Dorfjubiläum: Der Landgraf ging leer aus

Der Fremdenverkehr floriert: Der Kofferinhalt bot interessante Einblicke - hier für Anneliese Range (links) und Renate Günst.

Densberg. Tapfere Rittersleut´, raffinierte Frühstücksräuber und Ruhe suchende Touristen: Mit einem Streifzug durch die heimische Geschichte, verfasst und inszeniert von Gisela Noll, trug die Theatergruppe Densberger Frühstücker zur 925-Jahrfeier des Jesberger Ortsteils bei.

250 Besucher erlebten am Freitagabend auf der Freilichtbühne im Burggraben zunächst einen Rückblick auf die Anfänge des Ortes: Die damals herrschenden rauen Sitten brachten die Ritter der „Denisburc“ rasch unter Kontrolle: Mit Schwert- und Stockkampf verhinderten sie eine geplante Entführung. Als Akteure der Szenerie gaben die Freunde des Mittelalters zu Baunatal eine Kostprobe höchst lebendiger Vergangenheit.

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Dorffest: 925 Jahre Densberg

Die setzte sich im 17. Jahrhundert mit jener Geschichte fort, die den Densbergern den Spitznamen als „Frühstücker“ einbrachte: Damals kam der kurhessische Landgraf Karl mit seinem Geleit zur Saujagd in den Kellerwald. Die für den Abschluss der Hatz im Gebüsch versteckte Vespermahlzeit des Landesherren blieb jedoch nicht lange unentdeckt: Mit großem Appetit machten sich die Einheimischen über die deftige rote Stracke und den süffigen Hochprozentigen her. Während dessen frönte der Landgraf unter den Klängen des Kreisjagdvereins Fritzlar Homberg und dem Geschütz der Kasseler Traditions-Kanoniere seiner Jagdleidenschaft. Im Hinblick auf sein wohl verdientes Mahl nach dem Halali jedoch blieb ihm angesichts der listigen „Frühstücker“ nur das Nachsehen.

Korb mit leckerem Inhalt: Die Densberger „Frühstücker“ machten sich über die Mahlzeit des Landgrafen her.

Eine weitere Szene schließlich führte in die jüngere Vergangenheit der 1960er und 70er Jahre: Als staatlich anerkannter Erholungsort verbuchte Densberg damals bis zu 35 000 Übernachtungen pro Jahr. Um sich durch den Fremdenverkehr ein kleines Zubrot zu verdienen, räumten die Bürger für Erholung suchende Städter ihre Schlafzimmer und campierten gar auf Liegen im Keller.

Welch süffisante Charaktere sich damals im Kellerwald tummelten, das stellte die Theatertruppe in humorvollen Szenen dar. Natürlich war auch der damals eigens für die Gäste organisierte, berühmt-berüchtigte Heimatabend mit Gesang, Modenschau und komödiantischen Darbietungen in dem unterhaltsamen Rückblick vertreten. Weitere Bilder der Aufführung auf www.hna.de/foto

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