Edermünde

Pläne für neues Lidl-Logistikzentrum: Es sind noch viele Fragen offen

Auf der im Hintergrund zu sehenden Fläche am sogenannten Lidl-Kreisel bei Hertingshausen soll auf 180 000 Quadratmetern die neue Logistikhalle von Lidl mit einer Grundfläche von 45 000 Quadratmetern entstehen.
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Auf der im Hintergrund zu sehenden Fläche am sogenannten Lidl-Kreisel bei Hertingshausen soll auf 180 000 Quadratmetern die neue Logistikhalle von Lidl mit einer Grundfläche von 45 000 Quadratmetern entstehen.

Die Edermünder Gemeindevertreter müssen über den Standort für die geplante Lidl-Logistikhalle entscheiden. Wir haben die Fraktionen gefragt, wie sie zum Vorhaben stehen.

Edermünde ‒ „Alle Fragen wurden gestellt, aber sie wurden nicht immer hinreichend beantwortet“, sagt Edermündes Bürgermeister Thomas Petrich über die nichtöffentliche Informationsveranstaltung von Lidl in der Bilsteinhalle in Besse. Beispielsweise sei noch unklar, was mit dem bestehenden Lager geschehen soll, das sich gegenüber der für die neue Halle ins Auge gefassten Fläche am Kreisel zwischen Grifte und Hertingshausen befindet. Lidl möchte das Gebäude laut Petrich behalten. Die Nutzung sei aber noch unklar. Für die Gemeinde ist die Klärung dieser Frage wichtig, da sich die Verkehrszahlen ändern könnten.

Die Fraktionen der Grünen und der Freien Wählergemeinschaft stellten stellvertretend Fragen für die Mitglieder der vor wenigen Wochen gegründeten Bürgerinitiative (wir berichteten), die sich gegen das Bauvorhaben von Lidl ausspricht. Auch vertrauliche Themen wie beispielsweise der Umfang von Gewerbesteuerzahlungen wurden angesprochen. Seit 2004 betreibt Lidl in Edermünde ein Großhandelslager, aus dem die Filialen im Umkreis mit Nachschub beliefert werden. Aufgrund gewachsener Sortimente ist das Lager zu klein geworden und Lidl möchte an anderer Stelle einen Neubau errichten.

Lidl möchte großes Logistikzentrum in Edermünde bauen: Gemeinde noch ohne Baurecht

Die für den Neubau angestrebte Fläche sei im Regionalplan als Vorrangfläche für Industrie- und Gewerbe vorgesehen. Allerdings besitze die Gemeinde dort noch kein Baurecht. Dies müssten die Gemeindevertreter erst erteilen. Auf der Seite des Kreisels, auf der bereits eine Lidl-Halle steht, sieht es anders aus. Doch auf den Gebieten Lange Heideteile I und II fürchtet das Unternehmen laut Petrich bauliche Probleme. Der dortige Gefälle-Höhenunterschied von 25 Metern sei für Lidl nicht zu bewältigen.

Die Gemeindevertreter müssten nun entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen sie sich einen Hallenbau an dem vorgesehenen Standort vorstellen können. Hierbei müsse zwischen Flächenverbrauch, Bodenversiegelung, Verkehrsbelastung und Gewerbesteuereinnahmen abgewogen werden. Bürgermeister Thomas Petrich erwartet aufgrund der großen Bedeutung des Vorhabens für Edermünde einen schwierigen Abwägungsprozess in den Fraktionen.

Wir haben die Edermünder Fraktionen nach ihrer Meinung gefragt: Was spricht aus Ihrer Sicht für oder gegen die neue Halle? Unter welchen Bedingungen sind Sie dagegen oder dafür? Inwiefern hat sich Ihre Position zu den Hallen-Plänen nach der Präsentation verändert? Hierbei waren die Vorgaben für alle Fraktionen gleich. Während FWG und Grüne auf die einzelnen Fragen eingingen, hat die CDU indirekt auf die Fragestellungen geantwortet. Die SPD hat lediglich ein kurzes Statement abgegeben.

Am Kreisel, gegenüber dem Lidl-Discounter in Edermünde, soll die neue Halle entstehen.

Geplantes Lidl-Logistikzentrum: Edermünder Bürgermeister wünscht sich Transparenz

Petrich wünscht sich für die Entscheidungsfindung ein offenes und transparentes Verfahren, bei dem auch die Bürger stärker miteinbezogen werden können. Die Corona-Pandemie verhindere dies jedoch. Die Verwaltung prüfe nun, ob ersatzweise eine Veranstaltung online organisiert werden kann. Auch mit der Stadt Baunatal steht Petrich bezüglich der Lidl-Pläne in Verbindung.

Im benachbarten Hertingshausen kritisiert der SPD-Ortverein die Lidl-Pläne, da er mehr Lärm befürchtet. Die Fläche, auf der die geplante Lidl-Halle entstehen soll, befindet sich auf Edermünder Gebiet, aber, so die SPD „kein Edermünder Ortsteil liegt näher am Baugelände als der Baunataler Ortsteil Hertingshausen“.

Von Lidl lag auf HNA-Anfrage bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Plänen vor. Das Unternehmen sagte aber zu, noch auf die Anfrage zu antworten.

Geplanter Hallenneubau von Lidl in Edermünde: Das sagt die SPD

Im Gegensatz zu den anderen Fraktionen ging die Edermünder SPD nicht auf die Fragen der HNA ein, sondern entschied sich, nur eine kurze Stellungnahme im Nachgang an die Informationsveranstaltung von Lidl abzugeben:

„Wir werten nun die erhaltenen Informationen aus und werden die Vor- und Nachteile einer solchen Gewerbeansiedlung sorgfältig abwägen. Dabei gibt es noch offene Fragen – wie zum Beispiel die Nutzung der alten Halle, die Verkehrssituation, Steuereinnahmen für die Gemeinde – die noch zu klären sind. Bei einem solch komplexen Vorhaben müssen alle Fakten vorliegen. Erst dann wird die SPD-Fraktion ihr Votum abgeben.“

Geplanter Hallenneubau von Lidl in Edermünde: Das sagt die FWG

Was spricht aus Ihrer Sicht für beziehungsweise gegen die neue Logistikhalle?

Unstrittig ist, dass man eine Fläche immer nur einmal verbauen kann. Die Frage ist nun, ob man sich für das schnelle Geld entscheidet und den vollmundigen Versprechen eines Logistik Investors Glauben schenkt, oder ob man sich für einen nachhaltigen Weg entscheidet, der den Belangen der Landwirtschaft genauso Rechnung trägt wie dem Erhalt der Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger.

Hier sind intelligente wie nachhaltige Lösungsansätze gefragt. In der Bevölkerung scheint es viele kritische Stimmen zu geben, wie die vor der Bilsteinhalle Anwesenden eindrucksvoll gezeigt haben.

Unter welchen Bedingungen wäre die FWG dafür?

Die Freie Wählergemeinschaft Edermünde ist nicht pauschal gegen Flächenversiegelung, aber das Verhältnis Eingriff in die Natur und Vorteile für Landwirtschaft und Bürgerinnen und Bürger muss stimmen.

Wir werden Pro und Contra sorgfältig abwägen. Kritisch sehen wir das fehlende Verkehrskonzept für die Anlieferer ,weil eine weitere Belastung unserer Dörfer mit Schwerlastverkehr unzumutbar ist.

Hat sich Ihre Position nach der Infoveranstaltung von Lidl verändert?

Die bekannte Vorplanung zu dem Logistikzentrum und die vorgestellte Planung sind identisch. Daher hat sich unsere konstruktive, kritische Position auch nicht verändert.

Geplanter Hallenneubau von Lidl in Edermünde: Das sagen die Grünen

Was spricht aus Ihrer Sicht für beziehungsweise gegen die neue Halle?

Dagegen spricht der Verlust von 180 000 Quadratmetern fruchtbaren Ackerlandes und die Versiegelung von 100 000 Quadratmetern Fläche – das hat Auswirkungen auf das lokale Klima.

Außerdem spricht auch das erhöhte Verkehrsaufkommen nicht nur durch Grifte dagegen, sondern auch auf der A 49 durch Holzhausen. Es ist ein massiver Eingriff in das Landschaftsbild. Auch geschieht eine Entwertung von Wohnimmobilien in unmittelbarer Umgebung. Und: es gibt keine Erweiterungsmöglichkeit für den Hagebaumarkt und Grünwald.

Unter welchen Bedingungen wären die Grünen dafür?

Wir wollen keinen Schwerpunkt Logistik in Edermünde. Die Edermünder Flächen entlang der A 49 sind die Sahnestückchen für gewerbliche Entwicklung südlich von Kassel. Wir sollten sorgfältig abwägen: Für Nachhaltigkeit, dauerhafte Arbeitsplätze, Einbindung in Natur und Landschaft. Lieber hat man mehrere kleinere Gewerbesteuerzahler als abhängig von wenigen Großen zu sein.

Wir brauchen ein Konzept (Landschaftsplan für Edermünde) für die Entwicklung entlang der A 49, auch um den Eingriff in die Natur ausgleichen zu können. Lidl erfüllt dies nicht.

Hat sich Ihre Position nach der Infoveranstaltung von Lidl verändert?

Unsere Befürchtungen wurden bestätigt. Die Halle lässt sich Richtung Grifte erweitern und wird um die 30 Meter auf dieser Seite aus der Erde ragen.

Geplanter Hallenneubau von Lidl in Edermünde: Das sagt die CDU

Was spricht aus Ihrer Sicht für beziehungsweise gegen die neue Logistikhalle?

Für die Umsetzung spricht die Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen. Dem gegenüber stehen die Bedenken der Landwirtschaft – insbesondere die Größe der Flächenversiegelung.

Unter welchen Bedingungen wäre die CDU dafür?

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Lidl in der Lage ist, das Projekt umzusetzen. Das Unternehmen plant ein Bauwerk nach modernstem Standard, insbesondere energieeffizient, und hat auch landschaftliche Gesichtspunkte aufgegriffen.

Hat sich Ihre Position nach der Infoveranstaltung von Lidl verändert?

Wir treten jetzt in die offene Diskussion mit den Bürgern und den Landwirten ein. Letztendlich wird sich jeder unserer Abgeordneten entscheiden. (Von Christina Zapf)

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