Prior: Glaubwürdigkeit ist in weiten Teilen zerstört

Debatte um Ordensleute nach Verhaftung wegen Missbrauchs

Schwalm-Eder. Nach der Verhaftung eines Prämonstratenser-Priesters in der vorigen Woche gibt es nun erste Forderungen, die Mitglieder des Ordens sollten die Domstadt verlassen. Der 49-Jährige hat den sexuellen Missbrauch von Ministranten in mehr als 30 Fällen gestanden.

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Es sei die logische Konsequenz aus den Vorfällen, dass die Ordensbrüder Fritzlar verlassen, sagt der künftige Dechant Winfried Hahner aus Homberg. Denn: „Die Grundlage für die seelsorgerische Arbeit ist durch diese Taten entzogen,“ sagte Hahner. Er könne sich nicht vorstellen, wie die Prämonstratenser-Priester nun in der Domstadt weiterarbeiten könnten. Hahner zeigte sich fassungslos angesichts der Vorwürfe: „Ich hätte mir ein solches Ausmaß niemals vorstellen können.“ Er kenne zwar die Strukturen des Ordens nicht, aber es sei für ihn schwer vorstellbar, dass sich die Neigung des Priesters so lange habe komplett verheimlichen lassen.

Hubert Ziegler, katholischer Gemeindereferent in Gudensberg, plädierte für einen Neuanfang, auch personell: „Ich frage mich, ob die Prämonstratenser noch in Fritzlar zu halten sind.“ Der Fritzlarer Prior Conrad o.praem. sagte auf unsere Anfrage, es sei noch zu früh, um sich über die Zukunft der Ordensleute in Fritzlar zu äußern. Ihm sei klar, dass die Glaubwürdigkeit der Chorherren in weiten Teilen zerstört sei. Der Orden bemühe sich nun, sie zurückzugewinnen. Er wisse aber nicht, ob die Prämonstratenser diese Chance in Fritzlar erhalten würden, ob sie also bleiben. Die Entscheidung liege letztendlich beim Bischof in Fulda.

Im Bistum Fulda ist offenbar noch keine Entscheidung gefallen. In dieser Woche werde es ein Gespräch mit dem Abt der Prämonstratenser aus dem österreichischen Geras geben, erklärte Christof Ohnesorge, Pressesprecher des Bistums.

Von Olaf Dellit und Claudia Brandau

Hintergrund: Prior bittet um Verzeihung

Die Erklärung im Wortlaut

In einem erschütternden Gottesdienst verlas Prior Conrad o.praem. im Fritzlarer Dom eine persönliche Erklärung zu den Vorfällen. Darin bat er Kinder und Jugendliche um Verzeihung für das, was ihnen im Raum der Kirche angetan worden sei. Er sei „entsetzt über das unmoralische und verbrecherische Handeln eines Mitbruders“. Herr Conrad sagte weiter: „Ich bin immer für restlose Aufklärung und gegen Vertuschung gewesen.“ Das betreffe auch seine eigene Verantwortung als Oberer. Während der Erklärung lief einer der Brüder laut weinend aus dem Dom und musste dabei von Gottesdienstbesuchern gestützt werden. (ode)

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