Seelentröster auf vier Pfoten

Therapiehund Balou ist der Star im Altenheim Blumenhain in Borken

Ein alter Mann sitzt im Rollstuhl eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz beugt sich zu ihm herunter, vor den beiden sitzt ein Berner Sennenhund.
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Willkommene Begegnung im Seniorenheim: Auch Lothar Ochs aus Jesberg freut sich mit Seniorchefin Manuela Freidhof über Kontakt zu Hund Balou.

Wo immer Balou im Seniorenheim Blumenhain auftaucht, sorgt er für Entzücken. Viele Senioren rufen und locken ihn herbei, greifen ihm ins dichte Fell, sprechen ihn liebevoll an.

Balou scheint das große Aufsehen, das er erregt, aus vollem Hundeherzen zu genießen. Doch bevor er auf den Menschen zusteuert, der ihn da ruft, schaut er zu Frauchen Manuela Freidhof rüber. Erst, wenn sie mit einem Handzeichen das Okay gibt, trottet der dreijährige Sennenhund los und lässt sich bewundern und kraulen.

Was nach einem Traumjob klingt, ist in Wahrheit harte Arbeit. Manuela Freidhof hat gerade mit ihrem Vierbeiner eine Ausbildung zur tiergestützten Therapie abgeschlossen, Balou ist damit ihr Co-Trainer. Wem ein zufälliges Treffen auf den Fluren nicht reicht, kann auch einen Besuchstermin mit Seniorchefin Freidhof samt Hund vereinbaren.

In Zeiten, in denen der Begriff „Besuch“ im Seniorenheim nicht mehr selbstverständlich ist, nehmen viele Bewohner das Angebot gern an. Auch wenn es im großen Café der Einrichtung genügend Platz für Besuche und Begegnungen mit Abstand gibt, verzichten doch viele Senioren darauf: „Aus Angst vor Corona haben viele Bewohner Sorge, von ihren Familien besucht zu werden, freuen sich eher über Anrufe, Briefe, Päckchen“, sagt Manuela Freidhof. Oder sie freuen sich über vierbeinigen Besuch wie über den von Balou. Der übernimmt in aller Gemütsruhe die Aufgabe, auf Menschen zuzugehen, ohne sie zu bedrängen. Sie können ihn streicheln, umarmen, besprechen – der Berner Sennenhund lässt mit stoischer Gelassenheit alles über sich ergehen. Das liegt auch daran, dass er schon als Welpe mit dabei war, wenn Manuela Freidhof im Heim unterwegs war, Mitarbeiter schulte, Besprechungen führte. Heute ist der Vierbeiner an Menschen gewohnt, geht auf sie zu, gibt Zuwendung und Aufmerksamkeit. „Damit bringt er vielen Freude in diese isolierten Monate“, sagt Manuela Freidhof.

So wie für Rita Ilchmann. Sie liebt Balou – und er sie. Die mit dem Hund verbrachten Zeiten stellen für die 82-Jährige innige Momente dar. „Früher hatte ich auch einen solch großen Hund“, sagt sie. Mit Balou erlebt sie das Glück wieder, mit beiden Händen durch ein dickes Fell streichen zu können.

Manuela Freidhof hat die Ausbildung mit ihrem Hund bereits vor der Coronapandemie begonnen und sie jetzt abgeschlossen. Sie merkt jeden Tag, wie wichtig für viele Bewohner ein solcher Seelentröster wie ihr Hund ist – gerade jetzt. Das Altenheim Blumenhain hat 2020 viele neue Erfahrungen machen können – und machen müssen. Im Sommer war das Coronavirus in der Borkener Einrichtung ausgebrochen. Eine schwere Zeit für Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter.

Manuela Freidhof zeigt sich zuversichtlich, dass der Betrieb diese außergewöhnliche Zeit weiter gut meistern wird. Der Landkreis sei eine große Hilfe gewesen, das Gesundheitsamt sehr gut aufgestellt: „Wir wissen, wo wir uns Hilfe holen können, wenn wir sie brauchen.“

Das wissen viele tierliebe Senioren nun auch. Denn Balou gibt allen eine klare Botschaft. Seine Zuwendung stehe immer für die Worte „Du bist nicht allein.“ Ein Satz, der für viele in der Pandemie eine neue Dimension hat.

Von Claudia Brandau

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