Landgericht Kassel

Falsche Ärztin – Mehrere Gutachter nehmen Patienten unter die Lupe

Falsche Ärztin aus Fritzlar
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Der Prozess gegen die falsche Ärztin Meike S. geht vor dem Landgericht Kassel weiter. (Symbolfoto)

Der Prozess gegen die falsche Ärztin Meike S. geht vor dem Landgericht Kassel weiter. Am siebten Prozesstag liegt der Fokus auf einer Patientin, die gestorben war.

Kassel/Fritzlar – Auch am Vormittag des siebten Prozesstages um die falsche Ärztin Meike S. stand die zentrale Frage im Mittelpunkt: Haben die vermeintlichen Behandlungsfehler der Angeklagten, die sich seit Ende Januar 2021 unter anderem wegen fünffachen Mordes vor dem Landgericht Kassel verantworten muss, mit dem Tod von Patienten zu tun?

Wie bereits in der vergangenen Woche, kamen auch gestern die Sachverständigen aus dem Bereich der Anästhesie, Prof. Dr. Matthias Wolff und Prof. Dr. Michael Sander, sowie Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Reinhard Dettmeyer zu Wort. Sie gingen am Vormittag über Stunden bis ins kleinste Detail auf eine Patientin ein, die im Fritzlarer Hospital, in dem Meike S. von 2015 bis 2018 tätig war, gestorben ist.

Falsche Ärztin am Klinikum Fritzlar: Frau muss sich vor dem Landgericht Kassel verantworten

Im Herbst 2017 sei die damals 86-Jährige, die zahlreiche Vorerkrankungen hatte, wegen eines Eiterherdes an einer Metallplatte im Oberschenkel in die Klinik gekommen, um dort mehrfach operiert zu werden. Die Sachverständigen legten den Fokus auf zwei Operationen, bei denen Meike S. als Assistenzärztin für die Anästhesie zuständig gewesen sein soll.

Der Vorsitzende Richter Volker Mütze.

Wie bereits im Fall der drei verstorbenen Patienten, die in der vergangenen Woche Thema waren, wiesen die Gutachter auch in diesem Fall auf fehlerhaftes Atemwegsmanagement, fehlerhafte Dosierung des Narkosemittels sowie Komplikationen in puncto Blutdruckabfall und Blutverlust hin, auf die seitens der Anästhesie nicht adäquat reagiert worden sei. Für den Tod der Patientin, der erst nach etwa zwei Wochen palliativer Therapie folgte, seien „schwere Versäumnisse bei der Narkose mitverantwortlich“, so Prof. Dr. Wolff.

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Das Eintreten konkurrierender Todesursachen hinterfragte indes erneut die Verteidigung der Angeklagten. „Kann der Blutverlust während der Operation auch für sich genommen eine Todesursache sein?“, fragte zum Beispiel Rechtsanwalt Dr. Sven Schoeller. Rechtsmediziner Dettmeyer erklärte daraufhin, dass die ausgebliebene Reaktion auf den Blutverlust ebenfalls ein Fehler der Anästhesie sei, wenngleich dieser zunächst auch durch den chirurgischen Eingriff ausgelöst worden sei.

Dennoch warf Dettmeyer – anders als bei den zuvor begutachteten Patienten – ein: „Was mich stutzig macht: Warum hat es so lange gedauert, bis die Patientin gestorben ist?“ Es spreche zwar vieles für Behandlungsfehler seitens der Angeklagten, die letztlich auch bei dieser Patientin zum Tod geführt haben könnten. „Es bleiben aber Restzweifel.“ Ursächlich für den Tod der Frau hätte demnach auch eine Fett- und Knochenmarksembolie sein können. (Daria Neu)

Meike S. kandidierte 2012 in Bad Emstal als Bürgermeisterin – und verlor. Am vierten Prozesstag erhob ein ehemaliger Kollege schwere Vorwürfe gegen die falsche Ärztin.

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