Gefährliche Situationen für Bauarbeiter

Vollsperrung der B3 in Kerstenhausen: Oft siegt die Frechheit

Die Bauarbeiter erleben oft ihr blaues Wunder: Ein Autofahrer fährt dicht neben den Arbeitern auf dem Bürgersteig an der Baustelle vorbei. Foto: Zerhau

Wenn diese Baustelle fertig ist, werden die Arbeiter drei Kreuze machen: Die Vollsperrung der B3 in Kerstenhausen sorgt immer wieder für Chaos - und für gefährliche Situationen.

Die Umleitung ist zwar schon Kilometer vor der Baustelle in dem Borkener Stadtteil ausgeschildert, doch nutzt das nur wenig. Längst nicht alle Auto- und Lasterfahrer können oder wollen wirklich glauben, dass es in Kerstenhausen kein Durchkommen gibt und setzen alles daran, dass sie irgendwie und auf Teufel komm raus doch durchkommen, Verbotsschilder hin oder her.

Viele rollen bis zur Kante 

Dass sie damit auch die Bauarbeiter in gefährliche Situationen bringen, scheint vielen gleichgültig zu sein: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht über den Haufen gefahren werden“, sagt Jörg Dorozynski. Er ist Polier der Baufirma, die zurzeit die 200 Meter lange Strecke am Ortseingang Kerstenhausen komplett erneuert. Die Straße ist dort ausgekoffert, also nicht mehr zu befahren. Und trotzdem rollen viele Fahrer bis zur Asphaltkante, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es nun wirklich nicht weiter geht.

Die Bauarbeiter lernen gerade wieder, dass auch die beste Beschilderung oft rein gar nichts nutzt: Viele Fahrzeugführer seien dermaßen belehrungsresistent, dass sie alle Schilder missachten und dann mitten in der Baustelle stünden. Und zwar nicht nur die Fahrer von Autos: Sattelschlepper von beachtlicher Größe und Länge steckten diese Woche in großer Zahl fest, unternahmen waghalsige Wendemanöver.

Die Bauarbeiter müssen deshalb nicht nur aufpassen, dass ihnen an Arbeitsmaschinen wie Bagger, Raupe und Verdichter nichts passiert - sie müssen vor allem auch auf jene Autofahrer achten, die sich auf dem Bürgersteig durch die Baustelle mogeln.

Lars Gimbel

Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sich zwei Autos auf dem Gehweg plötzlich gegenüber stehen, berichtet Anlieger Lars Gimbel. „Dann gibt es kein Vor und kein Zurück mehr, sondern nur Streit. Die Fahrer steigen aus und tauschen Nettigkeiten aus“, sagt Lars Gimbel.

Überhaupt lässt die Vollsperrung, die eine großräumige Umleitung und damit viel Zeit und Nerven erforderte, viel Raum für „Nettigkeiten“ zwischen den Fahrern. Vor allem zu Zeiten des Berufsverkehrs. Am Morgen und am Nachmittag gebe es regelrechte Hauptverkehrszeiten in der Baustelle, dann versuchten noch mehr, sich irgendwie an den Baggern vorbei zu drängen, sagt Jörg Dorozynski.

Lars Gimbel erlebt das auf seinem Grundstück am Ortsausgang Richtung Bad Zwesten: Viele Brummifahrer, die sich eben nicht auf die Schilder, sondern auf ihr Navi verlassen haben, stranden am Gimbelschen Grundstück. „Das sieht schon heftig aus, wenn hier plötzlich ein 40-Tonner-Sattelzug ein Wendemanöver hinlegt“, sagt Gimbel. Da bleibe dann auch schon einmal das ein oder andere Straßenschild auf der Strecke.

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