Betriebliches Mobilitätsmanagement

Online-Tool erleichtert Mobilität im Schwalm-Eder-Landkreis

Auf dem Display eines Smartphones ist das Online-Tool Clever Route zu sehen. Im Hintergrund stehen geparkte Autos.
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Online die beste Anreisemöglichkeit finden: Das Online-Tool Clever Route bietet auch die Möglichkeit, Carsharing und Fahrgemeinschaften zu nutzen.

Autos eine gewisse Zeit nutzen und danach anderen zur Verfügung stellen: Seit nunmehr zwei Jahren teilen sich Mitarbeiter von Kreisverwaltung, Stadt Homberg, Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft (kbg) und der Kreissparkasse ihre Dienstwagen.

Das Projekt ist so erfolgreich, dass es nun ausgeweitet werden soll. Etwa 55 Fahrzeuge würden nach Berechnungen von Michael Schramek benötigt, um den Bedarf der teilnehmenden Betriebe an Carsharing-Autos zu decken. Das bilanzierte der Geschäftsführer von Regio Mobil in seinem Abschlussbericht. Im Zeitraum von acht Wochen wurden die Fahrtenbücher der Dienstwagen analysiert. Ergebnis: Bei einer Umstellung auf einen gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugbestand könnten die Kosten um etwa 18 Prozent reduziert werden. Außerdem könnte ein für Bürger und weitere Betriebe nutzbares Sharing-Angebot in Homberg und allen Städten im Kreis geschaffen werden. „Wabern hat zum Beispiel Interesse an einer Carsharing-Station“, so Schramek.

Genutzt würden die Dienstfahrzeuge derzeit überwiegend in Homberg und in der unmittelbaren Umgebung. Damit diese abends nicht nur auf den Parkplätzen stehen, kann die Flotte – sieben Fahrzeuge sind derzeit Teil des Betrieblichen Mobilitätsmanagements – auch privat genutzt werden. Und zwar nicht nur von Mitarbeitern der teilnehmenden Betriebe. Das habe sich bewährt, so Schramek. Eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung habe gar ihr Privatauto abgeschafft und ein Kilometerkontingent für den Wagen hinzugebucht, weil sie mit dem Dienstwagen nach Feierabend nach Hause fährt, ihn in Wernswig parkt, so anderen zur Verfügung stellt, ihn aber auch für ihre privaten Zwecke nutzen kann. „So erhalten wir mindestens vier Nutzungszyklen am Tag.“ Jeder der Carsharing-Dienstwagen würde inzwischen pro Jahr etwa 14.000 Kilometer fahren – kalkuliert wurde mit 25.000 Kilometern. Grund sei der Lockdown, der dafür sorgte, dass viele Leute zu Hause arbeiteten. Dennoch gibt Schramek zu: „Da ist noch Luft nach oben.“

Carsharing im Schwalm-Eder-Kreis: Täglich pendeln 300 Menschen aus Frielendorf nach Homberg

„Allein aus Frielendorf fahren 300 Menschen am Tag nach Homberg“, sagt Schramek. Würden sich diese 300 Menschen zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen, könnte nicht nur das Klima geschützt, sondern auch eine Menge Geld gespart werden, ist sich Schramek sicher. Genau das ist das Ziel. „Die kostengünstigste Variante für den Weg zur Arbeit ist ab rund fünf Kilometer die Bildung einer Fahrgemeinschaft“, heißt es in der Analyse. Nur für wenige Mitarbeiter wäre Homberg zeitlich günstig mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. „Die meisten wären mehr als doppelt so lange als mit dem Auto unterwegs“, sagt Schramek. „Jeder, der Carsharing nutzt, nutzt eher auch andere Verkehrsmittel.“

Besonders einfach möglich wird das durch ein neues Online-Tool (Werkzeug), das Schramek mit seinem Team auf die Beine gestellt hat: Clever Route kombiniert Anreisemöglichkeiten in den und im Schwalm-Eder-Kreis und listet entsprechende Kosten und Fahrzeiten auf – mit Auto, Carsharing, ÖPNV, Bus oder Bahn. Die Handhabung ist kinderleicht. Wer im Landkreis von einem Ort zum anderen unterwegs ist, kann sich auf der Internetseite bequem anzeigen lassen, mit welchem Verkehrsmittel er am schnellsten, günstigsten, CO2-neutralsten oder mit dem meisten Körpereinsatz unterwegs ist. Per Mausklick zeigt das Tool Karten und Streckenverlauf und die nächste Carsharing-Station an. Nutzbar ist das laut Schramek alles auch mobil. Bald sollen sich Nutzer über das Angebot Ladesäulen reservieren lassen können. „Wir wollen so dabei unterstützen, nachhaltig unterwegs zu sein“, sagt Schramek.

Carsharing im Schwalm-Eder-Kreis: Clever Route bietet praktikable Alternativen

Wer keine praktikable Alternative zum Auto findet, kann sich Fahrgemeinschaften anschließen, beziehungsweise sein Interesse daran bekunden, erklärt Schramek. Das Tool ermöglicht schließlich eine Kontaktaufnahme – „datenschutzkonform“. Veranstalter indes könnten die Zieladresse ihres Konzerts oder Festivals bei Clever Route hinterlegen. „Alle, die zum selben Zielort wollen, werden angezeigt und können per Mausklick Kontakt zueinander aufnehmen“, sagt Schramek, der das Angebot bekannter machen will.

Betriebe könnten den Link ganz einfach auf ihrer Homepage einbinden, soll das grafische Element auf ihrer Internetseite erscheinen, das es Nutzern ermöglicht, die Anfahrt zum Unternehmen direkt einzugeben, kostet das 15 Euro monatlich. Nicht viel Geld, das großen Nutzen verspricht, findet Schramek und fügt hinzu: „Wir können es in dieser Form anbieten, weil die Stadt Homberg es bereits finanziert hat.“ Die Stadt habe Geld aus dem Förderprogramm „Land Mobil“ genutzt, um das Projekt umzusetzen. Der Mehraufwand, es dem gesamten Landkreis zur Verfügung zu stellen, sei gering gewesen. „So profitiert jeder von dem, was Homberg schon gemacht hat.“ (Chantal Müller)

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