Verlängerung der Anti-Corona-Maßnahmen

Schwalm-Eder im Lockdown: Schulen sind vorbereitet, Einzelhandel und Gastronomie vor Herausforderung

Seit vielen Jahren unterstützen sie die HNA-Aktion Advent, jetzt sind sie neben zahlreichen anderen Gastronomen im Landkreis auf die Unterstützung ihrer Kunden angewiesen: Giuliana und Romeo Cola betreiben das Restaurant La Cantina in Homberg.
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Seit vielen Jahren unterstützen sie die HNA-Aktion Advent, jetzt sind sie neben zahlreichen anderen Gastronomen im Landkreis auf die Unterstützung ihrer Kunden angewiesen: Giuliana und Romeo Cola betreiben das Restaurant La Cantina in Homberg.

Die Verlängerung des Corona-Lockdowns trifft im Schwalm-Eder-Kreis vor allem den Einzelhandel und die Gastronomie hart - die Schulen fühlen sich vorbereitet.

Schwalm-Eder - Der Lockdown geht in die Verlängerung, Einzelhandel, Gastronomie und Schulen bleiben weiter geschlossen – vorerst bis Ende Januar. Abschlussklassen hingegen sollen wieder Präsenzunterricht erhalten. Das Hessische Corona-Kabinett hat die Vereinbarungen von Bund und Ländern am Mittwoch in eine Verordnung gegossen.

„Die Lockdown-Situation geht vielen Kollegen an die Psyche. Früher waren wir fast rund um die Uhr für unsere Gäste da, seit März ist es in den Lokalen still“, sagt Theresia Liebermann vom Dehoga-Kreisverband. Für alle Betriebe sei es extrem schwierig. Der Rückhalt sei aber besonders im ländlichen Raum spürbar: „Die Leute holen Essen, sie wollen unterstützen“, sagt sie. Der Verband stehe mit Rat und Tat zur Seite: „Wir versuchen, Hoffnung zu vermitteln.“ Liebermann schätzt, dass die Einschränkungen bis mindestens Ostern dauern: „Aber der Restaurantbesuch wird danach anders sein. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Schwalm-Eder im Corona-Lockdown - Schulen sind gut vorbereitet

Die Schulen indes sieht Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts in Fritzlar, gut gerüstet. Zwar sollte das Bestreben sein, so viel Präsenzunterricht wie möglich zu erteilen. Funktioniere das nicht, „stellt das Wechselmodell eine gute Möglichkeit dar“, sagt Uhde. Darauf könnten sich die Schulen „relativ kurzfristig“ einstellen. Die wesentliche organisatorische Aufgabe sieht Uhde bei den Jahrgängen 1 bis 6. Darüber hinaus sei die Betreuung für Schüler, die an Nicht-Präsenztagen trotzdem in der Schule beaufsichtigt werden müssten eine Herausforderung.

Der Schülertransport beginne nach den Ferien wie gewohnt, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Der schulbezogene Linienverkehr fahre wie vor den Schulferien. „Der freigestellte Schülerverkehr wird in Absprache und nach Bedarf sichergestellt“, heißt es von der Kreisverwaltung. Für die Einhaltung der Beschränkungen sind Ordnungsämter und Polizei zuständig. Der private Raum in Haus und Wohnung sei ein geschützter Bereich und werde nicht kontrolliert. Dennoch werde empfohlen, sich auch dort an die Kontaktbeschränkungen zu halten.

Schwalm-Eder im Corona-Lockdown: Regeln treffen viele Menschen hart

Die verschärften Lockdown-Regeln werden heiß diskutiert. Während Gastronomen bereits am Dienstagabend wussten, dass sie weiterhin mindestens bis Ende Januar nicht öffnen dürfen, hieß es noch am Mittwochmittag aus dem Schulamt: „Aktuell wissen wir noch gar nichts.“ Doch vor allem die müssen sich in relativ kurzer Zeit auf die neuen Regeln einstellen.

Neben Betreuung von Schülern an Nicht-Präsenztagen in der Schule sieht Schulamtsleiter Stephan Uhde eine organisatorische Herausforderung auf die Jahrgänge 1 bis 6 zukommen. Zur Online-Beschulung gebe es in den Schulen ein Konzept, das an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst sei. Ein landes- oder kreisweites Konzept gebe es nicht. „Sehr viele Schulen nutzen allerdings bereits das hessische Schulportal“, sagt Uhde. Neben der Online-Beschulung hätten Schulen inzwischen „verlässliche Kommunikations- und Rückmeldestrukturen zur Absicherung der Lernprozesse im Distanzunterricht aufgebaut“.

Vor einer ähnlichen Herausforderung wie Kinder, Jugendliche und Lehrer in den Schulen steht Romeo Cola in Homberg mit seinem Restaurant: Seit 34 Jahren betreibt er „La Cantina“ in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadthalle. In all diesen Jahren habe er jedoch noch nie vor so einer großen Herausforderung gestanden, wie es der Lockdown und dessen Verlängerung gerade für ihn und alle anderen Gastronomen bedeute. „Trotzdem bin und bleibe ich Optimist“, betont Cola. Grund dazu gibt ihm auch die Unterstützung seiner Stammkunden.

Schwalm-Eder im Corona-Lockdown: Die Herausforderung für die Gastronomie ist groß

„Wir Gastronomen befinden uns momentan in einer schwierigen Lage – vielen Kunden ist das bewusst, weshalb sie uns aktiv unterstützen.“ Das zeige sich in den vielen Bestellungen zum Mitnehmen, die einen reduzierten doch fortlaufenden Betrieb ermöglichen. „Abgesehen von Kurzarbeit haben wir bisher noch keine staatlichen Hilfen erhalten.“ Man mache weiter und hoffe auf eine baldige Verbesserung der allgemeinen Lage. Jedoch sei auch klar, dass es nicht ewig so weitergehen könne, so Cola.

Bei den Landgräfinnen in Ziegenhain kamen die verlängerten Kontaktbeschränkungen nicht gut an. „Uns geht es schlecht damit“, erklärt Inhaberin Annemarie Kitz auf Nachfrage. „Wir sehnen uns nach etwas Normalität.“ Zusammen mit Julia Obst setzt sie weiterhin auf ihren Abholservice, den sie seit einigen Wochen an jedem Wochentag anbieten.

„Wir haben unsere Speisekarte reduziert und bieten Gerichte an, die auch gut Zuhause aufgewärmt werden können“, berichtet Kitz. So soll weiterhin eine hohe Qualität garantiert werden. Die Zeit der Schließung nutzt das Team aus Ziegenhain außerdem, um anstehende Arbeiten im Betrieb zu realisieren. Unter anderem wird momentan die zweite Etage für den Hotelbetrieb ausgebaut. (Damai Dewert, Sandra Rose, Chantal Müller, Raphael Digiacomo)

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