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Drei Löwen Bräu: Endlich wieder Homberger Bier

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Von: Claudia Brandau

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Es gibt wieder ein Homberger Drei Löwen Bräu: Der Bierexperte (von links) Peter „Zwei“ Deren aus Unshausen stößt mit Markus und Karl-Heinz Schott sowie Braumeister Johann Eschinger aus Frielendorf an. Wenn jemand weiß, wie ein Drei Löwen Bräu zu sein hat, ist das Eschinger: Der 93-Jährige war bis 1973 Braumeister in Homberg.
Es gibt wieder ein Homberger Drei Löwen Bräu: Der Bierexperte (von links) Peter „Zwei“ Deren aus Unshausen stößt mit Markus und Karl-Heinz Schott sowie Braumeister Johann Eschinger aus Frielendorf an. Wenn jemand weiß, wie ein Drei Löwen Bräu zu sein hat, ist das Eschinger: Der 93-Jährige war bis 1973 Braumeister in Homberg. © Claudia Brandau

Die Brüder Karl-Heinz und Markus Schott aus Homberg haben die alte Marke Drei Löwen Bräu neu belebt und nach gebraut: Das erste Fass wird am Donnerstag, 9. Juni, am Marktplatz angestochen.

Homberg – Als die Homberger Drei Löwen Brauerei 1973 ihre Tore für immer schloss, hat wohl niemand geglaubt, dass es je wieder ein Bier aus der Kreisstadt geben würde. Doch wenn heute Bürgermeister Nico Ritz um 18.30 Uhr ein Fass Bier auf dem Nachtmarkt am Marktplatz ansticht, dann schwappt in diesem Behälter genau jenes Getränk, das Homberg 49 Jahre lang gefehlt hat – Drei Löwen Bräu.

Markus und Karl-Heinz Schott haben das Bier zusammen mit ihren Freunden Peter Eins und Peter Zwei (unter diesen Namen haben sie einen Ruf wie Donnerhall unter Bierfreunden) gebraut. „Die Idee ist aus der reinen Nostalgie heraus geboren“, sagt Karl-Heinz Schott.

Homberg: Markus und Karl-Heinz Schott brauen Bier mit Hobbybrauer

Die Familie saß zusammen, unterhielt sich über die alte Brauerei in der Bahnhofstraße, erzählte, wie sie von dort mit Handwagen den begehrten Treber als Tierfutter holten, wie lecker das Bier war, wie selbstverständlich es in Homberger Lokalen ausgeschenkt wurde.

Für Markus Schott waren all die Geschichten neu, kein Wunder, er wurde im selben Jahr geboren, in dem auch die Brauerei geschlossen wurde – 1973. Er recherchiert und stellt fest, dass die Marke verfallen ist. Sicherheitshalber, nur für den Fall der Fälle, sichert er sie sich – und tatsächlich kommen die Dinge ins Rollen.

Markus und Karl-Heinz Schott verfolgen ernsthafter die Idee, ein heimisches Bier zu brauen. Sie holen Hobbybrauer Peter Eins und Peter Zwei ins Boot, sie fangen an, in Schlachtekesseln zu brauen und zu experimentieren.

Drei Löwen Bräu in Homberg: Tüfteln an Rezept für Bier

Das Team stellt Rezepte zusammen und verwirft sie wieder: Das neue Drei Löwen Bräu soll wie das alte Drei Löwen Bräu schmecken. Doch es klappt anfangs nicht: „Wir haben schnell gemerkt, dass wir einen Experten brauchen“, sagen Schotts. Den haben sie gefunden – in Frielendorf.

Johann Eschinger begann 1947 seine Lehre in der Homberger Brauerei, war später einer der drei Braumeister, die im Sudhaus dafür sorgten, dass das Bier seinen unverkennbaren Geschmack erhielt. Und genau den tüftelte das neue Team zusammen mit dem alten Experten fast 50 Jahre später wieder aus. „Das ist wirklich Allerhand, was die jungen Leute da jetzt machen“, sagt der 93-Jährige und lacht.

Er hat nun schon häufig Gebrautes probiert und kommentiert: Das eine Bier war zu bitter, das andere zu vollmundig. Das Team tastete sich immer weiter ran – und ist nun sicher: Das Homberger Drei Löwen Bräu ist wieder zurück. Es sieht aus wie früher, schmeckt wie früher.

Der Braumeister prüft die Qualität: Johann Eschinger in den 1960er-Jahren im Sudhaus der Homberger Drei Löwen Brauerei.
Der Braumeister prüft die Qualität: Johann Eschinger in den 1960er-Jahren im Sudhaus der Homberger Drei Löwen Brauerei. © Privat/Familie Eschinger

Drei Löwen Bräu: Homberg hat wieder ein eigenes Bier

Johann Eschinger schenkt sich ein Glas ein, schaut, trinkt, genießt – und lobt das leichte Hefearoma und den „kompakten Schaum“, der beim Einschenken entsteht. Dass es überhaupt mit dem hellblauen Retro-Etikett in neue Flaschen gefüllt wird, ist der Privatbrauerei Friedrich Haaß zu verdanken: Sie bot an, das Bier abzufüllen. Bedingung: Schotts mussten mindestens 3000 Liter abnehmen. Die Brüder zuckten, gaben sich aber dann einen Ruck: „Unser Vater hat immer gesagt: ‘Nur wer nichts macht, macht keine Fehler‘“, sagt Karl-Heinz Schott.

„Und wir waren sicher: Es lohnt sich, etwas in Homberg anzupacken“, sagt Markus Schott. Die Brüder ergriffen also die Initiative, ohne zu wissen, ob sie in den nächsten Monaten und Jahren extrem viel Bier trinken oder verschenken müssten – oder ob sie bald wieder Drei Löwen Bräu in Schwalmstadt abfüllen lassen. „Ich würde mich freuen, wenn es das Drei Löwen Bräu im Getränkemarkt gäbe, es in einem Gasthaus oder bei großen Homberger Festen ausgeschenkt würde – ein heimisches Bier hat uns gefehlt.“

Dessen Flaschen erinnern im hellen Blau an vergangene Zeiten. „Die Reinkarnation einer regionalen Bierspezialität“ steht auf dem Werbebanner. Homberg hat wieder ein eigenes Bier.

Und es gibt sogar auch eine Edition aus und für Hombergshausen: Es wurde eigens auch ein Grünhofer-Bier entwickelt. Nicht nur die Besucher des Musikschutzfestivals werden sich drüber freuen. Prost! auf diese beiden guten Nachrichten. (Claudia Brandau)

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