Nordhessischer Mundarttag in Bad Zwesten: Wo aus dem „ich“ ein „ick“ wird

Deutsch in Variationen

Sie üben fleißig die nordhessische Mundart: von links Johanna Harle, Laura Jacob, Mark Anton und Janik Matthias sowie Sebastian Rohde von „d’r Werkstatt im Rinnedal“. Fotos: Meinicke

Bad Zwesten. Gemeinsam „pladde schwatzen“ - dafür reisten die Menschen von Kassel, Bad Hersfeld und sogar aus Darmstadt an. Die Gesellschaft für Nordhessische Mundarten hatte zum 17. Mundart-Tag ins elegante und doch gemütliche Kurhaus von Bad Zwesten eingeladen.

Auch Reinhard Brüning aus Istha (Öwwers Uuzen, Flooken onn Schempen) und Herbert Jacob aus Bründersen (Watt Kinger so vun sik genn) waren dabei. Beide leben in Wolfhagener Stadtteilen und sind trotzdem durch eine Grenze getrennt.

Das Gebiet wird von der Benrather Linie durchschnitten. Sie beginnt bei der belgischen Stadt Eupen und endete einst in Königsberg. So wird Niederdeutsch und Hochdeutsch, zum Beispiel ick und ich, unterschieden.

Fachleute erkannten das natürlich beim Voader Inser in Homberger Pladde zum Gottesdienst, mit dem die Veranstaltung begann. Roland Siebert ist Vorsitzender der 1996 in Homberg gegründeten Gesellschaft.

Mundart-Kinder

In seiner Begrüßung ging er besonders auf die in Mundart-Sketchen mitwirkenden Kinder und Jugendlichen ein. Sie sind „Schulkenge von d’r Werkstoad im Rinnedal“, die übrigens im kommenden Frühjahr in Homberg-Allmuthshausen erneut stattfinden wird.

Von der Fahrkarte zum Ticket - auch in die Dialekte dringen andere Sprachen vor. Das bedauerte in ihrem Text Karin Werner, die Preisträgerin von 2014 des seit 2001 ausgeschriebenen Axel Herwig Mundart-Preises. Eine Überraschung verkündete Norbert Rose, Kurator der Preisstiftung: In diesem Jahr wurde unerwartet Roland Siebert für besondere Verdienste um die heimischen Mundarten ausgezeichnet.

Damit wurde nicht nur der Autor vieler Mundart-Bücher, sondern auch dessen unermüdlicher Einsatz für die Gesellschaft für Nordhessische Mundarten gewürdigt. In der Pause konnte das Publikum an einem Preisausschreiben teilnehmen und Dialekt ins Hochdeutsche übertragen. Kennen Sie sich aus? „Där ahlen Gäddze geht werre mo’s Müll wie’n Äändenberzel!“

Nu schiggeds awwer

Musikalisch untermalt wurde das gelungene Treffen von der hervorragenden Mundart-Band „Die Rotkehlen“ (www.Rotkehlen.de) und dem Kerstenhäuser Vokal-Ensemble. Mit sichtlichem Vergnügen lauschte das kräftig applaudierende Publikum den Beiträgen. Doch irgendwann sangen die Rotkehlen: Nu schiggeds awwer bahle!

Rätsel-Auflösung: „Der alten Rumschreierin (Schwätzerin) geht wieder mal der Mund wie ein Entenpürzel (Schwanz).“

von Michael Meinicke

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