Serie Schlafende Orte

Leere Bilsteinhalle: Sportler des TSV Besse können nicht drinnen trainieren

Leer und ungenutzt: die Bilsteinhalle in Besse. Peter Becker, Vorsitzender des TSV Besse, ist froh, dass die Mitglieder dem Verein die Treue halten.
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Leer und ungenutzt: die Bilsteinhalle in Besse. Peter Becker, Vorsitzender des TSV Besse, ist froh, dass die Mitglieder dem Verein die Treue halten.

Corona zwingt viele Orte im Kreisteil Fritzlar-Homberg in eine Art künstliches Koma. Wir besuchen in unserer Serie diese schlafenden Orte. Heute: die Bilsteinhalle in Edermünde-Besse.

Besse – Die Bilsteinhalle ist riesig – und steht seit mehreren Monaten leer. Trainiert werden darf dort seit November nicht mehr. Normalerweise geben sich die Sportler die Klinke in die Hand. „Unter der Woche ist die Halle von 15 bis 22 Uhr belegt“, sagt Peter Becker, seit 1999 Vorsitzender des TSV Besse.

Tischtennis, Turnen, Fußballtraining, Fitnesskurse und vieles mehr ist derzeit nicht möglich – weder in der Halle noch draußen. Auch im angebauten Spiegelsaal ist es still. Da üben sonst die Gardetänzer und es finden Selbstverteidigungskurse statt.

Alle Abteilungen des TSV Besse sind vom Lockdown betroffen. „Es tut uns leid für die Mitglieder, aber wir können es nicht ändern“, sagt Becker. Doch die Solidarität sei groß. Trotz des ausgesetzten Trainings halten die Sportler ihrem Verein die Treue und sorgen so dafür, dass der TSV Besse ohne große Probleme die Corona-Pandemie übersteht.

„Die Fixkosten sind überschaubar, unsere Existenz ist nicht gefährdet“, sagt der 62-Jährige. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen sei 2020 positiv gewesen. 30 neue Mitglieder seien hinzugekommen.

Bilsteinhalle Besse: Kein Sport und kein Karneval

Edermünde zählt zu den nordhessischen Karnevalshochburgen. Doch die Vereine mussten ihre närrischen Veranstaltungen in der Bilsteinhalle aufgrund der Corona-Pandemie absagen. Normalerweise wird die Halle laut Becker 14 Tage vor Weiberfastnacht gesperrt, damit Bühne und Kulissen aufgebaut werden können.

Auch wenn der Verein die Coronakrise überstehen wird, hat sie dennoch Auswirkungen. Im Juli 2020 war die 1. Fußballmannschaft der Herren in die Kreisoberliga aufgestiegen. „Dann haben sie zehn Spiele gemacht und zehnmal gewonnen“, so Becker. Unterbrochen wurde die Glückssträhne vom Lockdown. „Mit einem solchen Vorsprung würden sie wieder aufsteigen“, sagt der Vorsitzende, der hofft, dass zumindest die erste Halbserie zu Ende gespielt und gewertet werden kann.

Der Erfolg der 1. Mannschaft der Herren in der Sparte Tischtennis des TSV Besse wird ebenfalls vom Lockdown getrübt. Sie war 2020 in die Oberliga aufgestiegen. Nun herrsche Zwangspause. Unter dem Wegbruch der sportlichen Angebote leiden besonders die Kinder und Jugendlichen, so Becker. Auch sein Enkel vermisse das Turnen. „Ihnen fehlt das Training. Die Bewegung fällt komplett weg“, sagt Becker.

Feier zum 125-jährigen Bestehen des TSV Besse vorerst abgesagt

In diesem Jahr gibt es den TSV Besse seit 125 Jahren. Die Vorbereitungen für die Feier begannen bereits 2019. Doch im Herbst beschlossen die Abteilungen, das Fest in dieser Größe abzusagen. Feiern solle Spaß machen, so Becker, und das sei unter den gegebenen Umständen nicht möglich.

Ob es eine kleinere Feier geben wird, oder ob sie 2022 unter dem Motto „125+1“ nachgeholt wird, hänge von der weiteren Entwicklung der Corona-Lage ab.

Und so bleibt den Sportlern des TSV Besse in jeglicher Hinsicht nichts anderes übrig als zu warten. Fußballer, Tischtennisspieler, Blau-Weiße-Funken, Traumtänzer, Turntiger, Turnmäuse und viele andere müssen sich weiterhin in Geduld üben, bis sie in die Bilsteinhalle in Edermünde-Besse zurückkehren dürfen.

Von Christina Zapf

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