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Der ehemalige Landrat Jürgen Hasheider starb im Alter von 84 Jahren

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Von: Claudia Brandau, Maja Yüce

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Trauer im Schwalm-Eder-Kreis: Jürgen Hasheider ist tot. Der ehemalige Landrat des Kreises starb im Alter von 84 Jahren.
Trauer im Schwalm-Eder-Kreis: Jürgen Hasheider ist tot. Der ehemalige Landrat des Kreises starb im Alter von 84 Jahren. (Archivfoto) © HNA

Der Landkreis trauert um einen weitsichtigen und durchsetzungsstarken Politiker und Gentleman: Jürgen Hasheider, der von 1984 bis 2002 das Amt des Landrats bekleidete, starb am vergangenen Freitag im Alter von 84 Jahren.

Schwalm-Eder – Von 1985 bis 2007 hatte er in Malsfeld gewohnt – und auch, als er später dann in Bad Herfeld lebte, interessierte er sich doch weiter stark für die Belange des Schwalm-Eder-Kreises.

1984 übernahm der SPD-Mann Hasheider das Amt des Landrats von seinem Vorgänger August Franke. Der Ingenieur, der zuvor Stadtbaurat in Bad Hersfeld gewesen war, baute den Schwalm-Eder-Kreis zu einem großen Dienstleistungsunternehmen aus. Er war Aufsichtsratsvorsitzender der EAM sowie Präsident des Hessischen Landkreistages (1997 bis 2002).

Hasheider baute die Wirtschaftsförderung im Landkreis auf

Hasheider war auch dabei, als 2002 das Regionalmanagement Nordhessen von den fünf nordhessischen Landkreisen, der Stadt Kassel, sowie Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Förderverein pro Nordhessen gegründet wurde. Seine Amtszeit war auch geprägt von der Neuordnung der Abfallwirtschaft. Er baute die Wirtschaftsförderung im Landkreis auf, setzte sich für die Unterhaltung von Straßen und Schulen ein, zudem setzte er sich in außergewöhnlich starkem Maß für die Sanierung des Klosters Haydau ein. 

Die Amtszeit brachte aber längst nicht nur Erfreuliches: 1997 starb sein Stellvertreter und guter Freund Wolfgang Fleischert. 1988 kam es zum Grubenunglück von Stolzenbach: Hasheider war als einer der wichtigsten Krisenmanager gefordert. Beides habe er später als die größten Tiefschläge seiner Amtszeit bezeichnet, teilt Landrat Winfried Becker mit. „Mit Jürgen Hasheider verliert der Schwalm-Eder-Kreis eine herausragende Persönlichkeit“, betont Becker.

Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag: Jürgen Hasheider war ein echter Gentlemen

Dieter Werkmeister

Bei Hasheiders zweiter Amtseinführung 1996 hatte ihn Borkens damaliger Bürgermeister Bernd Heßler als „bescheiden und zurückhaltend“ charakterisiert. Ihn zeichne seine Hartnäckigkeit bei der Umsetzung von Projekten ebenso aus wie sein Glaube an die Menschen. Hasheider habe es verstanden, durch auf Ausgleich bedachtes Denken und Handeln das Amt zu ehren und sich nicht durch das Amt ehren zu lassen.

Diese Haltung habe er auch stets im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitenden der Verwaltung bewiesen, sagt Dieter Werkmeister, der als Sprecher und Kulturbeauftragter des Landkreises eng mit Jürgen Hasheider zusammen gearbeitet hatte. „Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag: Jürgen Hasheider war ein echter Gentleman“, sagt Werkmeister: „Ein höflicher, innovativer Mann, der mit allen Menschen auf Augenhöhe sprach und das Fachwissen der Kollegen schätzte.“ 

Familie Hasheider beim Besuch des Reitturniers in Spangenberg 2006: Jürgen Hasheider mit Tochter Frauke und Ehefrau Hannelore.
Familie Hasheider beim Besuch des Reitturniers in Spangenberg 2006: Jürgen Hasheider mit Tochter Frauke und Ehefrau Hannelore. © Axel Schwarz

Diese Anerkennung wusste der Landrat auch in der Kleidung auszudrücken: Im Büro, wenn er ungestört war, trug er bei der Arbeit eine Strickjacke. Sobald aber ein Besucher angekündigt war, wechselte Hasheider ins Jackett. „Nicht etwa, um auf diese Weise Distanz zu erzeugen, sondern vielmehr als Zeichen der Wertschätzung: Er war einfach ein Gentleman.“ Dieser Begriff wird wohl auf ewig mit dem Namen Jürgen Hasheider verbunden bleiben.

Stimmen zum Tod von Jürgen Hasheider

Mit Jürgen Hasheider verliere der Schwalm-Eder-Kreis eine herausragende Persönlichkeit, teilt Landrat Winfried Becker (SPD) mit. Die politischen Gremien des Schwalm-Eder-Kreises und die Beschäftigten der Kreisverwaltung trauern um ihn und sprechen seiner Ehefrau Hannelore, seinen Kindern und seiner Familie ihre aufrichtige Anteilnahme aus, heißt es im Nachruf des Landrats, der auch auf der Homepage des Kreises zu lesen ist. Der Umbau der Kreisverwaltung zu einem modernen Dienstleistungszentrum sei ihm ebenso wichtig gewesen, wie die Wiederherstellung des kommunalen Handlungs- und Gestaltungsspielraums als Herzstück kommunaler Selbstverwaltung, heißt es unter anderem darin.

Nahezu zwei Jahrzehnte hat Jürgen Hasheider die Entwicklung des Schwalm-Eder-Kreises gestaltet und geprägt. Man werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, so Becker und der Kreistagsvorsitzende Michael Kreutzmann.

Auch die SPD Schwalm-Eder trauert um Jürgen Hasheider. „Der 1972 in die SPD eingetretene Hasheider war von 1984 bis 2002 Landrat des Schwalm-Eder-Kreises und von 1997 bis 2002 außerdem Präsident des Hessischen Landkreistages. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie“, heißt es auf der Internetseite der SPD Schwalm-Eder.

(Maja Yüce und Claudia Brandau)

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