Das Stochern im Nebel

Coronavirus: Wo sich Menschen ansteckten, ist oft nicht klar

Dem Coronavirus auf der Spur: Oft ist nicht klar nachvollziehbar, wo sich infizierte Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben.  
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Dem Coronavirus auf der Spur: Oft ist nicht klar nachvollziehbar, wo sich infizierte Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben.  

Die Corona-Fallzahlen liegen noch immer auf einem hohen Niveau. Deshalb wurde von Bund und Ländern die Verlängerung des Lockdowns und eine Verschärfung der Maßnahmen beschlossen. Homeoffice, wo immer es geht, FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen sowie weiterhin geschlossene Geschäfte, Restaurants und Schulen.

Schwalm-Eder - Doch wo genau stecken sich die Betroffenen an? Die Suche nach Antworten gleicht einem Stochern im Nebel. Diesen Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man sich im Schwalm-Eder-Kreis auf die Suche nach einer Antwort darauf begibt.

„Eine konkretere Auswertung kann von uns nicht gegeben werden, das würde im Bereich von Spekulationen bleiben müssen. Wir bitten um Verständnis“, heißt es auf HNA-Anfrage aus dem Kreishaus.

Corona: Infektionen vor allem im privaten Umfeld

Und weiter: Das aktuelle Infektionsgeschehen im Schwalm-Eder-Kreis müsse differenziert betrachtet werden. So seien etwa von den 339 Personen mit Corona, die im Landkreis am Dienstag als infiziert gemeldet waren, 120 Menschen Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen der Behindertenbetreuung zuzuordnen. Bei weiteren 88 Personen wurde herausgefunden, dass die Infektionen im privaten Umfeld entstanden sind. „Die weiteren Infektionen werden von uns als diffuses Infektionsgeschehen mit vielfältigen, zum Teil nicht klar zuzuordnenden Infektionsherden geführt“, so Kreissprecher Stephan Bürger. Die Kontaktpersonennachverfolgung werde durch das Robert-Koch-Institut (RKI) vorgegeben und von den Gesundheitsämtern nach diesen Vorgaben bearbeitet. Dabei werden im persönlichen Gespräch (Telefonat) die vergangenen Tage mit entsprechenden Begegnungen rekonstruiert.

Als Zeitraum werde versucht, bis zum zweiten Tag vor Symptombeginn zurück zu ermitteln. Doch: „In der überwiegenden Zahl der Fälle ist nicht zu rekonstruieren, wo genau eine Infektion stattgefunden hat. Daher gibt es in diesen Fällen keine statistischen Zahlen, die verwertbar sind“, räumt Bürger ein. Alle Infektionsfälle würden dann durch das Gesundheitsamt tageweise an das RKI gemeldet. Und sofern ein Infektionskontakt nachvollzogen werden könne, werde dieser in der Eingabemaske vermerkt. Eine zusammenhängende Auswertung könne daher nur das RKI erstellen. „Dem Schwalm-Eder-Kreis liegen dazu keine detaillierten Daten vor. Diese eigen-ständig zu erheben würde einen hohen Arbeitsaufwand nach sich ziehen, der aktuell nicht zu leisten ist“, erklärt Bürger. Für fundierte Aussagen fehlen also schlicht Daten. In vielen Fällen weiß man nicht, wo Infizierte sich angesteckt haben.

Größere Ausbrüche meist in Alten- und Seniorenheimen

Wenn es aber im Kreis größere Ausbrüche gab, dann meist in Alten- und Seniorenheimen. „Seit November waren im Landkreis rund 40 Infektionsgeschehen in betreuenden Einrichtungen.“ Dabei schwankte die Anzahl der infizierten Personen in den ein-zelnen Einrichtungen stark. „In der Spitze waren rund 50 Personen betroffen, Mitarbeitende und Bewohner. Das zeige, dass einzelne Infektionsgeschehen in betreuenden Einrichtungen, besonders in Alten- und Pflegeeinrichtungen, immer auch das Potenzial hätten, zahlreiche weitere Infektionen auszulösen.

Gesicherte Rückschlüsse zu Infektionen am Arbeitsplatz ließen sich nicht ableiten, so Bürger. „Im Fall von Infektionen bei Mitarbeitenden in betreuenden Einrichtungen gibt es allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Übertragung am Arbeitsplatz stattgefunden haben kann.“ Gesichert sei das aber nicht. (Maja Yüce)

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