Edermünder wollen mitreden

Lidl plant eine neue Halle im Ortsteil Holzhausen – Bürgerinitiative gründet sich

Rund 30 Bürger diskutierten über den geplanten Neubau von Lidl Logistik auf Edermünder Boden.
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Rund 30 Bürger diskutierten über den geplanten Neubau von Lidl Logistik auf Edermünder Boden.

Lidl Logistik plant auf Edermünder Boden, hinter dem Hagebaumarkt bei Hertingshausen, eine neue Halle zu bauen. Die Edermünder Fraktionen FWG und Bündnis 90/Die Grünen hatten deshalb ein Treffen mit Bürgern am Lidl-Kreisel in Edermünde organisiert.

Als Folge des Treffens wird sich am Donnerstag, 24. September, um 18 Uhr in der Bilsteinhalle in Besse eine Bürgerinitiative zum Bauvorhaben von Lidl Logistik organisieren, das teilt Mark Valentin mit.

Die FWG werde die dort aufgekommenen Fragen mit in die nicht öffentliche außerplanmäßige Sitzung der Gemeindevertretung zum Ansiedlungsvorhaben von Lidl am Montag, 19. Oktober, in der Bilsteinhalle in Besse den Verantwortlichen von Lidl stellen.

Die Bodenqualität der zur Disposition stehenden 180000 Quadratmeter gehören laut Mark Valentin (FWG) zu den besten Böden Mitteleuropas. Die Magdeburger Börde liegt bei 100 Bodenwertzahl und die Fläche die Lidl Logistik in Edermünde bebauen möchte, liege bei 88 Bodenwertzahl. Die Bodenwertzahl (BWZ) ist ein Vergleichswert zur Bewertung der Ertragsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden. Sie wird mit den Daten der Bodenschätzung ermittelt und reicht von 0 (sehr niedrig) bis ca. 100 (sehr hoch).

Neben der zu erwartenden zusätzlichen Lärmbelastung für die Anwohner und die durch den Neubau so nicht mehr mögliche Ortsumgehung für Grifte, zeigten sich laut Valentin viele Bürger auch über die Dimensionen des geplanten Bauvorhabens erschrocken. Die zu erwartenden Wertverluste von Bestandsimmobilien und die Minderung der Lebensqualität der betroffenen Anwohner waren ebenso Thema.

Das sagen die Fraktionen zum Vorhaben von Lidl

Das sagt die SPD: Lidl hat sich an die Gemeinde gewandt und über den Plan für ein Logistikzentrum informiert. Die vorgesehenen Flächen sind teilweise überhaupt nicht im Regionalplan verankert. Eine entsprechende Genehmigung müsste durch die Regionalversammlung erfolgen. Weiter ist das Verkehrskonzept, die Nutzung der jetzigen Halle, Vorteile für die Gemeinde, aber auch die Akzeptanz in der Bevölkerung zu klären. Wir sind für ein offenes, an Fakten orientiertes Verfahren. Panikmache, wie es von zwei Fraktionen betrieben wird, lehnen wir ab. Lidl muss die Gemeindegremien voll umfänglich informieren. Dann sollten in einer Bürgerversammlung die Pläne vorgestellt werden. Danach wird die SPD-Fraktion entscheiden. Wir können uns einen Bürgerentscheid vorstellen, in dem die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob ein solches Projekt umgesetzt werden soll.

Das sagt die CDU: Als Oppositionspartei könnte es sich die CDU-Fraktion im Edermünder Parlament einfach machen und das Vorhaben ablehnen. In den vergangenen Jahren haben wir aber gezeigt, dass wir bereit sind Verantwortung zu übernehmen und wollen mit dem Thema Lidl ebenso verantwortungsvoll umgehen. Dazu gehört, dass wir in den kommenden Wochen alle notwendigen Informationen, sei es aus den Gremien oder Veranstaltungen, aufnehmen, mit den Menschen aus unseren Dörfern sprechen und uns untereinander abstimmen. Danach wird sich jeder Abgeordnete frei und mit dem für eine solche Entscheidung notwendigen Informationen im Parlament entscheiden. Die Versiegelung der hochwertigen landwirtschaftlichen Flächen ist für die CDU ein ernst zu nehmendes Problem, wir können und wollen aber die wirtschaftliche Entwicklung im Großraum Kassel nicht aufhalten.

Das sagt die FWG: Die FWG steht dem Ansinnen der Firma Lidl grundsätzlich offen gegenüber. Am 19. Oktober, ab 19 Uhr ist in der Bilsteinhalle in Besse eine nicht öffentliche außerplanmäßige Sitzung der Gemeindevertretung zum Ansiedlungsvorhaben der Firma Lidl geplant. Dort wird die Firma Lidl viele Fragen beantworten müssen, um auch die Freien Wähler vom Vorhaben zu überzeugen. Neben der Flächenversiegelung von 102 000 Quadratmetern und den damit zu erwartenden negativen Folgen für Trink- und Oberflächenwasser interessiert uns auch das Thema Lärmschutz durch zusätzlichen Lkw-Verkehr inklusive nicht mehr möglicher Ortsumgehung für Grifte sowie die geplante Nutzung des Bestandsgebäudes. Auch interessieren uns Zahlen, Daten, Fakten zu den erwarteten steuerlichen Auswirkungen und die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und deren Wertigkeit für die Region.

Das sagen die Grünen: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sieht den Neubau der Firma Lidl kritisch. Schon als im Regionalplan Nordhessen ein Teil der jetzigen Fläche als Gewerbezuwachsfläche ausgewiesen wurde, haben wir Grüne dagegen protestiert. Die Gründe waren steigende Flächenversiegelung und Verlust hochwertiger Böden speziell an diesem Standort. Ferner wird durch die Bebauung von 18 Hektar massiv ins Landschaftsbild eingegriffen. Kurzfristigen, wohl relativ geringen Steuereinnahmen, stehen eine massive Steigerung des Verkehrsaufkommens und eine geringe Anzahl von Arbeitsplätzen entgegen. Dass der alte Lidl-Standort aufgegeben wird und durch einen neuen, größeren ersetzt wird, zeigt die Kurzfristigkeit dieser Investitionen. Was ist in 15 Jahren? Wir warnen dringen davor, sich einseitig auf die Ansiedelung von Logistikunternehmen zu konzentrieren. 

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