Corona: Ramadan endet still

Beendeten den Fastenmonat im Familienkreis: Mustafa, Tochter Elif und Emine Firan beim Fastenbrechen daheim in Besse. Fotos: Kerstin Diehl

Edermünde – Es ist nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag. Doch als am Samstagabend nach Sonnenuntergang für die Muslime im Schwalm-Eder-Kreis der Ramadan zu Ende ging und das Fest zum Fastenbrechen begann, war nichts wie in den Jahren zuvor. Auch in Besse fiel die große interkulturelle Feier im DGH coronabedingt aus.

„Wir sind in diesem Jahr sehr verunsichert“, sagt Mustafa Firan, Vorsitzender des Forums für interkulturellen Dialog in Besse (FID). Eigentlich hatte er schon lange vor Corona das Besser Gemeinschaftshaus wie jedes Jahr für das Zuckerfest genannte Ende des Ramadan gemietet. Eine Theatergruppe sollte auftreten und mit der evangelischen, katholischen und jüdischen Gemeinde, Flüchtlingsfamilien und dem deutsch-türkischen Freundeskreis wollten sie gemeinsam feiern.

„Normalerweise kommen zu dem Fest 120 bis 150 Leute und wir erleben einen interkulturellen Austausch zu einem bestimmten Thema“, schwärmt Emine Firan, die mit vielen anderen Frauen gemeinsam die Speisen fürs Fest vorbereitet. Dann werden herzhafte und süße Köstlichkeiten aufgedeckt, dass sich fast die Tische biegen. Der interkulturelle Austausch – auch er leidet unter dem Corona-Virus. Stattdessen will der FID das Geld, das er für das Fest ausgegeben hätte, der Kasseler Tafel spenden, so Mustafa Firan.

Firans sind eine von rund 60 türkischstämmigen Familien in Besse. „Der Ramadan ist eine besondere Zeit, die man mit Freunden und mit der Familie teilt“, sagt Emine Firan. Doch die vergangenen Wochen erlebten sie sie ungewohnt still. Kein gemeinsames Kochen, kein gemeinsames Mahl, kein Moscheebesuch. „Das tut wirklich weh“, sagt die 54-Jährige. Normalerweise sei das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang während des Ramadan jeden Abend ein Fest. „Wir essen dann nur ganz selten allein“, sagt Emine Firan. Anders in diesem Jahr. Nur ihr Sohn und ihre Schwiegertochter waren seit Ausbruch der Corona-Krise zu Gast, mit Abstand traf man sich im Garten.

„Die Angst vor dem Virus ist groß“, sagt Mustafa Firan, der aufgrund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe gehört. Daher war der 56-Jährige bislang auch von seiner Arbeit bei VW befreit. Ohne den Schichtdienst fiel ihm das Fasten leichter als sonst.

Auch für Tochter Elif (17) war es angenehm, während des Fastens nicht zur Schule gehen zu müssen. Doch das Treffen mit Freunden hat sie auch gerade während des Ramadan sehr vermisst.

Andrea Gertenbach ist seit vielen Jahren mehr als eine gute Nachbarin der Firans in Besse. „Das Fastenbrechen ist normalerweise ein fröhliches, geselliges Fest“, so die 40-Jährige, die auch dem deutsch-türkischen Freundeskreis angehört. „Das fehlt mir. In diesem Jahr war der ganze Ramadan ungewohnt still.“ Dies kann Mustafa Firan nur bestätigen: „Ein kleiner Virus mit großer Wirkung hat unser ganzes gewöhnliches Leben verändert.“  

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