, betonte Gerd Möller.

Die Stadt habe das Projekt unterstützt, weil es Borkens Tradition als Energiestandort fortführe. Das neue Projekt an alter Stelle - die Räder der Neuen Mühle drehten sich von 1578 bis in die 1960er Jahre am Wehr an der Schwalm - sorge aber nicht nur für sauberen Strom, sagt Heßler. Vielmehr werden mit der Fertigstellung erstmals seit mehreren hundert Jahren die Fische wieder einen biologischen Wanderkorridor vorfinden.

Ein Fischaufstieg soll die Wehranlage dann erstmals wieder für Fische durchgängig machen. Das alles soll bald fertig sein: Die Anlage soll spätestens ab Frühjahr Energie ins Netz der EAM einspeisen.

Die Anlage

Die neue Wasserkraftanlage an der Schwalm soll 900 000 Euro kosten. Die Strommenge, die sie erzeugen wird, soll ausreichen, um 180 Drei-Personen-Haushalte zu versorgen. Vom Bau selbst wird nach Fertigstellung im nächsten Frühjahr außer einem Technikhaus am Wehr nicht viel zu sehen sein. Ein weiteres Ziel neben der Stromerzeugung ist es, das Wehr durchgängig zu machen und den Fischen damit einen Wanderkorridor zu eröffnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.