Kolossaler Transport aus Bonn

Borkener Umspannwerk ist eine der modernsten Anlagen im Land

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Da sieht man, wie groß ein 300 Tonnen schwerer Transformator ist: von links Projektleiter Sebastian Greinert, Energieelektroniker Jean Meyer aus Gudensberg und Tennet-Pressesprecher Markus Lieberknecht vor dem Sattelschlepper, der den Trafo in Millimeterarbeit zu seinem endgültigen Standort bugsierte.

Borken – Es war ein Transport der ganz besonderen Dimension, der jetzt am Umspannwerk Borken ankam: Ein 300 Tonnen schwerer Transformator wurde per Bahn von Bonn nach Borken geliefert.

Jetzt wurde das 300 Tonnen-Gerät, das auch noch bis zu 100 Tonnen Öl aufnehmen kann, aufs eigens konstruierte Fundament bugsiert: Das Betriebsgewicht des schweren Koloss’ liegt samt Öl und Kupferspulen immerhin bei knapp 500 Tonnen. Drei Monate soll es noch dauern, bis der Trafo betriebsbereit ist. Dann sorgt er mit all den laufenden Erweiterungs- und Umbauarbeiten dafür, dass das Umspannwerk für den steigenden Stromtransportbedarf und den Energiewandel gerüstet ist – denn bis 2022 gehen alle deutschen Kraftwerke vom Netz.

30 Millionen Euro hat Tennet in den Standort Borken investiert – und ihn damit zu einer der modernsten Drehscheiben im Tennet-Netz gemacht. „Borken ist einer wichtigsten Versorgungspunkte in ganz Hessen“, sagt Projektleiter Sebastian Greiner.

Der Standort stelle eine Art Autobahn dar, an dem ankommender Strom gesammelt und in alle vier Himmelsrichtungen verteilt wird. Bis zu zwei Millionen Verbraucher werden vom Borkener Umspannwerk mit Strom versorgt.

Noch ist die Halle leer: Bald wird sie voller Hochleistungselektronik stehen, die vor Wind, Wetter und Temperaturschwankungen geschützt werden muss. 

Wer also glaubt, dass es sich beim Standort um ein Gelände handelt, auf dem rein gar nichts passiert, der täuscht sich: Auch wenn dort keine Mitarbeiter beschäftigt sind – der Betrieb wird komplett ferngesteuert – so wird dort an 365 Tagen im Jahr die Stromspannung unterstützt und jener Schmierstoff bereit gestellt, der nötig ist, um auf der 380 Kilovoltebene Strom auf lange Reisen zu schicken.

Diese „Blindleistung“, wie sie im Fachjargon heißt, wird benötigt für die Stromübertragung und die exakte Spannungshaltung im Netz. „Ohne Blindleistung, eine Art Schmiermittel, kann Strom schlicht nicht transportiert werden“, erklärt Pressesprecher Markus Lieberknecht. „Die Kunst ist, genau das richtige Maß zu finden, damit die Wirkleistung nicht beeinträchtigt wird.“ Die Blindleistungsanlage sorgt dafür, dass dieser Schmierstoff ins Netz gelangt und dass damit sozusagen der Verkehr auf der Stromautobahn quer durchs Land rollt.

Das alles hätte sich die Preußen Elektra wohl nicht vorstellen können, als sie das Umspannwerk 1926 einrichtete. Heute, sagt Projektleiter Greiner, habe es eine völlig andere Aufgabe als früher: Es müsse trotz stark schwankender Einspeisungen wie durch Windkraft das Bestandsnetz sicher betreiben. Das Borkener Umspannwerk sei damit eine der modernsten Strom-Drehscheiben im Land.

Wer also in der Region ein Gerät in die Steckdose einstöpselt, kann sicher sein, dass der Strom aus Borken kommt. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Strom für 41 Millionen Menschen

Das Borkener Umspannwerk hat eine lange Tradition, es wurde bereits 1926 eingerichtet und erst von der Preußen Elektra, später dann von der Eon betrieben und 2010 von der niederländischen Firma Tennet übernommen. Das Höchstspannungsnetz umfasst ein Leitungsnetz von 23 000 Kilometern, es reicht von Schleswig-Holstein im Norden bis Niederbayern im Süden quer durch die gesamte Republik und versorgt rund 41 Millionen Stromverbraucher. Das Borkener ist eines von insgesamt 129 Umspannwerken, das zu Tennet gehört. Tennet beschäftigt 4000 Mitarbeiter im Energiemarkt.

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