Neue Bürgerinitiative: Von Rodung in Borken überrascht

Borkener wehren sich gegen Baupläne

Wiese, Bäume, Himmel, gerodetes Gelände
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Da steht nichts mehr: Das Grundstück am Giesenbühl an der Borkener Westrandstraße nach der Rodung.

Borken – Es ist nicht mehr zu übersehen, dass an der Borkener Westrandstraße gebaut werden soll: Das Grundstück am Naturschutzgebiet Giesenbühl, auf dem zwei große Mietshäuser entstehen sollen, wurde vergangene Woche gerodet. Für die Anwohner, die sich gegen das Projekt wehren, kam das unerwartet: Erst kurz zuvor hatten sich die Mitglieder des Borkener Bauausschusses gegen das Großprojekt ausgesprochen.

Jetzt wurden Bäume. Büsche, Sträucher mit schwerem Gerät gerodet, das Bauland damit vorbereitet. Heißt das, dass bald gebaut wird? Nein, sagt der Borkener Bauamtsleiter Christoph Bachmann: „Uns liegt eine informelle Bauvoranfrage, aber kein Bauantrag vor.“

Doch das Projekt, das zwei fast zehn Meter hohe und 50 Meter lange Gebäudekomplexe vorsieht, entspreche dem Bebauungsplan und damit auch den in 2011 formulierten städtebaulichen Zielen, betont Bachmann. Die Stadt mache sich die Entscheidung über das Projekt an der Westrandstraße aber nicht leicht: Sie habe bereits Ortstermine, Sitzungen, Diskussionen absolviert, denn das große Bauvorhaben sorge doch für Irritationen bei vielen Anwohnern.

Die sind nicht nur irritiert, sondern vertreten eine klare Position: Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, um sich gegen Bebauungspläne zu wehren, die das Naturschutzgebiet Giesenbühl von der Westrandstraße her komplett abriegeln würden.

Den Rodungsarbeiten haben man am Dienstag tatenlos zuschauen müssen, sagt Lena Gonska, die für viele Anwohner spricht. Denn die seien naturschutzrechtlich genehmigt: „Uns waren da die Hände gebunden.“ Auch wenn es nicht ohne Ironie sei, fügt sie hinzu, dass das Hinweisschild aufs Naturschutzgebiet nun mitten im gerodeten Nichts stünde. Was aber nun auf der leeren Fläche entsteht, ist fraglich.

Die Stadt werde eine Stellungnahme vorlegen, sobald ein Bauantrag vorliege, sagt Bauamtsleiter Christoph Bachmann: „Bisher ist alles eine Einschätzung, der Investor hat ja nur informell angefragt.“ Die Stadt Borken setze bei der Gestaltungsfrage auf eine einvernehmliche Lösung. Für Borken gehe es nicht darum, ein solches Vorhaben zu verhindern, doch es wäre „wünschenswert, wenn der Investor und wir aufeinander zugehen könnten.“

Vielleicht passiert das schneller als gedacht: Der Investor bekräftigte am Freitag auf HNA-Anfrage seine Absicht, das Grundstück am Giesenbühl zu bebauen. Nach der negativen Resonanz im Vorfeld allerdings nicht in der vorgesehenen Form und Größe. Normalerweise sei der Wohnungsbau bei Städten und Gemeinden ein gern gesehenes Thema, Investoren stets willkommen, doch bei diesem Vorhaben sei das offenbar nicht der Fall. Fragen, wie die Bebauung denn in neuer Form und Bebauung aussehen könnte, ließ der Investor, der namentlich nicht genannt werden will, offen.

Die Bürgerinitiative hat im Internet eine Unterschriftenaktion gestartet: openpetition.de/!lmjdz

Von Claudia Brandau

Lena Gonska

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