Bei ihr treffen sich Freunde

Hilde Kropf führt seit 20 Jahren Gaststätte in Besse

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Will noch lange an der Zapfanlage stehen: Hilde Kropf (vorne) mit Fabian Kropf, Nela und Paula Schramm hinter ihrer Theke in der Gaststätte.

Es ist schon etwas her, seitdem sich der kleine, silberfarbene Schlüssel im Türschloss der Vereins- und Sportgaststätte des TSV Besse gedreht hat. Hilde Kropf, Inhaberin der Gaststätte, hatte frei. Wie jedes Jahr über Weihnachten und Neujahr.

Doch die Zeit der Feiertage ist nun vorbei. Die Weihnachtsdeko muss verstaut, Fenster geputzt und das eine oder andere Glas poliert werden. Es ist wie jedes Jahr.

Kropf steckt den kleinen Schlüssel ins Türschloss, dreht um und sie durchströmt ein Gefühl, das sie immer erlebt, wenn sie länger nicht in der Gaststätte war: Der Schankraum ist zu ihrer Heimat geworden. Das Aufschließen fühlt sich an, wie nach Hause kommen.

Seit 20 Jahren ist sie Inhaberin der Vereins- und Sportgaststätte, seit 20 Jahren schließt sie nahezu täglich die Tür auf, seit 20 Jahren bedient sie Gäste, Sportler, Freunde, Bekannte und Familie in dem Haus neben dem Sportplatz des TSV Besse. „Hier trifft man Freunde“, ist das Motto, dem sich die Gastronomin verschrieben hat. 

Wer den Raum betritt und den Blick über Pokale, Wimpel und Mannschaftsfotos schweifen lässt, kann das gut nachvollziehen.

Schon immer ihr Platz

Am Ende des Raumes zieht sich eine massive, hölzerne Theke die Wand entlang. Dahinter die Zapfanlage und ein Waschbecken: Das ist Hildes Platz – eigentlich schon immer.

Denn Hilde Kropf ist in der Gastronomie aufgewachsen. Ihre Eltern, eher landwirtschaftlich verwurzelt, betrieben gegen Abend eine kleine Gaststätte. Selbstverständlich half Hilde mit.

Wenn die Eltern aufs Feld gingen, war es ihre Aufgabe die Gaststätte vorzubereiten. Sie füllte Schnaps von Flaschen in Gläser, stellte Tische und Stühle zurecht und gab ihr Bestes, um den Gästen ein großes Gefühl des Willkommens zu geben. Genau das versucht sie heute auch.

Alles, was anfällt, erledigt sie selbst. Einkaufen, Putzen, Getränkekisten schleppen, Tische eindecken, das Lager befüllen und kleine Häppchen vorbereiten. Was sie macht, macht sie mit Liebe. Das ist zu spüren, wenn man sich auf die Holzstühle setzt und ihr zuschaut, wie sie durch den Schankraum geht, um ihren Gästen Getränkewünsche zu erfüllen.

Alle packen mit an

Hilfe bekommt sie dabei von ihrer Familie. Ehemann, Kinder, Schwiegertöchter, Enkelkinder, sie alle packen mit an. „Ich habe nur nette Gäste. Das hier, das ist Vereinsleben“, erklärt sie glücklich. „Hier wird mit angepackt. Gemeinschaft wird bei uns großgeschrieben.“

Je mehr Hilde Kropf anfängt von ihrem Lokal zu erzählen, desto mehr Geschichten fallen ihr ein. Als die Zapfanlage nicht mehr richtig funktionierte und hilfsbereite Gäste halfen, sie wieder in Gang zu setzten. Oder als ihre Goldene Hochzeit anstand. Eigentlich wollten sie und ihr Mann gar nicht groß feiern, lieber mit der Familie wegfahren. Doch sie mussten die die Reise um einen Tag verschieben. 

Denn plötzlich standen die Leute in und vor der Gaststätte, um zusammen mit ihr und ihrem Ehemann zu feiern.

"Das Bier war noch nie alle"

Und so ungeplant manchmal eine große Zahl an Gästen in der Gaststätte steht, so felsenfest sicher ist sie sich einer Sache: „Das Bier war noch nie alle“, erzählt sie lachend. Immer wieder, wenn sie im Edeka einkaufen geht, trifft sie Menschen aus dem Ort und unterhält sich mit ihnen. 

Ab und zu wird sie, die ihr Alter nicht verraten will, gefragt: „Hilde, wie lange willst du das noch machen?“ Ohne darüber nachzudenken antwortet sie: „So lange, wie ich Lust dazu habe und es mir Spaß macht.“

Je länger man sich mit ihr unterhält und zuschaut, wie sie Gäste bedient, desto klarer wird: Das mit dem Aufhören wird wohl noch ein Weilchen dauern.

Hilde liebt ihre Arbeit, das ist spürbar. So wird sich ihr kleiner, silberfarbener Schlüssel wohl noch sehr lange im Türschloss drehen, und sie den Schankraum, ihre Heimat, betreten.

Von Philipp Lorenz

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