Sie geben alles 

Coronavirus: Ärzte im Schwalm-Eder-Kreis arbeiten an der Belastungsgrenze

So wie auf diesem Symbolbild sieht auch ein Coronavirustest im Schwalm-Eder-Kreis aus. Foto: Jean-Christophe Bott/dpa

Sie gehören zu der Berufsgruppe, die in der aktuellen Situation möglichst auf gar keinen Fall ausfallen dürfen: Ärzte. In Coronazeiten geben sie alles, was sie können – auch die Mediziner im Schwalm-Eder-Kreis.

Wir haben nachgefragt, wie sich die Arbeit eines Arztes in einem Ausnahmezustand gestaltet. Ein Überblick.

„Ich muss aber nebenbei kurz etwas essen“, sagt der Waberner Hausarzt Dr. Philipp Klapsing gestern Mittag im HNA-Telefongespräch. Den ganzen Morgen über hatte er nämlich keine freie Minute. Klapsing war beim ersten Durchgang an der Coronateststation des Schwalm-Eder-Kreises im Einsatz – gemeinsam mit einer Arzthelferin. Mehr als 50 Tests waren es am Morgen, weit mehr als bei seinem vergangenen Einsatz in Kassel. „Wir haben schon eine Stunde überzogen, aber am Ende mussten wir dann doch einige Menschen erst einmal wieder wegschicken“, sagt Klapsing.

Dr. Philipp KlapsingHausarzt

Es sei einer Sondersituatuion, in der sich alle, aber eben vor allem auch Ärzte derzeit befänden. Die Vertretung in seiner Waberner Hausarztpraxis übernahm gestern sein Kollege Dr. Mathias Noll. „Wir leisten hier an der Teststation so viel wir können. Aber auch wir stoßen an unsere Grenzen“, so der Hausarzt. Trotzdem ist er sich sicher: „Dies ist die beste Möglichkeit, wie wir uns alle schützen können.“

Hausarztpraxen selbst, sagt er, sollten nur nach Anmeldung betreten werden. Kleinere Anliegen wie Rezepte oder Krankmeldungen bei milden Beschwerden sollen dabei weitestgehend telefonisch gereget werden.

„Es kommen schwere Zeiten auf uns zu“, betont Klapsing, möchte den Menschen aber gleichzeitig Mut machen: „Es gibt eine Menge Positives. Wir können die Entwicklung der Situation maßgeblich beeinflussen.“ Das A und O sei nun einmal, die Infektionswelle zu verlangsamen und so das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. „Fakt ist: Jede Infektionswelle wird irgendwann ihren Zenit überschritten haben“, sagt Klapsing. „Bis dahin ist verantwortungsvolles gemeinsames Handeln gefragt.“

„Wir machen so viel es geht telefonisch, damit niemand in die Praxis kommen muss“, sagt Amöne Meyer-Rüdiger, Allgemeinärztin in Neuental. Dennoch sei viel los in ihrer Praxis, den zum einen gebe es viele Frage von den Patienten, die nicht beim Gesundheitsamt durchkommen, zum anderen seien einige Ärzte in ihrer Umgebung im Urlaub.

Ihr Ziel sei es, dass die Patienten den „Keimumschlagplatz Praxis meiden“.

Deshalb habe sie schon vor der Coronawell die telefonische Sprechstunde ausgeweitet. Dabei werden Termine vergeben, die von den Patienten eingehalten werden. Das System funktioniere, und so habe man in der Praxis den Kontakt mit den Kunden weitgehend eingestellt.

Um dies zu erreichen und den Betrieb aufrecht zu erhalten, seien zunächst einmal alle planbar- und verschiebbare Eingriffe und Untersuchungen bis auf weiteres, zumindest bis nach den Osterferien, abgesagt worden. Verschoben wurden ihren Angaben zufolge auch Vorsorgemaßnahmen und alles, was im Augenblick nicht unbedingt nötig sei.

Infizierte oder Patienten sollen ebenso nicht in die Praxis kommen, um andere nicht anzustecken. Dennoch: Hausbesuch stunden natürlich auch weiter auf ihrem Programm, allerdings nicht bei infektiösen Patienten. Mit Hilfe dieser Schutzmaßnahmen hofft die Medizinerin genauso wie Klapsing auf ein Abebben der Coronavirus-Welle. 

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