Lob von der Gemeinde

Sie holten säckeweise Müll aus der Schwalm: Familie räumte in Niederurff auf

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Sammelten nach dem Hochwasser Müll: Stefanie Sinning (links) und ihr Sohn Lennard wollten die Verschmutzung nicht mit ansehen. 

Niederurff. Sieben gelbe Säcke voll. So viel Müll hat die Familie von Stefanie Sinning jetzt bei Niederurff aus der Schwalm gefischt. Durch das Hochwasser wurde der Unrat ans Ufer geschwemmt. 

„Da liegt ja schon wieder Müll!“ Kaum ist Lennard Sinning an den Ort zurückgekehrt, wo er mit seiner Familie am vergangenen Freitag Müll sammelte, lehnt er auch schon wagemutig über dem Ufer am Schwalmauebruch, um mit einem Stöckchen den Unrat aus dem Wasser zu fischen. Seit er mit seiner Mutter Stefanie Sinning, ihrem Lebensgefährten Alexander Koch und dessen Sohn Dominic selbstlos anpackte, um das Ufer nach dem Hochwasser der vorigen Woche zu säubern, fällt dem Sechsjährigen jedes herumfliegende Papierchen auf.

„Er riskiert noch sein Leben“, meint seine Mutter. Die 29-Jährige grinst – obwohl ihr das Thema am Herzen liegt. „So viel Müll haben wir hier noch nicht gesehen. Das ist uns wirklich sofort aufgefallen, als wir neulich spazieren gingen.“ Schnell war der Entschluss gefasst, dass das nicht so bleiben könne.

Unerwartet viel Müll

Und so machten sich die Vier mit Bollerwagen, Müllgreifern, alten Grillzangen und gelben Säcken auf den Weg. Nach zweieinhalb Stunden und eineinhalb Kilometern in Richtung Bischhausen hatten sie sieben gelbe Säcke gefüllt. „Das war echt ein Wahnsinn, was wir gefunden haben: Fahrradhelme, Schirmständer und auch eine Ketchup-Flasche mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 1992“, erzählt Sinning.

Sieben gelbe Säcke: Die Ausbeute konnte sich sehen lassen. 

Da der meiste Müll wohl durch das Hochwasser sichtbar wurde, wolle sie auch gar keinen Schuldigen ausfindig machen, betont die Bürokauffrau, „trotzdem sollte man einfach mal darauf aufmerksam machen, schließlich landet der Abfall irgendwann auch im Meer.“ Um das zu verhindern, nahmen sie nach ihrer Tour all die Mülltüten mit nach Hause, trennten den Inhalt und entsorgten ihn. Eine Aktion, die auch die Verantwortlichen der Gemeinde Bad Zwesten loben. „Wir freuen uns natürlich über diese Aktion“, sagt Günther Heer, Büroleiter im Zwestener Rathaus. „Unserer Erfahrung nach ist die Schwalm aber nicht außergewöhnlich verschmutzt.“

Das Ordnungsamt sei wohl nicht tätig geworden, weil die anliegenden Landwirte ihre Felder normalerweise selbst säubern.

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