Jedes Buch ist wichtig

Borkener Kindergärten waren beim Vorlesetag dabei

Es ist eine starke Allianz, die sich in Borken für das Lesenlernen stark macht: Das wurde am Donnerstag bei der Aktion zum bundesweiten Vorlesetag im Kindergarten Metzentannen deutlich.

Dort trafen sich Vertreter von Schulen, Kindergärten, Bücherei und Buchhandel trafen, um Kindern das zu vermitteln, was längst nicht mehr selbstverständlich ist: Den Spaß am Lesen.

Zu Gast war auch Staatssekretär Dr. Martin Worms, der zusammen mit Rektor Jörg Fuchs (Schule am Tor), Rudolf Maiwald (1. Stadtrat), Sonja Lehmann (Bücherwurm), Barbara Jüngling (Stadtbücherei) und Christina Wettlaufer (Stadt Borken) den Kindern vorlas.

Der Gast aus Wiesbaden hat als Vater Erfahrung darin, er beschreibt das frühere abendliche Vorlesen als „schönste Momente der Elternschaft“. Diese Momente aber gehen heute mehr und mehr verloren, denn längst nicht alle Kinder kennen in digitalen Zeiten noch innige, ruhige, zugewandte Vorlesezeit, waren sich gestern die Vorleser einig. Der Wortschatz vieler Grundschüler sei in den vergangenen Jahren immens geschrumpft, berichtete Rektor Jörg Fuchs.

Barbara Jüngling, Leiterin der Borkener Stadtbücherei, bestätigt das. Ein kompakter Text mit längeren Sätzen, aber ohne Bilder, schrecke nicht nur viele Kinder ab, sondern sei auch längst nicht mehr für alle verständlich, so ihre Erfahrung.

Die Schere in Sachen Lesekompetenz gehe immer weiter auf, sagt auch Sonja Lehmann vom Borkener Bücherwurm: Es gebe natürlich viele Kinder, die sehr gut lesen könnten, doch auch immer mehr, die nur sehr schlecht Zugang zur bunten Welt der Buchstaben und Geschichten finden. In einem aber waren sich die Vorleser alle einig: Die Grundlagen für den Spaß an Büchern und das Entwickeln der Fantasie werden in den ersten drei Lebensjahren gelegt: „Später lässt sich kaum mehr etwas reparieren,“ sagt Dr. Martin Worms. In digitalen Zeiten, in denen schon Kleinkinder längst nicht mehr vor den Fernseher, sondern vors Tablet gesetzt würden, sei das noch schwieriger. Doch nur vom Tippen und Wischen könne kein Kind das Lesen, geschweige denn ein gutes Textverständnis, entwickeln.

Jörg Fuchs hat als Pädagoge Erfahrung damit: Die Sätze vieler Kinder würden stets kürzer, der Wortschatz kleiner, Inhalte damit immer schwerer zu verstehen.

Die Ursachen dafür liegen für die ehrenamtlichen Vorleser auf der Hand: In vielen Familien werde nicht nur zu wenig gelesen, sondern auch zu wenig miteinander geredet und zu oft aufs Handy geschaut – auch beim Mittags- oder Abendtisch. Der Vorlesetag soll ein Signal an Eltern und Kindergärten geben: Vorlesen ist wichtig. Sowohl für die Seele als auch fürs Hirn.

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