Forstämter versuchen, Befall einzudämmen

Kampf gegen gefährliche Schädlinge: Borkenkäfer breiten sich rasant aus

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Holzinspektion: Karl Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes in Jesberg, schaut sich einen Holzpolder, der zum Teil vom Borkenkäfer befallen ist, an. Der Polder liegt in der Gemarkung von Gilserberg.

Schwalm-Eder. Der Gegner von Karl Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes Jesberg und seiner Kollegen ist klein, gefräßig und gräbt Gänge unter die Rinde von Bäumen. Die Rede ist von Borkenkäfern, die den Forstleuten schlaflose Nächte bereiten.

Wegen ihrer explosionsartigen Vermehrung können die Käfer, die auch Buchdrucker oder Kupferstecher heißen, Fichtenwälder komplett zerstören.

Deshalb kontrollieren die Förster die Bestände auf der Suche nach den Borkenkäfer. Seit dem Wintersturm Friederike finden die vier bis fünf Millimeter großen braunen Tiere beste Lebensbedingungen. Denn nach dem Windwurf sind noch nicht alle Fichtenstämme aus dem Wald geholt. Auch Holz, das zum Abtransport bereit liegt, sei wegen zu geringer Transportkapazitäten noch nicht abgeholt worden, sagt Nassauer.

Die Folge: Im März und April strömten Duftstoffe aus dem Holz, die die Buchdrucker magisch anzogen. Die erste Generation der Schädlinge bohrte Gänge in das Restholz und Holzstapel und legte dort ihre Eier ab. „Bleibt es bei den Temperaturen, wird diese Generation bald ausschwärmen“, sagt Nassauer.

Genau das bereitet Forstleuten Sorge. Denn die zweite Generation der Borkenkäfer fliegt auf stehende Bäume im schattigen Bereich des Waldes. In die Rinde der vom Sturm geschädigten Fichten bohren die Männchen Löcher und legen eine sogenannte Rammelkammer an. Duftstoffe locken die Weibchen an, die nach der Paarung Muttergänge graben, Eier ablegen und die Zerstörung fortsetzen.

„Gesunde Bäume reagieren auf den Käferbefall mit vermehrter Harzproduktion. Geschädigte Bäume schaffen das nicht“, sagt Nassauer. Forstleuten bleibt nur, befallene Bäume zu fällen, zu entrinden und aus dem Wald zu schaffen. Doch das funktioniert laut Nassauer nur bedingt – es gibt nicht genug Transportmöglichkeiten.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Hintergrund: 65.000 Hektar Wald im Blick

Insgesamt 65.000 Hektar Wald betreuen die drei Forstämter im Schwalm-EderKreis. Unterteilt sind sie in 33 Revierförstereien. Insgesamt sind etwa 130 Frauen und Männer in den Forstämtern beschäftigt.

Im Forstamt Jesberg mit 16000 Hektar Waldsind Buche, Fichte, Kiefer, Eiche und Douglasie die prägenden Baumarten.

Das Forstamt Neukirchen erstreckt sich über 18 115 Hektar Wald. Vom Melsunger Forstamt aus werden 20.000 Hektar Wald betreut. Prägende Baumarten sind Buche, Fichte, Kiefer, Eiche, Lärche und Douglasie.

Alle drei Forstämter widmen sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten auch dem Naturschutz.

Nässe ist des Käfers Tod

Als der Sturm Friederike Ende Januar über den Schwalm-Eder-Kreis fegte, hinterließ er vor allem in den Nadelwäldern eine Schneise der Verwüstung. Schon damals befürchteten Forstexperten, der Borkenkäfer könne dem Wald weiteren Schaden zufügen.

Dabei sind Buchdrucker, Kupferstecher und Co. keine neuen Schädlinge. „Es ist das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, die den Befall problematisch machen“, sagte Karl Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes Jesberg. So wurden die Aufräumarbeiten im Jesberger Forstamtsbereich erschwert, weil es dort meist nur sogenannte Windwurf-Nester gab. Der Einsatz von Erntemaschinen, deren Stachelwalzen die Rinde der Fichten weitgehend ablöst, war wegen der geringen Flächen und aufgeweichter Böden kaum möglich.

Das Holz bot den Käfern eine ideale Brutstätte. Darüber hinaus blieben wegen mangelnder Transportkapazitäten zahlreiche Holzpolder im Wald liegen, in die sich der Borkenkäfer fraß.

Dabei sind die Möglichkeiten, den Käfer zu bekämpfen, begrenzt. Das Entrinden der Stämme – wie früher üblich – scheidet aus. Dafür gibt es laut Nassauer nicht die nötigen Arbeitskräfte.

Der Einsatz von Bioziden ist nur mit Genehmigung möglich, denn der Einsatz ist wegen der Zertifizierung des Waldes nach FSC-Standard nicht möglich. Noch im Versuchsstadium ist die Methode, das aufgeschichtete Holz mit Folie einzupacken. Ein weiteres Mittel dem Käfer zu Leibe zu rücken ist die sogenannte Saubere Wirtschaft. Dabei werden befallene Bäume möglichst schnell aus dem Waldbestand entfernt.

Nasslagerplätze

Schließlich bleibt die Nasslagerung. „Unser Nasslagerplatz bei Rengshausen ist mit 33.000 Festmeter voll“, sagt der stellvertretende Leiter des Forstamtes Neukirchen, Peter Florian Koch. Platz gibt es noch in dem doppelt so großen Nasslager in Mehlen.

Ziel der Lagerung ist, ein Teil des Holzes dem Markt zu entziehen. Denn im Nasslager kann dass Holz ohne Qualitätsverlust vier bis fünf Jahre liegen, um es dann zu verkaufen. Damit wollen die Förster dem Preisverfall entgegenwirken. Dabei sind es nicht so sehr die Holzmengen, die im Schwalm-Eder-Kreis in Folge des Wintersturms angefallen sind, sondern die aus den umliegenden Bundesländern, erklärt Nassauer.

Dabei seien die Lieferverträge der Forstämter gut. Für eine normale Fichte gibt es laut Nassauer 90 Euro pro Kubikmeter. Doch aufgrund des Überangebots fiel der Erlös um 20 bis 30 Euro. Und für Käferholz verringere er sich noch um 20 bis 30 Prozent.

Dem steht ein Mehraufwand bei der Holzernte und Lagerung gegenüber. Dazu kommen noch die Kosten der Aufforstung.

Doch Schäden durch Wind und Borkenkäfer böten die Chance, jetzt einen Wald zu pflanzen, der aufgrund seiner Zusammensetzung den Schädlingen und dem aufziehenden Klimawandel besser trotzen kann, sagt Nassauer.

Bis es so weit ist, setzten die Experten auf die Beobachtung des Waldes, um die Ausbreitung des Käfers zu begrenzen. Hätte er einen Wunsch frei, sagt Peter Florian Koch aus Neukirchen, würde er sich Regen und feuchte, kühle Witterung wünschen. Dann stirbt die Brut des Borkenkäfers ab.

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