„Die Ohren schlafen nicht“

Autobahn 49 bringt Holzhäuser um den Schlaf

+
Der Verkehr rollt fast unaufhörlich: Auf der Autobahn 49 geht es von Kassel direkt nach Edermünde. Die Belastung durch den Verkehr hat sich nach einer Berechnung der IG Lärmschutz an der A 49 in den vergangenen Jahren erhöht.

Sie warten wieder. Diesmal auf eine Antwort vom Hessischen Verkehrsministerium. Doch bereitet ihnen das Warten keine schlaflosen Nächte – dafür gibt es einen anderen Grund: Der Lärm von der Autobahn 49. Petra Witt-Degenhardt und Peter Witt wohnen in Holzhausen/Hahn, durch den Edermünder Ortsteil führt die A 49.

Sie ist der Grund dafür, warum Familie Witt-Degenhardt und mit ihr die Interessengemeinschaft Lärmschutz A 49 (IGL) auf eine Antwort aus dem Verkehrsministerium wartet. „Die Lärmbelastung durch den Verkehr wird immer mehr“, sagt Petra Witt-Degenhardt. 

Deshalb hat sich die IGL jetzt mit einem Brief direkt an Minister Tarek Al Wazir gewandt. Denn sie hoffen auf einen besseren Lärmschutz. Und das nicht nur für sich, sondern für den ganzen Ort.

Verkehr in vergangenen Jahren gestiegen

2009 haben Petra Witt-Degenhardt und ihr Mann das Haus mit direktem Blick auf die Autobahntrasse gekauft. „Wir wussten natürlich von der Autobahn und auch, dass es hier nicht ganz still ist“, sagt sie. Doch in den vergangenen fünf Jahren sei der Verkehr gestiegen und der Lärm für die Anwohner immer lauter geworden. 

Da kommt der Lärm her: (von links) Günther Schumann von der IGL A 49, Petra Witt-Degenhardt und ihr Peter Witt auf ihrem Balkon in Holzhausen/Hahn.

So sehr, dass an Durchschlafen in der Nacht kaum mehr zu denken sei. Da helfe auch die Dreifachverglasung im Schlafzimmer nichts, sagt Peter Witt. Ein weiterer Grund dafür: Ein neuer Fahrbahnbelag, der vor einigen Jahren dort aufgebracht wurde, hat den vorher erträglichen Lärm unerträglich werden lassen. 

„Früher hatten wir hier noch Lebensqualität, doch die ist uns nun genommen worden. Die Ohren schlafen nicht“, sagt er. Doch geben sie nicht auf, kämpfen weiter – um Schutz durch Wall oder Wand.

Anwohner fordern Schutz 

„Wir haben nichts gegen die Autobahn, nutzen sie sogar selbst, aber wir müssen vor dem Lärm und der Belastung geschützt werden“, sagt Petra Witt-Degenhardt. 

Denn auch wenn Behörden wie Hessen Mobil behaupten, es sei nicht lauter geworden, die eigenen Messungen und Berechnungen der IG Lärm belegen etwas anderes. 

Demnach waren es 2010 noch 33 000 Fahrzeuge pro Tag im Jahresdurchschnitt und 2015 schon knapp 40 000. Prognose für 2025: 48 000 Fahrzeuge pro Tag. 

Und das alleine durch die Logistikentwicklung – ohne den Lückenschluss. Rechne man den hinzu, lande man schnell bei weiteren 30 000 Fahrzeugen pro Tag und somit um die 78 000 Kraftfahrzeuge, die täglich über die A 49 fahren würden, so die IGL-Prognose. „Vor allem Lkw-Fahrer werden, um die Kasseler Berge zu meiden, die A 49 nutzen“, ist sich Witt sicher.

Sie hoffen auch zukünftig ruhige Nächte

Besonders ärgerlich für die Anwohner in Holzhausen ist, dass in Sachen Lärmschutz ein Unterschied zwischen Altbestand und Neubaustrecke gibt. 

Wäre die A49 bei Holzhausen nicht Altbestand, sondern würde neu gebaut, gäbe es für die geplagten Menschen entlang dieser Strecke weniger Probleme. Dann hätten sie nämlich Anspruch auf besseren Lärmschutz, geringere Lärmwerte wären gültig. Und sie dürften hoffen, mal wieder ruhig schlafen zu können. 

Die Hoffnung darauf wollen sie nicht aufgeben und haben deshalb dem hessischen Verkehrsminister geschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.