Der Standort bleibt geheim

Coronavirus: Schwalm-Eder-Kreis wird eigene Untersuchungsstelle einrichten

Kontrolle: Mit einem Abstrich wird festgestellt, ob ein Patient am neuartigen Coronavirus erkrankt ist. Foto: Manuel Philippi/Kreisverwaltung

Um Hausarztpraxen und Gesundheitsämter zu entlasten, gibt es hessenweit zehn zentrale Untersuchungsstellen für Coronavirus-Verdachtsfälle – allerdings keine davon im Schwalm-Eder-Kreis. Für Nordhessen sind als Standorte Kassel, Fulda und Gelnhausen vorgesehen. Der Schwalm-Eder-Kreis wird nun mit der Kassenärztlichen Vereinigung eine eigene Untersuchungsstelle einrichten.

Das Testzentrum

Noch gibt es keinen bestätigten Coronafall im Schwalm-Eder-Kreis. Doch rückt die Ausbreitung des Virus näher: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es seit gestern zwei weitere bestätigte Coronafälle. Damit ist die Zahl der Erkrankten auf insgesamt drei gestiegen. Auch im Landkreis Kassel gibt es einen weiteren Fall. Im Schwalm-Eder-Kreis bereite man sich auf die mögliche Ausbreitung vor: „Mit der Einrichtung eines durch die KV betriebenen Testcenters wird die Versorgungslage deutlich erhöht und lange Fahrzeiten werden vermieden“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann. Wo die Untersuchungsstelle ist, werde nicht veröffentlicht. Grund: Sie sollen nicht ohne Rücksprache aufgesucht werden.

Der Ablauf

„Wir werden die Arztpraxen und Krankenhäuser umgehend informieren, wenn die KV das Testcenter hochgefahren hat und erste Abstrichtermine vereinbart werden können“, so Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes. Weiterhin weist Klinge darauf hin, dass Termine für Abstriche zwingend durch die niedergelassenen Hausärzte oder das Gesundheitsamt, nach telefonischer Beratung vereinbart werden müssen. Eigenständiges Anfahren des Testcenters ist nicht möglich.

Die Krankenhäuser

Weitere Vorbereitungen wurden am Mittwoch in einem Gespräch zwischen den Klinikleitungen der im Schwalm-Eder-Kreis ansässigen Kliniken und der Kreisverwaltung besprochen. Die Krankenhäuser wurden gestern vom Robert-Koch-Institut aufgefordert, ihre Krisenpläne zu aktivieren und sich darauf vorzubereiten, dass mit dem Coronavirus infizierte Patienten stationär versorgt werden müssen. Das kann so weit gehen, dass die Krankenhäuser aufgefordert werden, planbare Behandlungen zu verschieben.

Die Forderung

„Für diesen Fall erwarte ich sowohl vom Bund als auch vom Land Hessen, dass sie unseren Krankenhäusern einen finanziellen Ausgleich zahlen. Die aktuelle Situation zeigt uns ganz klar auf, dass es dringend notwendig ist, ausreichend Kapazitäten der stationären Versorgung flächendeckend, auch auf dem Land, vorzuhalten“, so Kaufmann. Diese Strukturen gelte es zu sichern. „Daher fordere ich auch, dem Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar die erforderliche Strukturbeihilfe nicht weiter zu verweigern“, erklärt er. Und weiter: „Ferner fordere ich vom hessischen Gesundheitsminister Kai Klose ein umgehendes Bekenntnis zum unverzichtbaren Neubau des Krankenhauses in Melsungen sowie die Bereitstellung erforderlicher Fördermittel.“

Die Kritik

Seine Kritik richtet Kaufmann besonders an Klose und sein Ministerium. Er erwartet, dass Klose nicht drei Tage benötigt, um sich an die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn anzuhängen, sondern zeitnah Entscheidungen treffe und klare Leitlinien sowie Empfehlungen, sachgerecht kommuniziert und damit die Landkreise unterstützt.

Der Appell

Jürgen Kaufmann und der Gesundheitsamtsleiter Klinge appellieren an alle Menschen im Landkreis, sich sowohl im privaten als auch öffentlichen Bereich an die Empfehlungen zu halten. Es sei zu erwarten, dass weitere Empfehlungen und Anordnungen seitens des Gesundheitsamtes ausgesprochen werden.

Die zehn Standorte

Die von der KV bislang bestimmten zehn zentralen Stellen haben zu festgelegten Uhrzeiten geöffnet. Auch dort gilt: Wo genau diese sich befinden, verrät die KV nicht. Bei der Auswahl habe man unter anderem darauf geachtet, wo es Hotspots – größere Infektionsherde – gebe.

Die Kontaktaufnahme

Die Untersuchungsstellen sollen Patienten zur Verfügung stehen, die nach vorheriger und strenger Indikation gemäß Robert-Koch-Institut (RKI) getestet werden sollen. (siehe Hintergrund).

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