Wolken zeigen Thermik an

Fliegerlager in Edermünde: Jedes Mal ein kontrollierter Absturz

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Fluglehrer Alfred Grundmann genießt die Aussicht, die er vom Segelflugzeug aus hat.

Der Flugplatz in Grifte wird ein Mal im Jahr zum Fliegerlager. Dann drehen Luftfahrtbegeisterte mehrere hundert Meter über dem Ratio und dem VW-Werk ihre Runden. 

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, singt Reinhard Mey schon seit den 70er-Jahren. Beim Segelfliegen bleiben die Piloten jedoch meist unter den Wolken, aus einem guten Grund. Sie zeigen an, wo die beste Thermik zu finden ist, die das Flugzeug in der Luft hält.

„Alleine kommt man nicht in die Luft“, sagt Klaus Ewald vom Niederhessischen Verein für Luftfahrt über das Segelfliegen. Der Verein teilt sich den Flugplatz in Grifte mit dem Nordhessischen Gleitschirm-Club. In den vergangenen Wochen waren viele Segelflugzeuge und Gleitschirmflieger im Himmel über Edermünde zu sehen. Jährlich kommen die Mitglieder zu ihren jeweiligen Fliegerlagern zusammen.

Unterschiedlich warme Luftmassen halten das Flugzeug in der Luft, erklärt Ewald. Diese sogenannte Thermik ist für das menschliche Auge unsichtbar. Und doch müssen die Piloten die Aufwinde finden, wenn sie in der Luft bleiben wollen. Die warme Luftmasse steigt trichterförmig als Säule hoch, erklärt Fluglehrer Alfred Grundmann. Kleine Wolken zeigen an, wo die Luftsäulen sind. „Man fliegt sozusagen von Wolke zu Wolke.“

Vor jedem Flug werden Hindernisse studiert 

Bei 1000 Metern Höhe und idealen Bedingungen erreichen die Flieger eine Strecke von bis zu 34 Kilometern, während das Flugzeug langsam nach unten gleitet und die Piloten nach der nächsten Thermik-Tankstelle Ausschau halten müssen. „Im Grunde ist jeder Segelflug ein kontrollierter Absturz“, sagt Ewald. Ein guter Hinweis auf aufsteigende Luftmassen sind Vögel, die ebenfalls die Thermik nutzen. So kann es schon mal zu gemeinsamen Flügen mit Störchen und Bussarden kommen. „Man spürt die aufsteigende Luft aber auch am Hintern“, sagt Ewald und lacht.

Sehen die Welt gern von oben: Die Piloten Alfred Grundmann (links) und Klaus Ewald im Segelflugzeug auf dem Flugplatz in Edermünde-Grifte.

Während des Fliegerlagers ging es für einige Piloten so von Edermünde bis in den Thüringer Wald. Vor jedem Flug studieren sie auf einer Karte, wo Hindernisse wie Windräder auf sie warten und wo es Landemöglichkeiten gibt.

„Manchmal ist man gezwungen, auf abgeernteten Feldern zu landen“, sagt Ewald. Doch im Schnitt befinde sich alle 20 Kilometer ein Flugplatz, eine solche Notlandung komme sehr selten vor. „Das gefährlichste am Fliegen ist der Weg zum Flugplatz“, betont Ewald.

800 Meter langes Seil schleppt Flugzeug an

Um überhaupt in die Luft zu kommen, braucht es ein ganzes Team. Das Flugzeug wird durch ein 800 Meter langes Seil, das an einem Fahrzeug befestigt ist, angeschleppt. Währenddessen hält einer die Tragfläche fest und läuft die ersten Meter mit. In drei Sekunden erreicht das Segelflugzeug eine Geschwindigkeit von 100 km/h, dann geht´s steil.

Der Mageninhalt macht einen kurzen Satz als die Räder über den Flugplatz rumpeln und schließlich den Boden verlassen. „Man kann sogar bis zur Orangerie in Kassel sehen“, ruft Grundmann vom Pilotensitz nach hinten, während das Segelflugzeug über die Edermündung, die Dächer des Ratio und des VW-Werks kreist.

Grundmann fliegt bereits seit seiner Schulzeit („Damals war das meiste noch aus Holz“).

Wer Pilot werden kann, entscheiden zwei Lehrer gemeinsam. „Man hat eine große Verantwortung in der Luft“, sagt Grundmann. Wer gut vorbereitet sei, habe aber keinen Stress.

In Göttingen fand vor wenigen Tagen die laut Veranstalter größte Flugshow Nordhessens statt. 

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