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Wilde Verfolgungsjagd mit Schusswechsel – Urteil gefallen

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Von: Ulrike Lange-Michael

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Wegen Gefangenenbefreiung und erheblicher Gefährdung des Straßenverkehrs wurden zwei Männer jetzt vom Amtsgericht Kassel  zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (Symbolbild)
Wegen Gefangenenbefreiung und erheblicher Gefährdung des Straßenverkehrs wurden zwei Männer jetzt vom Amtsgericht Kassel zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (Symbolbild) © Jochen Lübke/dpa

Eine gefährliche Verfolgungsfahrt endete in Borken mit Schüssen und zwei demolierten Autos. Jetzt stehen die Täter in Kassel vor Gericht.

Kassel/Merxhausen/Borken – Weil sie einem alten Freund helfen wollten, der wegen diverser Straftaten in Zusammenhang mit Drogenkonsum in der geschlossenen Psychiatrie in Bad Emstal-Merxhausen (Landkreis Kassel) einsaß und seine Flucht plante, lieferten sich zwei 27 und 29 Jahre alte Männer aus Südhessen vor elf Monaten eine wilde Verfolgungsfahrt mit einem Streifenwagen der Fritzlarer Polizei.

Sie endete schließlich mit Schüssen und zwei demolierten Autos im Borkener Stadtteil Kerstenhausen. Wegen Gefangenenbefreiung und erheblicher Gefährdung des Straßenverkehrs wurden die Männer jetzt vom Kasseler Amtsgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Rasante Verfolgungsjagd in Merxhausen: Gerichtsverhandlung in Kassel beginnt

Die Angeklagten berichteten freimütig, was geschehen war: Am 27. April 2021, frühmorgens um kurz nach 6.00 Uhr, hatten Kevin M. und Patrick L. mit einem zuvor gekauften alten Ford Fiesta den verabredeten Treffpunkt vor Grischäfers Scheune in Merxhausen erreicht. Dort warteten sie auf die beiden Inhaftierten, die ihre Flucht aus dem geschlossenen Vollzug gut vorbereitet hatten. Allerdings: „Die Sicherheitsvorkehrungen der Klinik waren ein Grausen“, meinte Amtsrichter Dr. Gescher. Die beiden Geflüchteten stiegen zu den beiden Angeklagten ins Auto, das Kevin M. steuerte. Patrick L., Freund seit Kindertagen eines der beiden Entflohenen, hatte M. als Fahrer besorgt und ihm 500 Euro dafür versprochen.

Was die beiden jungen Männer nicht wussten: Die Reise mit den illegalen Passagieren endete schon nach wenigen Kilometern, dort stiegen die Flüchtigen am Waldrand wieder aus. Angeblich gab es dort eine weitere Fahrgelegenheit. Sie waren also entlassen und fuhren auf der B450 Richtung Fritzlar. Als ihnen ein Streifenwagen der Polizei Fritzlar mit Blaulicht und Martinshorn entgegenkam, wendete und hinter ihnen herfuhr, begann eine rasante Verfolgungsfahrt.

Denn inzwischen hatte die Leitstelle die Polizei über die Flucht informiert und das Fahrzeug beschrieben. Dass die Entflohenen gar nicht mehr im Auto saßen, wussten die Polizisten jedoch nicht.

Gerichtsverhandlung in Kassel: Täter standen unter Drogeneinfluss

Über Lohne und Fritzlar ging die Fahrt auf die A49, dort erreichten die Polizisten das Fluchtauto erneut, das an der Anschlussstelle Borken die Autobahn verlassen musste und sich weiter in Richtung Bad Zwesten bewegte. Dabei hätten die beiden Männer durch rücksichtloses und schnelles Fahren, Überholen und Befahren der Gegenfahrbahn sowie das Überfahren einer roten Ampel mehrmals gefährliche Situationen geschaffen. So beschrieben es als Zeugen vor Gericht die Polizeibeamten, die das Fluchtauto in Kerstenhausen zweimal rammten und mit zwei Schüssen in die Reifen schließlich stoppen konnten. Die Angeklagten ergaben sich dort widerstandslos. Dass es bei der riskanten Raserei keine Verletzten und Unfälle gegeben habe, sei reines Glück gewesen, betonten Richter und Staatsanwältin. Das Gefährdungspotenzial sei hoch gewesen.

Dass beide Männer seit Jahren regelmäßig Drogen und Alkohol konsumieren, während der Tat unter Drogeneinfluss standen, müsse man berücksichtigen. Positiv zu bewerten sei, dass sie voll geständig seien, meinte Staatsanwältin Beinroth.

Kassel/Merxhausen/Borken: Mehrjährige Haft nach gefährlicher Verfolgungsjagd

Belastend seien jedoch die zahlreichen Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit. Daher seien Bewährungsstrafen nicht möglich. Die Verteidiger erhofften sich für ihre Mandanten, dass sie während der Haftzeit durch Drogentherapie und Berufsausbildung eine Chance für ein stabileres Leben erhalten könnten.

Richter Dr. Gescher und seine zwei Schöffinnen entsprachen mit ihrem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin: Kevin M. muss drei Jahre und drei Monate in Haft, Patrick L. zwei Jahre. „Sie müssen den Kreislauf von Drogenmissbrauch und Kriminalität durchbrechen“, forderte er die Angeklagten auf. Er sehe da durchaus Chancen, wenn Therapie und Ausbildung auch durchgehalten würden.

Übrigens: Die beiden aus Merxhausen Geflüchteten wurden nach wenigen Wochen gefasst und sitzen wieder im Gefängnis. Einer der beiden muss sich wegen eines versuchten Tötungsdelikts, das er nach der „Befreiung“ verübte, zurzeit erneut vor Gericht verantworten. (Ulrike Lange-Michael)

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