Bäckerei Glanz schließt Filialen, bleibt aber weiter im Stammbetrieb in Holzhausen

Der Backofen in der Bäckerei Glanz in Homberg geht nicht aus

Mann und Frau mit Brot in der Hand vor Brotregal
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Wollen den Betrieb der Bäckerei Glanz aufrecht erhalten: Leuthold Glanz und seine Lebensgefährtin Anette Peinelt. Das Unternehmen hat den Standort im Homberger Rewe-Markt aufgegeben.

Holzhausen – Die Bäckerei Glanz sucht dringend Fachkräfte. Zwei Bäcker und zwei Verkäuferinnen fehlen dem Unternehmen mindestens. Daher wurde die Filiale im Homberger Rewe-Markt nun früher geschlossen als eigentlich geplant. Und auch in der Filiale im Kaufhaus Sauer an der Drehscheibe läuft der Betrieb wegen Personalmangels vorerst nur bis 14 Uhr.

Inhaber Leuthold Glanz aus Holzhausen hat im Frühjahr zwei Bäcker durch Kündigung verloren. Nachfolger seien nicht in Sicht. Er habe mehrfach inseriert und beim Arbeitsamt angefragt, bislang aber ohne Erfolg, sagt der 50-Jährige. Fachkräfte seien nur sehr schwer zu bekommen. Daher habe er kurzfristig entschieden, die Filiale im Rewe-Markt vorzeitig zu schließen: Es war bereits seit eineinhalb Jahren bekannt, dass der Vertrag für die Bäckerei im Rewe nicht verlängert werden sollte.

Mit dem bevorstehenden Umzug von Rewe ins neue Einkaufszentrum und der damit einhergehenden Vergrößerung des Ladens, habe sich die Rewe-Unternehmensleitung für einen anderen Bäckerbetrieb entschieden. Das habe er sehr bedauert, denn die Bäckerei Glanz war seit Beginn an im Homberger Rewe, also über 30 Jahre. So habe er dem Wechsel nur vorgegriffen. Die Verkäuferinnen im Rewe seien vom neuen Bäcker übernommen worden, der kurzfristig einstieg.

Dass er zeitgleich auch im Kaufhaus Sauer die Bäckerei schließen musste, sei eine Reaktion auf den Engpass an Verkäuferinnen gewesen. Eine Mitarbeiterin war in Rente gegangen, eine weitere hatte gekündigt, für beide sei kein Ersatz in Sicht gewesen.

Da beides zeitlich zusammen fiel, kursierten bereits viele Gerüchte, dass die Bäckerei Glanz ganz aufgeben wolle. Dem sei aber bei Weitem nicht so, sagt Leuthold Glanz. Er führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Er sei quasi in der Backstube in Holzhausen aufgewachsen und seit seiner Kindheit im Betrieb. „Das ist mein Leben“ sagt er. Glanz berichtet, dass er vor allem einen weiteren erfahrenen Bäcker in seiner Backstube benötige. Er selbst arbeite seit dem Frühjahr quasi rund um die Uhr, um das Pensum zu schaffen. Da er gesundheitlich angeschlagen sei – er hat mehrere Bandscheibenvorfälle – sei dies schwierig. Aber aufgeben will er nicht. Glanz betreibt noch eine weitere Filiale in Remsfeld, außerdem versorgt er das Café in der Homberger Berufsschule mit belegten Brötchen. Mit drei Bäckerbussen beliefert der Betrieb zudem mehrere Dörfer im Umkreis zwischen Homberg und Wabern mit Backwaren. Zehn Verkäuferinnen und vier Bäcker sowie drei Ausfahrer sind in dem Unternehmen beschäftigt, inklusive des Inhabers. Der 50-Jährige wird von Lebensgefährtin Anette Peinelt unterstützt. Sie kümmert sich um Personal und Büro. „Personal zu finden ist sehr schwierig“, sagt die 40-Jährige.

Die Bäckerei Glanz in Homberg-Holzhausen ist längst nicht das einzige Unternehmen, das unter dem Problem des Nachwuchs- und Mitarbeitermangels leidet: Die Marktlage habe sich für alle Bäckereibetriebe in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt Wolfgang Scholz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Viele Bäckereien hätten – genau wie auch andere Zweige im Nahrungsmittelhandwerk – seit Jahren große Probleme, Auszubildende und Gesellen zu finden. Das schlage sich dann in den Abläufen nieder: „Es wird dann für so manches Unternehmen immer schwieriger, trotz des Personalmangels den Betrieb aufrecht zu halten“, sagt Scholz.

Er verweist auf die vielen Backstationen, die es in den Lebensmittelmärkten und Discountern gibt. Die führten zu einem massiven Wettbewerb – der zeitgleich auch noch auf das große Nachwuchsproblem stoße.

Doch die Standortfrage sei für Bäckereien eine ganz entscheidende: Früher seien die Kunden gezielt zum Bäcker gefahren, um ihr Brot zu holen, heute nähmen es viele Kunden der Einfachheit halber dort mit, wo man gerade einkaufe: Brot und Brötchen stellten damit heutzutage ein Mitnahmeprodukte dar. Das sei auch der Grund, warum so viele Bäcker in die Vorkassenzonen von Supermärkten gewechselt seien.

Das wiederum aber ziehe erweiterte Öffnungszeiten nach sich und stelle Familienbetriebe vor eine weitere Herausforderung. Scholz bezeichnet das alles als eine „gravierende Marktveränderung“. Manch kleiner Betrieb müsse unter dem großen Druck aufgeben.

Wolfgang Scholz zeigt sich dennoch optimistisch, setzt auf einen Bewusstseinswandel und damit auf eine Renaissance im Kaufverhalten der Verbraucher. Denn die, da ist er sich sicher, forderten nach wie vor eine große Vielfalt bei den Backprodukten.

Es gelte also, offensiv Auszubildende anzuwerben, um Nachwuchs zu sichern. Der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder sei jeder einzelne Betrieb wichtig: „Jede Schließung bedeutet einen großen Verlust.“ bra Foto: Kreishandwerkerschaft

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