Großes Interesse an Fortbildung in Borken

Psychologin gibt Tipps für Umgang mit Aggression bei Kindern

Unkontrollierte Wut, großer Zorn: Starke Aggressionen bei Kindern stellen Erzieher, Lehrer und Eltern häufig vor Probleme. In Borken gab eine Psychologin hilfreiche Tipps. 2 Fotos: privat/zty

Borken. Aggression ist nichts anderes als Ohnmacht: Das sagt die Psychologin Virginie Puschmann, die im Borkener Bürgerhaus über Wut und Zorn bei Kindern referierte und Tipps für den Umgang damit gab.

Die Beratungsstelle Schwalm-Eder hatte Pädagogen und Erzieher zur Fortbildung eingeladen und traf damit auf großes Interesse. Über 400 Teilnehmer hatten sich angemeldet.

Puschmann gab ihnen ganz praktische Werkzeuge an die Hand, wie man mit Aggression auf dem Schulhof, im Kindergarten, in der Jugendhilfe oder auch in der Familie umgehen kann, wenn es zu einem Konflikt kommt. „Wenn wir verstehen, dass hinter der Wut Hilflosigkeit steckt, können wir ganz anders damit umgehen“, sagte sie. Dann könne man auch den Teufelskreis durchbrechen: Auf Aggression reagiere man meistens selbst mit Aggression.

Auf dem Weg dahin gehe es, so die Psychologin, um die richtige Haltung dem Kind gegenüber. Das beginne schon im Umgang mit Kindern. Einer ihre Wahlsprüche lautet daher „UVW tut weh“. Die Großbuchstaben stehen für Urteilen-Vergleichen-Werten. Das sollte man möglichst unterlassen, damit Kinder nicht in die Wert- oder Hilflosigkeit kommen und da heraus aggressiv reagieren.

Wenn es dann doch zum Streit auf dem Schulhof oder dem Streit in der Familie komme, helfe ZDF. Das steht für Zahlen-Daten-Fakten. Man könne das Kind mit Fragen dazu bringen, aus dem Tunnelblick heraus zu kommen, in dem es sich bei großer Aggression befinde: Fragen, was los ist, oder das Abfragen von konkreten Daten, die zum Ereignis führten, lenken die Aufmerksamkeit weg von dem starken Gefühl der Hilflosigkeit.

Dann helfe auch ARD: Andere Richtung Denken. Ablenken helfe dem Kind, sich zu beruhigen. Denn darum gehe es in erster Linie. Das Kind müsse den Stress, den es empfindet, wieder regulieren können. Manchmal helfe auch ein einfaches Stopp, das man laut sagen könne.

Wut sei an sich keine schlechte Sache und könne Energie geben, sagte Dorothee Götz-Töpfer, Psychologin in der Beratungsstelle des Kreises. Und Wut sei auch üblich, aber sie müsse reguliert werden können. Wut müsse verstanden werden, damit sie sich verändern könne. Schwierig werde es, wenn Gewalt dazu komme. Manchmal helfe es, einen Gegenstand zwischen sich und das Kind zu nehmen. Und darauf zu pochen: Das darf nicht kaputt gehen. Dann werde die Aufmerksamkeit auf die Sache gelenkt. Bei einer Eskalation sollte sich der Erzieher neben das Kind stellen und mit ihm reden.

Unterstützung in Form von Beziehung und Hoffnung sei ohnehin das A und O in der Erziehung: Das Kind oder den Jugendlichen wertschätzen, ihm das Gefühl der Anerkennung geben und seine Stärke erkennen.

Von Christine Thiery

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