Gespräche am Gartenzaun

Haldorf bietet Fremden eine Heimat

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Ingrid Rittger und ihr Mann haben einen Brunnen im Vorgarten ihres Fachwerkhauses.

Rund 1500 Einwohner hat Haldorf inzwischen, 1905 waren es gerade einmal 184. Die meisten von ihnen sind zugezogen. Wir haben einige für unsere Gespräche am Gartenzaun getroffen.

Ein Zugezogener ist Heiko Meckbach: „Es hat gar nicht lange gedauert, dann war ich schon Karnevalsprinz“, sagt er. Seit 2001 lebt der 50-Jährige mit seiner Familie in Haldorf.

Meckbach hat ein ungewöhnliches Hobby: Historisches Fechten. Die Kampfsportart mit Rapier, Langem Schwert und Dolch beruht auf historischen Fechtbüchern aus dem Spätmittelalter und der Renaissance.

Mit einem Rapier, einer Waffe aus dem 17. Jahrhundert, kann Heiko Meckbach umgehen.

Doch Meckbach greift nicht nur zu historischen Waffen, sondern auch zum Metalldetektor. Mit ihm sucht er in den Böden von Edermünde und Gudensberg nach römischen Münzen, keltischen Werkzeugen und mittelalterlichen Gewandnadeln – sogenannte Fibeln.

Ländlich, aber gut zu erreichen

Haldorf liegt zwar ländlich, ist aber nicht aus der Welt, denn gleich drei Autobahnen sind schnell erreicht. Die zweistündigen Busverbindungen sind nach Meinung von Ingrid Rittger jedoch noch ausbaufähig.

Wie Meckbach, so hat auch die 65-Jährige eine Vorliebe für Historisches. Deshalb zog sie 1987 mit ihrem Mann in ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1754. Außen befreiten sie es von Eternit--Schindeln, im Inneren legten sie Balken frei. „Den Charme eines alten Hauses macht aus, dass schon so viele Menschen darin gelebt haben“, sagt Rittger.

Ingrid Rittger und ihr Mann haben einen Brunnen im Vorgarten ihres Fachwerkhauses.

Christel und Hans-Joachim Kujoth wohnen seit 1975 in Haldorf. Beide stammen aus Kassel, sagen aber: „Aufs Land hat es uns immer gezogen.“ Um Anschluss zu finden, haben sie sich in den örtlichen Vereinen engagiert. Diese bereichern mit ihren Veranstaltungen bis heute das Dorfleben.

Christel Kujoth, die 28 Jahre als Pfarrsekretärin arbeitete, schloss sich den Landfrauen an. Seit 2003 ist die 77-Jährige die Vorsitzende des Vereins.

Ort mit großer Anziehungskraft

Ihr Mann ist seit 1977 Mitglied der Siedlergemeinschaft Haldorf. Seit über 30 Jahren hat Hans-Joachim Kujoth den Vorsitz inne, den er im November abgeben will. Doch es sei, wie in vielen Fällen, nicht leicht einen Nachfolger zu finden.

Die Brombeeren sind fast reif: Wie ihr Mann, so verbringt auch Christel Kujoth viel Zeit im heimischen Garten, in dem es nicht nur Blumen gibt.

Seit der 77-Jährige und seine Frau in Rente sind, haben sie viel Zeit, sich ihrem Garten zu widmen. „Mein Beruf war immer auch mein Hobby“ sagt der Gärtnermeister. Und das ist nicht zu übersehen.

Der Ortsteil übt eine große Anziehungskraft auf seine Bewohner aus. Astrid Gerlach stammt aus Haldorf. Doch obwohl sie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr dort lebt, ist sie immer noch aktives Mitglied in der örtlichen Laienschauspielgruppe und besucht regelmäßig ihre Verwandten.

Edeka ist Treffpunkt zum Austausch

Ihr Bruder Werner Umbach betreibt in dritter Generation den örtlichen Edeka-Markt. „Wir tun alles, damit er erhalten bleibt“, sagt Adolf Paul, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins. Als junger Mann zog er 1964 von Oberaula nach Haldorf. Wie viele andere Einwohner, schätzt er es, vor Ort einkaufen zu gehen – heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ruhig ist es im Dorf, in dem der Supermarkt der zentrale Umschlagplatz für Nachrichten ist, nur der Lastwagen-Verkehr stört einige. Wegen seiner Nähe zu Kassel und Baunatal sei Haldorf ideal für „junge, dynamische und mobile Menschen“.

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