Fragen und Antworten

Daheim bleiben ist Pflicht: So funktioniert die Quarantäne 

Bewegung für die seelische Gesundheit während der Quarantäne: Yoga ist eine von vielen Möglichkeiten, um sich auch zuhause fit zu halten. Fotos: christin Klose/dpa/Landkreis

Coronavirus im Schwalm-Eder-Kreis: Derzeit leben ca. 300 Menschen in Quarantäne. Doch was ist dabei zu beachten?

  • Durch das Coronavirus sind im Schwalm-Eder-Kreis derzeit rund 300 Menschen in Quarantäne.
  • Das heißt, sie dürfen ihre Wohnung nicht verlassen.
  • Ein Experte erklärt, was es bei einer Quarantäne zu beachten gilt.

Im Landkreis befinden sich derzeit etwa 300 Menschen in Quarantäne. Doch halten sich offenbar einige der möglicherweise infizierten Personen nicht an die Anweisungen und gehen dennoch aus dem Haus, kaufen ein und treffen sich mit Freunden.

Genau damit gefährden sie aber andere Menschen – für einige könnte dieses rücksichtslose Verhalten der möglicherweise am Coronavirus Erkrankten tödlich enden. Wir haben mit Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes des Schwalm-Eder-Kreises, darüber gesprochen, was Quarantäne bedeutet und welche Folgen es haben kann, wenn man diese nicht einhält. Fragen und Antworten:

Coronavirus: Gibt es eine Pflicht zur Quarantäne?

„Eine Quarantäne ist immer verpflichtend. Also: Eine Anordnung, der nachzukommen ist. Und da gibt es auch keinerlei Diskussionsgrundlage“, sagt Dr. Ulrich Klinge. Die Quarantäne ist in Deutschland im Infektionsschutzgesetz im Paragraphen 75 geregelt. „Wer dagegen verstößt, dem drohen Geld- oder Freiheitsstrafe.“

Wie wird die Einhaltung der Quarantäne im Landkreis überprüft?

„Wir können das nur stichprobenartig prüfen. Das machen wir aber auch“, sagt Klinge. Denn: Wer die Quarantäne nicht einhalte, der mache so alle anderen drastischen Maßnahmen, die gerade bundesweit verordnet werden, damit sich das Coronavirus langsamer ausbreitet, unwirksam. „Deshalb ist enorm wichtig, sich daran zu halten“, betont Klinge. Er habe den Eindruck, dass einige Menschen noch immer nicht die Tragweite der Situation begreifen.

Welche Personen im Umfeld von eventuell Infizierten müssen ebenfalls unter Quarantäne gestellt werden?

„Quarantäne bedeutet, ich bin ansteckungsverdächtig, hatte also Kontakt zu einer infizierten Person“, sagt Klinge. Die Quarantäne sei wichtig. Sie diene dem Schutz möglicher infizierter Menschen und dem Schutz von allen vor Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus. „Sie soll die Verbreitung der Erkrankung verhindern. Deshalb müssen alle Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt werden.“ 

Als Kontaktpersonen gelten: Menschen, die beispielsweise im selben Haus oder in der Wohnung leben. Personen, die bei dem Kneipenbesuch, dem Urlaub mit dabei waren. Und auch Arbeitskollegen, mit denen man ein Büro teilt.

Wie sollten sich Personen verhalten, die in einem Haushalt leben?

Sie sollten den Kontakt reduzieren. Also: Getrennte Schlafräume, das Badezimmer nicht mehr gemeinsam nutzen und auch getrennt voneinander essen. „Das sind die wesentlichen Dinge“, sagt Klinge.

Wie wird man unter Quarantäne mit Lebensmitteln und Einkäufen versorgt?

Man kann Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn darum bitten, dass sie helfen. Sie können die Lebensmittel vor der Tür abstellen. „Im Landkreis haben wir uns darauf verständigt, dass Hilfebedürftige sich auch an ihre jeweilige Gemeinde und Stadt, also die Bürgermeister wenden. Dort wird dann eine Hilfe – etwa bei der Versorgung mit Lebensmitteln – geregelt.

Coronavirus: Was wird von der Person in Quarantäne erwartet?

„Zweimal täglich muss man Fieber messen. Diese Informationen und auch weitere Angaben über mögliche grippale Symptome wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, müssen dann an das Gesundheitsamt übertragen werden. Es geht darum, dass wir schnellstmöglich mitbekommen, ob jemand krank wird.“

Dürfen Personen in Quarantäne noch auf Balkon oder Terrasse gehen?

Die frische Luft dient auch der psychischen Gesundheit. „Also: Ja, man kann auf die Terrasse oder den Balkon gehen – oder im eigenen Garten sein, wenn dort keine nicht-infizierten Menschen sind.“

Was raten Sie Menschen, damit deren seelische Gesundheit in Quarantäne nicht leidet?

„Man sollte tun, was man gerne macht und das möglichst entspannt“, sagt Klinge. Mit der Quarantäne könnten psychosoziale Belastungen einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel Ängste und Sorgen vor einer Ansteckung, das Gefühl, ausgegrenzt zu werden, Einsamkeit, Anspannung oder Schlafstörungen. 

Deshalb gelte: „Auch wenn man keinen direkten Kontakt zu Personen haben darf, sollte man mit Freunden und Familienangehörigen über Telefon, Internet oder andere Medien in Verbindung bleiben.“

Quarantäne wegen Coronavirus: Gibt es weitere Tipps?

Es hilft sicher auch, vorhandene telefonische Hilfsangebote wie etwa das Seelsorgetelefon oder Krisendienste zu nutzen. Und man sollte auch in der Quarantäne – wenn es einem gesundheitlich gut geht – die Möglichkeiten nutzen, Sport zu treiben. Zum Beispiel mit einem Heimtrainer, einfachen Gymnastikübungen oder Yoga. „So bleibt man fit und kann negativen Stress abbauen“, erklärt Klinge.

Und wie wird die Quarantäne beendet?

„Wer nach der 14-tägigen Quarantäne symptomfrei ist, wird daraus entlassen.“

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