Auf Balkonen gelten Regeln: Hauptsache, es stört nicht

Wegen Corona mehr Zeit auf dem heimischen Balkon: Das kann für Konflikte unter Nachbarn sorgen

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Dem gemütlichen Lesen auf dem Balkon sind selbst in Corona-Zeiten keine Grenzen gesetzt. Die Zeit auf dem heimischen Balkon kann aber auch zu Konflikten mit den Nachbarn führen.

Wer sich wegen Corona vermehrt auf dem heimischen Balkon aufhält, muss sich an bestimmte Regeln halten - sonst drohen Konflikte mit den Nachbarn.

  • Wegen der Corona-Krise genießen viele den heimischen Balkon.
  • Bei diesen Aufenthalten darf man einige Regeln nicht vergessen.
  • Es kann sonst zu unangenehmen Konflikten mit den Nachbarn kommen.

Bleibt wohl für viele, die Zeit auf dem Balkon oder auf der Terrasse zu verbringen. Doch auch dort ist nicht alles erlaubt. Auch in Corona-Zeiten müssen sich Mieter, Haus- und Wohnungseigentümer an Regeln halten, sagt Marek Illian, Rechtsanwalt bei den Haus- und Grundbesitzervereinen Homberg/Efze und Mittleres Edertal. Dies birgt Konfliktpotenzial. 

„Der beste Weg ist es immer, sich mit den Nachbarn oder Vermietern außergerichtlich zu einigen“, betont Illian. Und doch komme es immer wieder zu Streitigkeiten – egal, ob es um gemietete oder eigene Balkone und Terrassen gehe. Eine pauschale Aussage zu den geltenden Regeln gebe es nicht. Vieles müsse im Einzelfall entschieden werden. Trotzdem gibt der Rechtsanwalt einen Überblick. 

Da ändert auch Corona nichts dran: Veränderungen am Balkon nur nach Absprache

Unabhängig von der Corona-Pandemie gilt beispielsweise, dass der Mieter nur solche baulichen Veränderungen an einem Balkon oder an einer Terrasse vornehmen darf, mit denen nicht oder nur geringfügig in die Bausubstanz eingegriffen wird. „Andernfalls braucht man eine Genehmigung des Vermieters.“ Streitthemen zwischen Nachbarn sind laut Illian etwa Grillen, Rauchen, lautes Musikhören und Heimwerkern. „Dabei spielen unter anderem das Recht am ungestörten Besitz und das Recht auf Ruhe eine große Rolle.“ Lärmende Tätigkeiten zwischen 22 und 6 Uhr? Nicht erlaubt. 

Ebenso gilt es insbesondere bei Balkonen und Terrassen von Mietwohnungen, keine grundlegenden Veränderungen vorzunehmen. Sehr schwierig sei es im Übrigen auch, wenn in einem Haus mehrere Wohnungseigentümer leben. „Die Einheitlichkeit der Wohnanlage darf schließlich nicht beeinträchtigt werden“, erklärt Illian. Außerdem sei wichtig, zu bedenken: „Die Wohnung ist kein straffreier Raum.“ In vielen Fällen müsse man bei Verstößen zwischen Mietrecht und Strafrecht unterscheiden. In der Regel gelte aber, da ist sich Illian sicher, gegenseitige Rücksichtnahme könne Konflikten vorbeugen.

Bewegung während Corona-Einschränkungen - Auch Sport auf dem Balkon möglich

Dank Corona-Pandemie - Freie Stunden auf dem Balkon

So ganz langsam macht sich auch der Schwalm-Eder-Kreis in Sachen Corona wieder zurück auf den Weg in die Normalität. Doch noch immer gilt, so viel Kontakt wie möglich zu anderen Menschen zu vermeiden. Dabei kann die Wohnungserweiterung durchaus helfen, allerdings kann es auf dem heimischen Balkon auch zu Corona-Zeiten zu unschönen Momenten kommen. Zahlreiche freie Stunden werden trotzdem vorerst wohl auch weiterhin noch auf dem Balkon oder auf der Terrasse verbracht. Deshalb aufgepasst: Selbst die Krise setzt nicht alle bestehenden Regeln außer Kraft. Ein Überblick.

Balkon dank Corona: Grillen auf dem Balkon - kein Problem, oder?

Spätestens am Geruch eines brutzelnden Bratwürstchens erkennt man: Es geht auf den Sommer zu. Und es gibt tatsächlich Menschen, die würden ihren Grill wohl am liebsten 24 Stunden am Tag anschmeißen.

„Wen interessiert es, ist doch mein Balkon“, ist hierbei allerdings keine gute Ausrede. Denn es gibt Regeln, was auf dem Balkon erlaubt ist und was nicht. Laut Rechtsanwalt Marek Illian variiert die Maßgabe je nach Urteil: „Zweimal im Monat oder sechs Stunden pro Jahr, das ist der Richtwert“, sagt er.

Ein Elektrogrill sei zwar gemeinhin erlaubt, zu Rauch- und Brandgefahr oder anderen Beeinträchtigungen dürfe es aber nicht kommen. Aber wie so oft, sei in diesem Fall eine gute Absprache mit dem Nachbarn und dem Vermieter vorteilhaft. Vielleicht stimmt es ihn verständnisvoll, wenn er ein Würstchen probieren darf - wegen des Coronavirus natürlich mit angemessenem Abstand.

Während der Corona-Pandemie wird der Balkon noch beliebter: Beim Grillen sollte man jedoch die Regeln beachten, um Konflikte mit Nachbarn zu vermeiden.

Frei fühlen trotz Corona-Krise: Musik hören bis 22 Uhr kein Problem

So richtig frei fühlen sich die meisten gerade in der Corona-Krise wohl eher selten. Wie schön wäre es da, die Anlage mal so richtig aufzudrehen und auf dem Balkon oder der Terrasse mitzugrölen und zu tanzen?

Ohne Besuch, versteht sich. Abgesehen davon, dass es ein paar irritierte Blicke geben könnte, ist erst einmal nichts daran auszusetzen. „Ab 22 Uhr ist aber auch auf dem Balkon oder der Terrasse Ruhe angesagt“, erklärt Illian.

Wie in Italien kam es wegen Corona auch in Kassel schon zu einem Balkon- und Fensterkonzert. Die Musik für das Immunsystem rief verschiedenste Reaktionen hervor.

Beim Handwerkern lieber vorsichtig sein - Konflikt um den Balkon vermeiden

Nun wäre doch mal die Zeit, sich in Sachen Handwerk und Gartenarbeit zu verwirklichen und neu auszuprobieren, oder? Aber vor allen Dingen für Menschen, die in einer Mietwohnung leben, sind auch hierbei Mitte und Maß gefragt.

„Der Eingriff in die Bausubstanz bedarf der Zustimmung des Vermieters“, sagt Illian. Einfach eine Hängematte mit Bohrlöchern in der Decke des Balkons zu befestigen, geht also gar nicht. „Spätestens beim Auszug ist alles fachgerecht zu reparieren“, sagt Illian. Sollte sich ein echter Konflikt entwickeln, könnten die Vermieter beispielsweise auf Beseitigung oder Unterlassung klagen. „Manches ist dann auch ein Kündigungsgrund.“

Gärtnern - Grenzen beim Thema Pflanzen auf dem Balkon beachten

Und auch beim Thema Pflanzen sind dem Mieter Grenzen gesetzt: „Wachsen die Pflanzen beispielsweise so üppig über den Balkon, dass sie einer baulichen Veränderung gleich kommen, ist dies ebenfalls nicht erlaubt.“ Außerdem interessant: Die Außenwände eines Balkons gehören bei einem Mietverhältnis nicht zum Mietobjekt. Verschönerungen also bitteschön nur an den Innenseiten vornehmen. Selbst wer ein Handtuch zum Trocknen über die Balkonbrüstung hängt, verstößt laut Illian streng genommen gegen eine Regel.

Trotzdem betont der Rechtsanwalt immer wieder: „All diese Streitigkeiten sind nicht notwendig, wenn die Menschen gegenseitig Rücksicht nehmen.“

Rauchen auf dem Balkon ist erlaubt - egal ob Corona-Krise oder nicht

Ob Corona-Krise oder nicht – wer Raucher ist, den zieht es in der Regel mehrmals am Tag auf den Balkon oder die Terrasse, damit es wenigstens in den eigenen vier Wänden nicht stinkt. Dass dies vor allem für Nachbarn unangenehm werden kann, ist laut Rechtsanwalt Marek Illian allerdings kein Grund, das Rauchen zu verbieten. Es müsse eine wesentliche Beeinträchtigung bestehen, beispielsweise mit beweisbaren gesundheitlichen Folgen – und dies sei eben nur selten der Fall.

Von Daria Neu

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