Wolf im Wald nahe Kleinenglis gesichtet

Kann es sein, dass der Wolf in den Landkreis zurück kehrt? Die nordhessischen Wälder böten prima Bedingungen, sagt Dr. Fröhlich vom Wildpark Knüll. Nur müsse sich der Mensch für den Fall, dass das so stimme, ans neue Miteinander gewöhnen. Foto:  picture-alliance

Jesberg/Borken. Die Hinweise verdichten sich, dass einer oder gar mehrere Wölfe im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs sind.

Zwei Reiterinnen haben am Mittwoch einen Wolf in einem Waldstück nahe der Kalbsburg bei Fritzlar gesichtet. Fachleute überrascht das nicht. Es habe in den vergangenen Wochen und Monaten öfter Anrufe von Spaziergängern gegeben, die einen Wolf gesichtet haben wollen, berichtet der stellvertretende Forstamtsleiter Ulrich Gerhold aus Jesberg. Allerdings gebe es weder Fotos noch andere Spuren, die eindeutig die Existenz eines Wolfs beweisen.

Dr. Wolfgang Fröhlich, Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbandes Hessen, nimmt diese Hinweise ernst: Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass ein Jungtier auf der Suche nach einem Revier durch die Region geistert. Er habe mittlerweile zu viele Hinweise bekommen, um weiter an der Existenz eines Wolfes zu zweifeln. Selbst mancher Jäger vermute, dass es einen oder mehrere Wölfe im Landkreis gebe, sagt Fröhlich.

Ob es sich um immer dasselbe Tier handelt, ist unklar. „Ein Wolf kann problemlos 30 Kilometer in der Nacht zurücklegen“, sagt Ulrich Gerhold. Damit sei nicht ausgeschlossen, dass jenes Tier, das in Fritzlar gesichtet wurde, auch dasselbe sei, das Jesberger Spaziergänger angeblich schon öfter gesehen haben.

Gerhold berichtet von einem Galloway-Kalb, das im vorigen Jahr auf der Weide gerissen und in den nahen Wald gezerrt wurde. Ob es tatsächlich ein Wolf war, der das Kalb erlegte, sei aber nie bewiesen worden: Am Kadaver seien nur noch Spuren von Fuchsbissen zu finden gewesen.

Florian-Peter Koch aber, der stellvertretende Leiter des Neukirchener Forstamtes, ist skeptisch, ob tatsächlich ein Wolf in den Wäldern der Region unterwegs ist: „Uns liegen keinerlei Beweise vor - vor allem keine belastbaren.“ Schwalm-Eder. Alessia Duthe und Anne Hummel sind sich ganz sicher: Die beiden Frauen haben jetzt bei einem abendlichen Ausritt einen Wolf im Wald nahe Klein-Englis gesichtet.

Die Reiterinnen waren gegen 19 Uhr zwischen dem Borkener Stadtteil und der Kalbsburg unterwegs, als sie auf einem Waldweg ein Tier sahen, bei dem es sich definitiv nicht um einen Fuchs, sondern um einen Wolf gehandelt habe. „Wir waren wirklich perplex, als wir ihn sahen“, beschreibt Alessia Duthe die Situation.

Das Tier sei größer als ein Schäferhund, aber noch nicht ausgewachsen gewesen. Und ja, natürlich hätten sie beide Zweifel gehabt, ob es denn wirklich sein könne, dass ihnen am frühen Abend ein Wolf im Wald begegnet. Bislang haben wir immer nur Hasen und Rehe getroffen,“ berichtet die 29-Jährige aus Fritzlar.

Ja, klar könne das sein, sagt Dr. Wolfgang Fröhlich, Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbandes Hessen und Leiter des Wildparks Knüll: „Halbstarke Jungtiere werden von ihren Eltern verstoßen, sie streunern durch die Wälder, suchen ein Revier oder Anschluss an einen Partner - es ist tatsächlich möglich, dass die Frauen einen Wolf gesehen haben.“ Schön wäre es gewesen, die Reiterinnen hätten ein Foto schießen können. Das hätten die beiden Frauen auch gerne getan, nur sei das Tier sehr schnell vom Waldweg im Gebüsch verschwunden.

Letzte Zweifel daran, dass es ein Wolf gewesen sei, hätten die Pferde ausgeräumt: „Als wir an die Stelle kamen, an der der Wolf gestanden hatte, wurden die Tiere total nervös“, berichtet Duthe. Sie selbst habe keine Gefahr befürchtet: Das Klappern der Hufe auf dem Schotter werde das Tier schon vertreiben, habe sie sich gedacht.

Wolfgang Fröhlich gibt ihr Recht. Wölfe seien für gewöhnlich scheue Tiere, die dem Menschen gerne aus dem Weg gingen. Eher müsse anscheinend der Mensch lernen, wieder mit dem Wolf zu leben. Denn es könne gut sein, dass der aus eigener Motivation wieder in die heimischen Wälder einwandere. Die Bedingungen für ein prima Wolfsleben in nordhessischen Wäldern seien gut.

Die Frage sei, wie das die Menschen sehen. Dr. Fröhlich ist gespannt darauf, ob und wann die öffentliche Meinung zu diesem Thema kippt. Denn der Wolf, so sagt er, leide vor allem unter einem - seinem richtig schlechten Image. „Bei den meisten Menschen sitzt die Angst vorm bösen Wolf tief.“

Wirklichen Grund dazu sieht Fröhlich nicht. Es gebe rund 200 Wölfe in Deutschland. Und bislang habe man noch von keinem Angriff auf Menschen gehört.

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