Gegenwind am Telefon

Anmeldung für Schutzimpfung: Callcenter-Mitarbeiter überschreitet seine Kompetenzen

Birgit Lange (Mitte) hofft, dass ihre Töchter Luise Lange (rechts) und Emmi (links) auch bald eine Corona-Schutzimpfung erhalten.
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Birgit Lange (Mitte) hofft, dass ihre Töchter Luise Lange (rechts) und Emmi (links) auch bald eine Corona-Schutzimpfung erhalten.

Birgit Lange aus Besse wollte für ihre Töchter, 16 und 18 Jahre alt, einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung telefonisch vereinbaren. Dabei erlebte sie Gegenwind am Telefon.

Besse – Um ihre Töchter, 16 und 18 Jahre alt, für eine Corona-Schutzimpfung registrieren zu lassen, rief Birgit Lange aus Besse Anfang Juni die Hotline 06 11/ 50 59 28 88 an. Über diese Nummer können sich in Hessen lebende Menschen, ebenso wie unter der 116 117, für einen Impftermin anmelden. Beim Hausarzt hatte sie Luise und Emmi bereits auf die Liste setzen lassen.

Am anderen Ende der Leitung traf sie auf einen Mann, den sie fragte, wie lange ihre Töchter wohl auf ihre Schutzimpfung warten müssten. Seine Antwort sei gewesen: „Es dauert hoffentlich lange.“

Birgit Lange aus Edermünde: Töchter sollen zum Schutz der Familie geimpft werden

Er habe seine Aussage damit begründet, dass es ja noch kaum Erfahrungswerte bei Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche gebe. Außerdem fügte er laut Lange an, dass er selbst sich erst mal nicht impfen lassen wolle. Er würde sich nur darauf einlassen, wenn er es müsse, weil er sonst seinen Job verlöre.

Birgit Lange ist es wichtig, dass ihre Töchter eine Corona-Schutzimpfung bekommen, da es in der Familie viele Menschen gibt, die aufgrund von Erkrankungen zur Risikogruppe für schwere Krankheitsverläufe zählen. Lange selbst war an Brustkrebs erkrankt, ihre Mutter hatte ebenfalls Krebs und der Lebenspartner ihrer Mutter liege im Sterben.

Mann unter Hotline reagiert ablehnend bei Registrierung für Corona-Schutzimpfung

Inzwischen seien in der Familie nur noch ihre Töchter komplett ungeimpft. Ihr 21-jähriger Sohn sei vom Betriebsarzt geimpft worden.

Die EU-Kommission hat den mRNA-Impfstoff von Biontech am 31. Mai zugelassen, daraufhin rief Lange die Hotline 0611/505 92 888 an. Als der Mann am anderen Ende der Leitung eine Diskussion rund um die Schutzimpfung ihrer Töchter startete und der 50-Jährigen indirekt davon abriet, war Lange überrascht.

„Ich wollte meine Töchter für die Impfung registrieren lassen und hatte einen Impfgegner am Telefon“, so Lange. Es sei ein schräges Erlebnis gewesen. Ihre Töchter sind nun registriert, warten aber noch auf ihren Impftermin. (Christina Zapf)

Das sagt das Innenministerium

„Die Ablehnende Haltung des Callcenter-Mitarbeiters ist nicht akzeptabel“, sagt Michael Schaich, Pressesprecher des Hessischen Innenministeriums. Das Land habe einen externen Dienstleister damit beauftragt, die Anrufe unter der Hotline 0611/505 92 888 entgegenzunehmen. Das Callcenter habe lediglich den Auftrag, den Wunsch der Impfwilligen zu empfangen. Eine Beratung zur Impfung sei Aufgabe der Artpraxen und der Ärzte in den Impfzentren.  (ciz)

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