Kristische Fragen, kontroverse Antworten

HNA-Lesertreff in Edermünde: Petrich und Wassmuth nur in einem Punkt einig 

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Beim HNA-Lesertreff stellten sich die Kandidaten kritischen Fragen: von links HNA-Redaktionsleiterin Maja Yüce, die Kandidaten Stephan Wassmuth und Thomas Petrich sowie HNA-Redakteurin Claudia Brandau.

Edermünde wählt am Sonntag, 15. März, seinen Bürgermeister: Thomas Petrich oder Stephan Wassmuth. Sie stellten sich beim HNA-Lesertreff den Fragen der Redakteurinnen Maja Yüce und Claudia Brandau.

Professionell, aber kühl war das Aufeinandertreffen der Kontrahenten in der Besser Bilsteinhalle am Dienstagabend beim HNA-Lesertreff. Denn eine besondere Situation ist der Wahlkampf in der Chattengau-Gemeinde allemal: Der amtierende Bürgermeister tritt gegen den Ordnungsamtsleiter an.

Gespannt waren die Redakteurinnen Maja Yüce und Claudia Brandau darauf, warum Stephan Wassmuth Bürgermeister werden will – eine Antwort auf diese Frage war der 52-Jährige bisher schuldig geblieben. „Ich bin ein netter Kerl, ich weiß, wie die Struktur eines Rathauses aussieht“, sagte der Lohfeldener. Amtsinhaber Thomas Petrich hingegen sieht viele Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen. „Wir müssen gemeinsam Dinge entwickeln.“ Darüber hinaus interessierten sich die Redakteurinnen und Zuhörer für Themen wie Verkehr, Klimawandel und Arbeit.

Arbeitsplätze

Das Thema Arbeitsplätze beschäftigt viele Edermünder. Auch wenn etwa 500 Arbeitsplätze im neuen Lidl-Verteilzentrum in Holzhausen entstehen könnten, bereitet der geplante Bau Sorgen. Laut Petrich gibt es jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass es nun nur noch einen großen Anbieter in der Gemeinde geben wird. „Wir haben eine sehr gesunde Struktur in Edermünde. Es gibt keine Abhängigkeit von einem großen Unternehmen – wie es beispielsweise in Baunatal der Fall ist.“ Wassmuth betonte, er lege großen Wert auf regionale Vermarktung. Diese könne für qualifizierte Arbeitsplätze sorgen. Diese Chance sehe er bei Lidl nicht.

Gerade um junge Leute für die Gemeinde zu gewinnen, seien attraktive Arbeitsplätze das A und O. Konkrete Lösungsvorschläge seinerseits blieben aus. Auch Petrich sei sich den Anforderungen des demografischen Wandels bewusst. Er wolle kleine Wohnungen schaffen und Freizeiteinrichtungen weiterentwickeln.

Rathaus

Die Verwaltung stellt für Wassmuth einen innovativen Dienstleistungsbetrieb dar. Die Verwaltungsführung decke sich nicht mit seiner Auffassung, sagte Wassmuth im HNA-Interview. Dabei sei er doch Teil des Systems, warf Maja Yüce ein. „Deshalb kandidiere ich“, antwortete er. Seiner Meinung nach gebe es zu viele Teilzeitstellen im Rathaus, das sei nicht effektiv. Die Arbeit müsse optimiert und fortschrittlicher gedacht werden.

Petrich wollte sich in der Öffentlichkeit nicht über Personal äußern. Dafür erhielt er lauten Applaus aus dem Publikum. Nur so viel sagte er zum Thema: Die 18,7 Planstellen seien mit 23 Mitarbeitern besetzt, neun von ihnen arbeiteten Vollzeit. Viele Teilzeitstellen kämen auf Wunsch der Mitarbeiter zustande. „Das möchte ich ihnen auch ermöglichen“, so Petrich.

Die meisten Zuhörer haben sich schon für einen Kandidaten entschieden: Zum Abschluss des Lesertreffs fragten die HNA-Redakteurinnen in die Runde, wer schon wisse, wen er wählt.

Gemeinde

Die Kindergarten-Neubauten für etwa elf Millionen Euro in Grifte und Besse bezeichnet Wassmuth als „Wahnsinn“. Ob ihm das Kinder nicht wert seien, fragte Maja Yüce. Die Standorte seien nicht gut, die Finanzierung sei nicht geklärt, so der Ordnungsamtsleiter. „Der Neubau war ein langes Verfahren“, erwiderte Petrich. Die Grundstückssuche sei auf großen Widerstand gestoßen. Mit diesen Konflikten habe man umgehen müssen.

Leerstände in den Ortsteilen seien hingegen kein Problem, so Petrich. Dennoch glaubt er, dass Leerstand künftig ein Thema wird. „Wir müssen das Augenmerk auf die Ortskerne legen.“ Sie müssten lebenswert bleiben. Dem stimmte Wassmuth zu. „Schade ist, dass alte Menschen aus den Ortskernen raus müssen. Da müssen wir gegensteuern“, findet er.

Wassmuth glaubt, dass Haldorf und Grifte zusammenwachsen, die Grundlagen dafür seien gelegt, schreibt er auf seiner Internetseite. Damit wurde er konfrontiert: „Ob das sinnvoll ist, lasse ich offen“, sagte er. Petrich hingegen sieht ein solches Zusammenwachsen nicht. „Ich möchte die vier stolzen Dörfer in ihrer Eigenheit beibehalten.“

Klimawandel

Klimawandel und Naturschutz sind Themen, die derzeit viele Menschen beschäftigen. So wollte ein Zuhörer wissen, ob es noch mehr Logistikhallen in Edermünde geben solle. Die Sorgen um den Klimawandel seien groß, stimmte Petrich zu. Edermünde habe bereits einiges geleistet – dazu zählte der Bürgermeister Bioenergie, Solarflächen und Renaturierungen. „Für die Zukunft wird es aber schwierig“, so Petrich. Die Gemeinde müsse sich Projekte sehr genau anschauen und Anfragen prüfen. „Ich mache nicht von vornherein die Tür zu.“

Für Stephan Wassmuth ist das der falsche Weg. „Klimaschutz ist ein gesellschaftliches Thema.“ Man könne Flächen nicht wie bisher weiter versiegeln. Darüber hinaus dürfte nicht nur das Parlament in Überlegungen einbezogen werden. „Man muss auch die Bürger befragen“, so Wassmuth.

Verkehr

Auch die Verkehrssituation beschäftigt viele Einwohner. Lärm auf den Straßen auf der einen Seite, ein möglicher Ausbau des ÖPNV-Netzes auf der anderen. Wassmuth war der Meinung: „Wir müssen uns beim Thema Anbindungen auch nach Kassel orientieren.“ Besser von A nach B zu kommen, sei eines seiner zentralen Ziele. Ob dabei womöglich auch eine Straßenbahn eine gute Alternative sei, müsse man prüfen.

Keine konkreten Lösungen nannten die Kandidaten bezüglich der Verkehrssituation in Grifte. Die Anregung aus dem Publikum, Halteverbote in der Ortsdurchfahrt einzurichten, schätzten beide als rechtlich nicht umsetzbar und nicht zielführend ein. Petrich riss an: „Es gibt schon viele Ideen, den Ort ruhiger zu gestalten.“ Im Speckgürtel von Kassel zu leben, bringe aber auch negative Folgen mit sich. Umgehungsstraßen seien hierbei nicht immer des Rätsels Lösung.

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