Vieles ist jetzt ungewiss

Spargel- und Erdbeerbauern brauchen Erntehelfer

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Hatte in der Vergangenheit immer Unterstützung aus Polen: Spargelbauer Jörg Stiehl

In der Vergangenheit haben Erntehelfer aus Polen Spargelbauer Jörg Stiehl (Foto) aus Zennern bei der Ernte unterstützt.

Am Mittwoch hat Bundesinnenminister Horst Seehofer aufgrund der Coronakrise einen Einreisestopp für Erntehelfer erlassen. Auch Landwirte, die Erdbeeren anbauen, wie Familie Wiegand aus Mühlhausen, sind auf Saisonarbeitskräfte angewiesen. Abhilfe schaffen könnte ein neues Online-Portal des Bundesverbandes der Maschinenringe und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das Helfer und Hilfesuchende auf regionaler Ebene schnell und unbürokratisch zusammen bringen will.

Zennern/Mühlhausen/Homberg/Verna – Das Innenministerium hat am Mittwoch ein Einreiseverbot für Erntehelfer beschlossen, wir haben mit Spargel- und Erbeerbauern gesprochen, was diese Entscheidung für sie bedeutet.

Im Waberner Ortsteil Zennern bekommt das unter anderem Spargelbauer Jörg Stiehl (57) zu spüren. Ihm fehlen die polnischen Erntehelfer. Bei einem Gespräch am Dienstag war sich der Spargelbauer noch relativ sicher, dass seine Erntehelfer, die seit vielen Jahren auf seinen Feldern im Einsatz sind, wiederkommen werden.

Coronakrise: Polnische Erntehelfer dürfen nicht einreisen

In Telefongesprächen hatten sie gesagt, dass sie sehr gern wieder nach Zennern kommen würden. Jörg Stiehl hatte Arbeitsverträge und Pendlerbescheinigungen abgeschickt. Am Mittwoch wurde dann bekannt, dass die Grenze zwischen Polen und Deutschland geschlossen wird. Eine Chance sah Stiehl, dass die Erntehelfer innerhalb der Frist die Grenze noch passieren können, da sie grenznah wohnen. Am späten Mittwochabend dann Erleichterung bei Jörg Stiehl, er bekam die Nachricht, dass zwei seiner polnischen Helfer unterwegs sind. Damit, so der Spargelbauer, ist die Zeit bis Ende April arbeitstechnisch geregelt.

Der Landwirt, der in Zennern seit 2007 Spargel anbaut, hat bereits einen Plan B in der Schublade liegen. Aus der Region haben sich bereits zahlreiche Leute gemeldet, unter anderem auch aus der Gastronomie, die bei der Spargelernte helfen wollen.

Felder werden vorbereitet: In Zennern werden die Spargelfelder von Jörg Stiehl mit einer Spargeldammfräse vorbereitet. 

Zurzeit ist Jörg Stiehl damit beschäftigt, die Spargelfelder vorzubereiten. Mit einer am Schlepper angehängten Spargeldammfräse zieht er die Dämme hoch. Seit gestern werden die Folien aufgelegt. Bei den frühen Sorten kommt die schwarze Folienseite nach oben, damit sich die Dämme erwärmen, zusätzlich wird noch ein Folientunnel darüber aufgelegt. Bei den späten Sorten kommt erst die weiße Seite nach oben, um das Wachstum nicht voranzutreiben.

Bestürzt hat Familie Wiegand in Mühlhausen die Nachricht vom Einreisestopp für Erntehelfer aufgenommen. „Das kommt jetzt zu radikal“, sagt Ilona Wiegand.

Fehlende Erntehelfer: Regel wird in zwei Monaten überdacht

Erst nach zwei Monaten die jetzt getroffene Regel zu überdenken, wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner angekündigt hat, hält Wiegand für zu lang, denn für sie und viele weitere Betriebe könne dies einfach zu spät sein – Ende Mai beginne in Nordhessen erfahrungsgemäß die Erdbeerernte. Und gerade bei schnell verderblicher Ware wie Erdbeeren zählt jeder Tag. Rund die Hälfte der 70 Saisonarbeitskräfte auf dem Erdbeerhof bei Homberg kommt aus der Ukraine, und das schon seit fünf Jahren. Zuvor sei es immer schwieriger geworden, geeignete Helfer aus der Region zu finden. „Beim Erdbeerpflücken muss man den Rücken krumm machen, das ist körperlich anstrengend“, so Ilona Wiegand. Für die Helfer aus der Ukraine sei der Arbeitsaufenthalt in Deutschland jedoch ein Einkommen, mit dem viele fest kalkulierten. Daher wollen Wiegands auch nichts überstürzen. Sie werden bis zum Schluss hoffen, dass es doch noch eine Kehrtwende gibt, so die Landwirtin: „Wir wollen unseren ukrainischen Helfern bis zum Schluss die Chance geben zu kommen, denn wir werden sie auch nach der Coronakrise im nächsten Jahr wieder brauchen.“ Allerdings sei der Betrieb offen für alle Angebote, in dieser Saison beim Pflücken zu helfen – „wir werden uns kurzfristig entscheiden“, sagt Ilona Wiegand. Bis dahin werde der Betrieb alles für die Ende Mai beginnende Ernte vorbereiten. Das Selbstpflücker-Feld macht bei Wiegands nur einen Teil des zehn Hektar umfassenden Erdbeeranbaus aus, „und zur Not können wir auch auf zwei oder drei Feldern Erdbeeren zum Selbstpflücken anbieten“, so Wiegand.

Corona: Beim Verkauf durch Plexiglas geschützt

Verkäufer und Kunden würden in diesem Jahr durch Sicherheitsmaßnahmen wie Plexiglas vor den Verkaufsständen geschützt. Darauf hat sich auch die Landwirtsfamilie Rompf in Verna eingestellt.

„Wir werden entsprechende Schutzmaßnahmen haben und das Erdbeerfeld ist groß genug, dass man dort die nötigen Sicherheitsabstände einhalten kann“, so Joachim Rompf aus Verna.

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