Viele Mitarbeiter sind zögerlich

Wie steht es um die Impfbereitschaft in Pflegeheimen im Landkreis?

Die ersten Bewohner und Pflegekräfte im Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer sind bereits geimpft. Weitere sollen demnächst folgen.
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Die ersten Bewohner und Pflegekräfte im Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer sind bereits geimpft. Weitere sollen demnächst folgen.

Pflegekräfte in den Alten- und Seniorenheimen im Schwalm-Eder-Kreis können sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Bereitschaft dazu hält sich offenbar in Grenzen. Ein Stimmungsbild.

Fritzlar-Homberg – Pflegekräfte in den Alten- und Seniorenheimen im Schwalm-Eder-Kreis können sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Wie eine stichprobenartige, nicht repräsentative Abfrage der HNA-Redaktionen im Schwalm-Eder-Kreis ergab, stimmt im Schnitt nur rund die Hälfte der Beschäftigten in Pflegeheimen einer Impfung gegen das Coronavirus zu. Ein Stimmungsbild aus einigen Altenheimen.

Impfbereitschaft: Alten- und Pflegeheim Blumenhain in Borken

Skepsis und Angst vor Nebenwirkungen des noch neuen Impfstoffs sprächen dagegen, sagt Manuela Freidhof, Seniorchefin des Alten- und Pflegeheims Blumenhain in Borken. „Viele unserer Mitarbeiter informieren sich über die sozialen Medien und lassen sich bei ihrer Entscheidung davon lenken“, sagt Freidhof. Dabei finde aber oft keine Überprüfung der Quellen und deren Wahrheitsgehalt statt, kritisiert sie. „Es gibt viele Skeptiker und viele, die erst einmal abwarten möchten.

Unsere Aufklärung hat bei ihnen nicht gefruchtet“, sagt Freidhof. Die Folge sei nun, dass in der Einrichtung zum zweiten Mal das Virus ausgebrochen ist.„Nur diesmal viel schlimmer und aggressiver als im Sommer vergangenen Jahres“, sagt Freidhof. Die Krankheitsverläufe seien oft schwer. Sie spricht sich zugleich für eine Impfpflicht des Pflegepersonals aus: „Wer mit Menschen arbeitet und Verantwortung für ihre Gesundheit übernimmt, für den sollte es eine Verpflichtung geben, sich impfen zu lassen.“ Die Folgen seien einfach zu gravierend.

Impfbereitschaft: Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer

Im Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer stünden einige Pflegekräfte einer Corona-Impfung skeptisch gegenüber. „Die Erfahrungswerte fehlen einfach und das beunruhigt. Insbesondere die jüngeren Pflegerinnen äußern Sorgen“, berichtet Leiter Walter Berle. 205 Bewohner und Pfleger seien geimpft worden. Von den 170 Mitarbeitern haben bislang 50 Pfleger eine Corona-Impfung bekommen. Weitere 20 hätten sich nun für eine Impfung entschieden und könnten eventuelle am 21. Januar die erste Impfung erhalten, wenn die bereits Geimpften die zweite Impfung bekommen.

„Mein Ziel ist es, dass mindestens 50 Prozent der Belegschaft geimpft sind – denn neben Besuchern sind sie es, die das Virus in eine Einrichtung tragen“, so Berle. Dafür würden Gespräche mit Ärzten geführt. 38 Bewohner des Zentrums und 39 Mitarbeitende sind seit Ausbruch der Pandemie an Corona erkrankt. 18 Bewohner starben. Die genesenen Bewohner hätten sich überwiegend gegen eine Impfung entschieden, da davon auszugehen sei, dass ihr Körper bereits Antikörper gegen das Virus besitzt.

Impfbereitschaft: St. Elisabeth Seniorenstift in Fritzlar

Das St. Elisabeth Seniorenstift in Fritzlar ist bislang glimpflich durch die Coronakrise gekommen. „Wir haben glücklicherweise noch keine Todesfälle durch die Pandemie zu verzeichnen“, sagt Geschäftsführerin Barbara Robert. Dennoch halte sie die Impfung von Bewohnern und Mitarbeitern für die einzige Lösung, um wieder in Richtung Normalität zu gelangen. Insgesamt hätten sich 195 Personen im Fritzlarer Seniorenstift impfen lassen. Von den Bewohnern seien es 85 Prozent, von den Mitarbeitern 61 Prozent. „Einige im Team sind noch etwas unentschlossen“, so Robert. 

Impfbereitschaft: Hephata-Einrichtungen im Schwalm-Eder-Kreis

Überlegungen bezüglich einer Impfplicht für Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen hält Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt für verfrüht. „Aus heutiger Sicht können wir nicht von einer mangelnden Impfbereitschaft sprechen – denn leider verhindert der Mangel an Impfstoff es bislang, dass überhaupt alle impfbereiten Mitarbeitenden eine Immunisierung erfahren können.“ Eine möglichst hohe Impfquote bei Klienten und Mitarbeitenden sei das Ziel. Im Seniorenzentrum Edermünde-Besse ist bereits ein Bewohner geimpft worden. Auch sechs Mitarbeitende erhielten die erste Impfdosis.

26 Bewohner und 29 Mitarbeitende waren dort an Covid-19 erkrankt, was ein Ausschlusskriterium für die Impfung sei. Im Seniorenzentrum Breslauer Straße in Treysa sind 31 Bewohner und 17 Mitarbeitende geimpft. Bald sollen weitere Bewohner und Mitarbeitende im Seniorenzentrum Wagnergasse in Treysa und im Diakoniezentrum in Frielendorf geimpft werden. Auch die rund 30 Klienten der Hephata-Behindertenhilfe, die über 80 Jahre alt sind und im Wohnangebot „Alter Gutshof“ in Treysa leben, sollen bald die erste Impfung bekommen.

Impfbereitschaft: Stationäre DRK-Einrichtungen im Landkreis

Von rund 200 Mitarbeitern in den stationären Einrichtungen des DRK Schwalm-Eder seien bislang 27 geimpft worden, teilte DRK Kreisgeschäftsführer Manfred Lau mit. Die erste Impfung sei „zwischen den Jahren“, also ganz zu Beginn der Impfkampagne gewesen, sagte Manfred Lau und fügt an, dass die Impfbereitschaft damals nicht so hoch gewesen sei: „Aus meiner Sicht ist die Impfbereitschaft seitdem gestiegen. Zur Impfung in den beiden anderen Einrichtungen haben sich 80 Mitarbeiter angemeldet.“ Wo konkret geimpft wurde beziehungsweise wird, teilte das DRK nicht mit.

Auch bei den Mitarbeitern in den Rotkreuz-Einrichtungen gibt es Impfverweigerer. Man versuche Menschen, die einer Impfung ablehnend gegenüberstehen, argumentativ von der Notwendigkeit zu überzeugen, so Lau: „Es gibt kein Impfziel, weil die Impfungen freiwillig sind. Ich persönlich gehe bis Ende Februar von circa 65 Prozent der Mitarbeitenden aus.“

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