„Die Menschen wollen gefragt werden“

HNA-Interview: Borkens künftiger Bürgermeister Pritsch-Rehm über seine Ziele

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Der Moment des Jubels: Marcel Pritsch-Rehm mit seinem Sohn Marvin sowie seiner Tochter Madita am Wahlabend im Borkener Rathaus-Foyer.

Borken. Mit überwältigender Mehrheit ist Marcel Pritsch-Rehm (FWG) zum künftigen Bürgermeister von Borken gewählt worden. Wir sprachen mit dem 46-Jährigen über seine Gefühlslage und seine Pläne für die Amtszeit, die am 1. Januar beginnt.

Herr Pritsch-Rehm wie war die Wahlparty? 

Pritsch-Rehm: Ja, wir haben ausgiebig gefeiert. Aber es dauerte auch eine Stunde, bis ich zum ersten mal bis zum Bierpilz durchgedrungen bin, weil mir so viele Leute gratuliert haben. Das war schon beeindruckend.

Haben Sie überhaupt schlafen können nach einem solchen Abend? 

Pritsch-Rehm: Die Nacht war kurz. Ich habe nur von 3 bis 7 Uhr geschlafen. Dann ging mir so viel durch den Kopf, dass ich gleich aufgestanden bin.

Wie werden Sie sich auf das Amt vorbereiten? 

Pritsch-Rehm: Ich werde mit Amtsinhaber Heßler sprechen, ob es möglich ist, die Fachbereiche der Verwaltung schon jetzt kennenzulernen. Das wäre wichtig, damit ich am 1. Januar gut starten kann.

Was machen Sie eigentlich genau bei B. Braun? 

Pritsch-Rehm: Ich bin im Stabilitätsmanagement tätig.

Was ist das Stabilitätsmanagement? 

Pritsch-Rehm: B. Braun liefert Produkte in alle Welt. Die Lösungen, die wir herstellen, lagern wir in verschiedenen Klimakammern. Wir müssen dort sicherstellen, dass die Produkte stabil und haltbar sind. Das wird anhand von Stabilitätsdaten dokumentiert. Ich kümmere mich um die Organisation in meinem Fachbereich sowie um den Betrieb der Klimakammern.

Kommen wir zu ihrer künftigen Tätigkeit. Was muss sich dringend ändern in Borken? 

Pritsch-Rehm: Ich habe bei meinen Veranstaltungen und Gesprächen festgestellt, dass die Menschen einen Bürgermeister wollen, der für sie da ist. Den Menschen ist klar, dass ich es nicht allen Recht machen kann, aber sie wollen zumindest nach ihrer Meinung gefragt werden.

War das bisher nicht so? 

Pritsch-Rehm: Das kann ich nicht beurteilen.

Was muss sich politisch in Borken ändern? 

Pritsch-Rehm: Ich muss mir erst einmal einen Überblick verschaffen. Dann wird eine Prioritätenliste erstellt, die wir abarbeiten.

Sie haben keine Verwaltungserfahrung. Wie stellen Sie sich Ihre Arbeit als Bürgermeister vor? 

Pritsch-Rehm: Das stimmt so nicht ganz. Ich habe beruflich mit Verwaltung zu tun und bin ja auch in städtischen Gremien tätig. Wer in der Lage ist, einen Teilbereich eines Unternehmens sauber zu führen, kann auch eine Verwaltung führen.

Welche Art Chef werden Sie sein?

Pritsch-Rehm: Das habe ich ja beim HNA-Lesertreff schon sehr deutlich gesagt. Ich werde partnerschaftlich mit den Mitarbeitern umgehen. Das entspricht einfach auch meinem Naturell. Ich bin ja auch auf die Mitarbeiter in den Fachbereichen und die Ortsbeiräte angewiesen.

Sie haben im Parlament keine Mehrheit. Wie wollen Sie sich da durchsetzen? 

Pritsch-Rehm: Wenn ich die Bürger hinter mir habe, habe ich die Mehrheit im Rücken. Wenn ich es hinbekomme, gute Vorschläge von den Bürgern von der Verwaltung aufarbeiten zu lassen und sie den Gremien vorlege, wer will sich dann noch dagegen stellen?

Sie kennen aber auch die politische Arbeit im Parlament. Da geht es immer auch darum, sich durchzusetzen. 

Pritsch-Rehm: Kein Parlament wird gute Vorschläge der Bürger ablehnen. Das Parlament ist für die Bürger da. Zunächst haben wir aber auch schon Haushalte für 2015 und 2016. Bei allem, was Geld kostet, gibt es also Festlegungen.

Sie haben sich ja sehr stark um die Stadtteile bemüht. Werden die im Vergleich zur Kernstadt künftig deutlich besser gestellt? 

Pritsch-Rehm: Nein, so ist das nicht gemeint. Es geht um Gleichbehandlung. Anhand der Spielplätze, die in den Stadtteilen besser ausgestattet und gepflegt werden sollten, habe ich das deutlich gemacht. Wir können es uns nicht leisten, die Kinder, unsere Zukunft zu vernachlässigen. Spielplätze und die Jugendarbeit müssen eine höhere Priorität haben, unabhängig ob es um die Stadtteile oder die Kernstadt geht.

Das Borkener Hotel war ja zuletzt stark in der Kritik. Wie sehen Sie die Situation? 

Pritsch-Rehm: Die Stadtverordneten haben nicht wirklich Einblick in die Vertragsmodalitäten. Es wird für mich vorrangig sein, zu schauen, wie das Hotel dasteht. Die Auslastung soll ja gut sein. Dann müssen wir schauen, ob ein so hoher Zuschussbedarf noch notwendig ist. Also: Erstmal die Lage sondieren, und dann können wir Entscheidungen treffen.

Und wie stehen Sie zum Bergbaumuseum? 

Pritsch-Rehm: Das Museum muss weiter wie bisher unterstützt werden. Gerade in der Öffentlichkeitsarbeit müsste mehr getan werden, um das Museum besser zu vermarkten. Es geht nicht darum, Einrichtungen zu schließen, sondern Angebote zu machen, damit Menschen hierher kommen.

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