An einem Borkener See

Sensationeller Fund: Spaziergängerin entdeckt seltene Orchideen-Art

Christine Schmutzler-Schaub fand eine seltene Variante einer Orchideen-Art: Die bicolore Bienenragwurz. Karl-Heinz Härtl unterstützt bei der Auspflanzung.
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Christine Schmutzler-Schaub fand eine seltene Variante einer Orchideen-Art: Die bicolore Bienenragwurz. Karl-Heinz Härtl unterstützt bei der Auspflanzung.

Durch Zufall hat eine Spaziergängerin an einem Borkener See im Schwalm-Eder-Kreis eine sehr seltene Orchideen-Art entdeckt. In Hessen sind nur wenige Standorte bekannt.

Borken – Da staunte Christine Schmutzler-Schaub nicht schlecht, als sie am Ufer eines Borkener Sees eine sehr seltene Variante einer Orchideen-Art entdeckte: Die Zweifarbige Bienenragwurz. In Hessen sind nur äußerst wenige Standorte dieser Art bekannt und deshalb sei es sehr ungewöhnlich, dass die Variation bicolor in Borken gefunden wurde. Das bestätigt auch die Obere Naturschutzbehörde. Im Schwalm-Eder-Kreis wurde diese Variante der Bienenragwurz nach derzeitigem Kenntnisstand bisher noch nicht registriert. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Menschen sie dort einpflanzten.

Ein Jahr ist der Fund nun schon her. Jetzt hofft Christina Schmutzler-Schaub, dass die Pflanzen an einem neuen Ort wieder Blütensätze bildet. Sie erinnert sich: Knapp 20 blühende Pflanzen standen im Juni 2020 an der Wasserkante des Sees, als sie im Gebiet spazieren ging. „Die Pflänzchen standen schon im Wasser. Ich war ganz erstaunt, dass sie überhaupt noch grün waren“, sagt sie. Sie wusste: Die Orchideen waren von Überflutung bedroht, da der Wasserspiegel des Sees weiter steigen wird.

Seltene Orchideen-Art im Schwalm-Eder-Kreis: Naturschutzbehörde bestätigt Fund

Christine Schmutzler-Schaub ist Hobbyfotografin. Weil sie sich seit Jahren mit verschiedenen Pflanzenarten auseinandersetzt und viele fotografiert hat, erkannte sie, dass es sich um eine Orchidee handeln muss. „Die Ragwurz habe ich per Zufall entdeckt. Ich wusste nicht gleich, was genau es ist.“ Sie hat im Internet recherchiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um die bicolore Bienenragwurz handeln müsse. Das bestätigt dann die Obere Naturschutzbehörde. Auch im Knüll hat ein Hobbybotaniker seltene Orchideen am Straßenrand entdeckt.

Bienenragwurz hat kein Muster auf den Blüten.

Rettung der Orchidee: Blumen können sich oft nicht vermehren

Bicolor bedeutet zweifarbig. Diese Variante hat also kein Muster, das auf der Blüte der einfachen Bienenragwurz zu sehen ist, und macht sie deshalb so besonders. Schmutzler-Schaub versuchte, die besonderen Orchideen zu retten, weil heimischen Orchideen-Arten stark vom Rückgang betroffen sind. Da die Bienenragwurz erst im Juni blüht, werden Wiesen, auf denen die Ragwurze wachsen, meist vor der Blüte, und somit auch vor der Samenbildung, gemäht. Dadurch kann sich die Blume nicht weiter vermehren.

Sie hatte sich an verschiedene Naturschutzorganisationen gewandt – jedoch vergebens. Letzten Endes hat Schmutzler-Schaub dann Hilfe bei Gärtnereimeister Karl-Heinz Härtl aus Niedenstein gefunden. „Er war gleich begeistert von der Idee, die Pflanzen zu retten“, sagt sie. Härtl erklärt: „Die Orchidee hat eine wirklich ungewöhnliche Farbform. Es wäre schade um jedes Individuum, das verloren geht.“

Orchideen wurde an einem geheimen Ort im Raum Borken eingepflanzt

Unter Anleitung des Experten hat Christine Schmutzler-Schaub die Pflanzen dann im August ausgegraben und in die Obhut der Gärtnerei Härtl in Niedenstein gegeben. „Wie ein Profi hat sie das gemacht“, lobt Härtl Schmutzler-Schaub lächelnd. In der Gärtnerei wurden 27 Knollen isoliert und in ein spezielles Pilzsubstrat gesetzt, von denen 19 ausgetrieben sind. Diese sollten eigentlich schon im Oktober ausgesetzt werden, aber dafür war es im Herbst noch zu warm, im Winter dann zu kalt. Jetzt wurden die Orchideen fast ein ganzes Jahr nach dem Fund in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde, an einem geeigneten Ort im Raum Borken eingepflanzt. Zum Schutz des Bestandes bleibt der Standort geheim.

„Wir sind glücklich, wenn sich bei 20 Prozent der Pflanzen Blütenansätze bilden“, erklärt Karl-Heinz Härtl. „Die werden dann hoffentlich Samen tragen und für weitere Pflanzen im nächsten Jahr sorgen“. Laut Härtl müsse es viel mehr Menschen geben, die mit offenen Augen durch die Natur gehen. Schmutzler-Schaub ist der selben Meinung: „Ich sage immer, man schützt nur, was man kennt“. Karl-Heinz Härtl verspricht: „Ich werde zu den Pflanzen hinfahren, nach ihnen sehen und schauen, wie sie sich entwickeln.“ (Kira Müller)

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