Ein Grab in der Natur 

Trockenerfurth bei Borken: Waldfriedhof "Waldurne" eröffnet

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Viel Natur: Außer den gemulchten Wegen weist wenig auf den Waldfriedhof hin, der nun bei Trockenerfurth Bestattungen in der Natur ermöglicht.

In Trockenerfurth in Borken eröffnet der erste Waldfriedhof der Region. Ab sofort sind Bestattungen im Gebiet "Waldurne" möglich.

  • Der erste Waldfriedhof in der Region um den Borkener Stadtteil Trockenerfurth eröffnet nach drei Jahren. 
  • Ab sofort können in dem Gebiet "Waldurne" Bestattungen vorgenommen werden. 
  • Martin Gabbey hat das Projekt ins Leben gerufen. 

Er hat einen langen Atem bewiesen, bis er seine Idee umsetzen konnte: Fast drei Jahre hat es gedauert, bis Martin Gabbey aus Borken den ersten Waldfriedhof in der Region in Trockenerfurth eröffnen konnte.

Borkener Parlament hat das Okay gegeben

So lange hat es gedauert, bis alle Voraussetzungen geschaffen waren und alle notwendigen Genehmigungen, Stempel und Dokumente vorlagen. Jetzt aber hat das Borkener Parlament genau wie alle anderen Behörden das Okay gegeben (wir berichteten). 

Nun sind die insgesamt drei Wege im drei Hektar großen Gebiet „Waldurne“ nahe dem Borkener Stadtteil Trockenerfurth gemulcht, die Bestattungsbäume markiert, die Parkplätze gekennzeichnet und die Sitzbänke in Auftrag gegeben. Ab sofort können also die Ruheplätze gekauft, die ersten Bestattungen vorgenommen werden.

Noch über den Tod hinaus Natur

Die Idee dazu hatte der 57-Jährige, als er den Wald bei Trockenerfurth schon erworben hatte. Gabbey, der auch das TUI-Reisecenter Borken leitet, hatte das Stück unberührte Natur – das Waldstück wird seit Jahrzehnten nicht bewirtschaftet – gekauft, um etwas zu schaffen, das auch über seinen Tod hinaus Natur bleibt.

Zudem gab es bislang keinen anderen vergleichbaren Bestattungsort in der Nähe. Wer immer sich im Altkreis für die Bestattungsform im Wald entschied, musste lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Gabbey hat das mit dem Friedhof Waldurne geändert. 

Martin Gabbey

Zurzeit nimmt er Kontakt mit den hiesigen Bestattern auf, denn der Reisekaufmann stellt lediglich den Ort und den Baum zur Verfügung, an dem die – biologisch abbaubare – Urne beigesetzt wird. Die Dienstleistungen eines Bestatters übernimmt er jedoch nicht.

Die letzte Reise

Es sind nun ganz andere Gespräche, die Gabbey mit Kunden führt, als er sie aus seinem Reisecenter gewohnt ist. Statt mit den Kunden über Urlaubsziele zu sprechen, redet er im Unternehmen „Waldurne“ über die letzte Reise, die ein Mensch antreten kann.

Meist ein hochsensibles, emotionales Thema – für den, der da geht und sich bereits zu Lebzeiten für einen Platz am Baum entscheidet und für die Angehörigen, die bleiben, und einen Platz suchen, für den, der bereits gegangen ist.

Wer sich bewusst und selbst entscheiden will, dass er in einem Bestattungswald begraben werden möchte, kann schon jetzt einen Platz wählen. 

Die Ruhezeit von 15 Jahren beginnt dann erst am Tag der Bestattung – auch wenn die noch Jahre entfernt sein sollte. „Manche wollen für sich und den Fall der Fälle vorsorgen und ihren Angehörigen die Entscheidung abnehmen“, sagt Gabbey.

Verschiedene Gräberarten werden geboten

Er bietet anonyme Gräber, Einzelgräber aber auch sogenannte Verbindungsbäume und auch Familienbäume an, an denen sich mehrere Verwandte oder auch befreundete Menschen bestatten lassen können.

Der Gedanke an die eigene Sterblichkeit falle vielen schwer – gerade deshalb aber könne eine bereits zu Lebzeiten getroffene Entscheidung befreiend wirken. „Zu wissen, wo man die letzte Ruhe finden wird, kann auch Ruhe geben."

Infos: waldurne.de

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