Einziger deutscher Standort in Fritzlar

Kampfhubschrauber Tiger mit gefährlichem Mangel: Flugverbot verordnet

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Bleibt zunächst am Boden: Der Kampfhubschrauber vom Typ Tiger fliegt am 9. August 2016 während eines Besuchs der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Dom St. Peter in Fritzlar vorbei.

Weil die Bundeswehr vom Hersteller die Info bekam, es könnte einen technischen Mangel am Kampfhubschrauber Tiger geben, müssen vorerst alle 53 Maschinen am Boden bleiben.

Schlechte Neuigkeiten für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr: Wie das Kommando Heer Mittwoch mitteilte, wurde beim Kampfhubschrauber des Typs Tiger ein technischer Mangel festgestellt. Bis auf Weiteres sei der Flugbetrieb aller 53 Hubschrauber dieses Typs ausgesetzt worden. Einziger deutscher Standort des Tigers ist im nordhessischen Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis), wo das Kampfhubschrauberregiment 36 stationiert ist. Zu Ausbildungszwecken sind weitere Tiger im französischen Le Luc (Departement Var) stationiert. Der Tiger gilt als modernster Helikopter der Bundeswehr. Er wurde gemeinsam mit Frankreich entwickelt.

In der Mitteilung des Heeres heißt es, die Bundeswehr sei von der Industrie darüber informiert worden, dass im Tiger verbaute Bolzen „einen Mangel aufweisen könnten“. Hersteller des Tigers ist Airbus Helicopters (ehemals Eurocopter), eine hundertprozentige Tochter von Europas größtem Luft- und Raumfahrtunternehmen Airbus. Airbus Helicopters hat in Deutschland unter anderem Standorte in Kassel sowie am Flughafen Kassel-Calden mit zusammen mehr als 100 Mitarbeitern. Das Unternehmen stand der HNA* am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht mehr zur Verfügung.

Information erreichte Bundeswehr am 2. August

Gegenüber unserer Redaktion erklärte ein Sprecher des Heeres am Mittwoch, die Mitteilung sei der Bundeswehr bereits am 2. August zugegangen. Daraufhin wurden alle Helikopter des Typs gesperrt. Das Nachrichtenportal Spiegel Online berichtete Mittwoch unter Berufung auf interne Quellen, dass es sich bei dem betroffenen Bauteil um einen Titanbolzen der Rotorsteuerung handele. Wie Spiegel Online weiter berichtete, habe der Hersteller Airbus Helicopters die Bundeswehr darüber informiert, dass manche der genannten Bauteile eine Wasserstoffversprödung aufweisen und während des Flugbetriebes brechen könnten. Solch ein Bruch könnte im schlimmsten Falle sogar zum Absturz des Hubschraubers führen, schrieb Spiegel Online unter Berufung auf Bundeswehr-Kreise. Der Sprecher des Heeres wollte die Informationen von Spiegel Online gestern auf Anfrage nicht bestätigen.

Für Donnerstag hat der General Flugsicherheit der Bundeswehr den sogenannten Flugsicherheitsaussschuss zusammengerufen, um das weitere Vorgehen und geeignete Maßnahmen zu erörtern, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Bundesverteidigungsministerium.

Alle Tiger würden vor dem nächsten Flug gründlich überprüft, erklärte der Heeressprecher. Sollten dabei tatsächlich Mängel festgestellt werden, würden Bauteile ausgetauscht werden. Darüber, wie lange die Überprüfung aller Hubschrauber dauern könnte, machte der Heeressprecher keine Angaben. Es bestehe Hoffnung, dass die ersten Tiger bereits in wenigen Tagen wieder flugbereit seien, so der Heeressprecher.

Lesen Sie dazu: Soldaten trainieren in Fritzlar Tanken und Aufmunitionieren von Hubschraubern*

Tiger aus Fritzlar war 2017 in Mali abgestürzt

Die Bundeswehr hat derzeit 53 sogenannte Unterstützungshubschrauber Tiger (UHT) im Bestand, wie aus dem aktuellen Bericht zu Rüstungsangelegenheiten hervorgeht. Ein Tiger kostet mindestens 45 Millionen Euro. Etwa 30 davon sind derzeit in Fritzlar stationiert. Tiger waren bis Mitte Juli 2014 in Afghanistan im Einsatz, im Juni 2018 endete eine Mission im ostafrikanischen Mali. Dort war am 26. Juli 2017 einer von vier in Mali stationierten Tiger ohne feindliche Einwirkung abgestürzt.* Beide Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Derzeit befinden sich keine Tiger in Auslandseinsätzen.

Die nun als möglicherweise mangelhaft identifizierten Bauteile sind auch in zwei weiteren Hubschraubertypen der Bundeswehr verbaut, so das Heer. Im Schulungshubschrauber EC135 sowie im Transporthubschrauber NH90 sollen solche Bolzen verbaut worden sein, jedoch nicht an „sicherheitsrelevanten Stellen“ wie im Falle des Tigers. Der Flugbetrieb mit diesen Typen laufe weiter.

Fotos: Kampfhubschrauber aus Fritzlar starten in Mali-Einsatz

Von Gregory Dauber

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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