Coronavirus in Altenheimen: Mitarbeiter in Borken erleben Ausgrenzung

Sorge vor Corona-Stigma auch in Borken

Mann mit Brille vor blauer Wand
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Jürgen Kaufmann

Die Zahl der Coronainfektionen steigt wieder – auch im Schwalm-Eder-Kreis. Aktuell sind 40 Menschen im Landkreis an Covid-19 erkrankt. Während der Anstieg insgesamt in den vergangenen Wochen stetig auf niedrigem Niveau bleibt, gibt es mit dem Ausbruch des Virus im Altenheim Blumenhain in Borken derzeit jedoch einen Hotspot.

Eine Entwicklung, die eine weitere mit sich bringt: Soziale Stigmatisierung. Menschen aus Gütersloh und Warendorf mussten diese Erfahrung bereits machen. Seit dem Corona-Ausbruch im Fleischer-Großbetrieb Tönnies hagelte es Anfeindungen gegen die Bewohner der beiden Landkreise. Auch im Schwalm-Eder-Kreis erleben Menschen nun das Corona-Stigma. Walter Berle, Leiter des Altenzentrums Eben-Ezer in Gudensberg, hatte darüber geklagt, dass Bewohner und Mitarbeiter in Geschäften und im Stadtpark angesprochen und ausgegrenzt wurden. In dem Altenzentrum war im April das Coronavirus ausgebrochen, mittlerweile gibt es dort keinen Infektionsfall mehr.

Auch Mitarbeiter des seit Mitte Juli unter Quarantäne stehenden Altenheims Blumenhain in Borken – dort haben 15 Bewohner und acht Mitarbeiter Covid-19 – erleben Ausgrenzungen in Geschäften und Vereinen. Selbst Angehörige wie die Kinder von Mitarbeitern wurden stigmatisiert. Dazu die Interimsleiterin des Altenheims, Manuela Freidhof: „Nicht nur unsere Bewohner, auch unsere Mitarbeiter sind getestet. Von ihnen geht weniger Gefahr aus als von Menschen, die nicht getestet wurden.“

Die soziale Stigmatisierung kritisiert Vizelandrat Jürgen Kaufmann scharf. Es sei schlimm und falsch, Menschen auszugrenzen. „Wer positiv getestet wurde, befindet sich in Isolation.“ Die Lage bei den negativ getesteten Blumenhain-Mitarbeitern, die gesellschaftlich wichtig seien, in systemrelevanten Berufen arbeiteten und in einer Krise ihren Job machten, sei viel sicherer als bei nicht getesteten Personen. Diese wüssten schließlich nicht, ob sie Corona haben. „Deshalb sind alle Menschen weiter gefordert, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Corona ist noch da.“

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