Frau vergaß ihre Handtasche

Plötzlich fehlte die Geldbörse: Borkenerin erhielt Portemonnaie mit Inhalt zurück

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Finderin brachte Geldbörse vorbei: Brunhilde Korty (87) aus Borken ist froh darüber, dass sie ihr verlorenes Portemonnaie samt Führerschein wiederbekommen hat.

Borken. Ein unaufmerksamer Moment und schon ist die Handtasche weg: Das passierte dem Ehepaar Werner und Brunhilde Korty. Aber sie hatten Glück.

Als die Senioren kurz vor Weihnachten in einem Borkener Supermarkt einkaufen waren, blieb die Handtasche der 87-Jährigen beim Verlassen des Geschäfts im Einkaufswagen zurück.

Vermisst hat sie Brunhilde Korty im ersten Augenblick nicht. „Mein Mann hat an der Kasse bezahlt und wir sind zurück zu unserem Auto gegangen, wo er alle Einkäufe verlud. Ich dachte, er habe auch meine Tasche dabei eingepackt“, erklärt Korty. Erst während der Heimfahrt fiel der Verlust der Tasche auf. Schnurstracks ging es zurück in den Supermarkt - wo das Paar bereits erwartet wurde.

„Die Mitarbeiter gaben uns die Handtasche und sagten, eine Kundin hätte sie abgegeben“, sagt Werner Korty. Der ersten Freude folgte die Ernüchterung: Von dem Portemonnaie der Seniorin, das eigentlich in der Tasche hätte sein müssen, fehlte jede Spur. Werner Korty fuhr zur Polizei, um den Verlust zu melden.

Wenn die Ausweise weg sind

„Vor allem, wenn wichtige Dokumente, der Personalausweis oder Bankkarten fehlen, melden Menschen den Verlust ihrer Geldbörse bei uns“, sagt Volker Schulz von der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg. Einige Zeit nach dem Verlust kann eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Fundunterschlagung gestellt werden. Vorher sollte man sich laut Schulz nach einer Woche beim Fundbüro erkundigen, ob der Gegenstand abgegeben wurde. Die Polizei habe es aber schon oft erlebt, dass Fundstücke bei ihnen eingeworfen worden seien.

Portemonnaies sind nach Angaben von Cornelia Berresheim, Leiterin der Ordnungsverwaltung in Homberg, die zweithäufigsten Stücke im Fundbüro - noch häufiger sind es Schlüssel. Doch die meisten Beutel werden ohne Geld und ohne weiteren Inhalt gefunden. Im vergangenen Jahr wurden 25 Sachen im Fundbüro abgegeben. Nur die wenigsten Dinge wurden von ihren Besitzern abgeholt. „Es sind oft alte Gegenstände, die auf den ersten Blick schon sehr abgenutzt aussehen“, erklärt Berresheim - und die vermutlich weggeworfen statt verloren wurden.

Finderin wollte keinen Lohn

Ihre Geldbörse mit kompletten Inhalt bekam Brunhilde Korty nach einer sorgenvollen Nacht wieder. Eine junge Frau stand am nächsten Tag mit dem Portemonnaie vor ihrer Tür und gab in gebrochenem Deutsch an, ihre Mutter hätte die Geldbörse gefunden. Anhand der Ausweise hatte sie das Wohnhaus des Paares ausfindig gemacht.

„Es fehlte nichts, sogar mein alter, grauer Führerschein war noch da“, sagt Brunhilde Korty und strahlt.

Das überglückliche Paar gab der jungen Frau auch einen kleinen Finderlohn, den diese aber zunächst ablehnte und nur auf Drängen hin nahm. Werner Korty: „Weihnachten konnten wir so ohne Stress und Sorge feiern.“

Das müssen Besitzer und Finder beachten

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist man verpflichtet, jeden Fund so schnell wie möglich beim Fundbüro anzuzeigen - ansonsten macht man sich der Unterschlagung schuldig. Dies wird mit Geldbußen und in schweren Fällen sogar mit Haftstrafen geahndet. Eine Ausnahme gibt es bei Gegenständen, die nicht mehr als zehn Euro wert sind.

Ein Finder hat das Recht auf einen Finderlohn vom Besitzer. Dieser beträgt fünf Prozent eines bis zu 500 Euro teuren Fundstücks. Ist der Gegenstand mehr als 500 Euro wert, legt das Fundrecht einen Finderlohn von 25 Euro fest, plus drei Prozent vom über 500 Euro hinausgehenden Betrag. Beim Fund eines Tieres gilt ein Finderlohn von drei Prozent. Die gefundenen Sachen werden sechs Monate im Fundbüro aufgehoben. Meldet sich kein Besitzer, kann der Finder Anspruch auf seinen Fund erheben, sofern er ihn gemeldet hat. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der ursprüngliche Besitzer noch innerhalb von drei Jahren seinen Besitz einfordern.

Holt niemand das Fundstück ab, kann das Fundbüro es versteigern. Fundstücke in öffentlichen Verkehrseinrichtungen müssen der jeweiligen Verkehrsgesellschaft übergeben werden. Der Finderlohn ist dann niedriger als bei Straßenfundstücken. 

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