Mann laut Gericht schuldunfähig

„Spielball seiner Erkrankung“: Falschfahrer bleibt in Psychiatrie - Tödlicher Unfall auf A49

Justizia hält eine Waage
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Gericht hält Angeklagten für schuldunfähig: Der 26-Jährige, der auf der A 49 den Tod eines Menschen verschuldete, bleibt in psychiatrischer Einrichtung.

Bei dem Unfall starb vergangenes Jahr ein junger Mann. Der Falschfahrer selbst gilt als schuldunfähig. Seine Diagnose: Schizophrenie.

Edermünde/Kassel - Der 26 Jahre alte Falschfahrer, der im vergangenen Oktober eine tödliche Kollision auf der A 49 bei Edermünde verursacht hat, bleibt weiter zur Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Dort soll er bleiben, bis seine Krankheit, eine paranoide Schizophrenie, erfolgreich therapiert wurde. Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts fällte am Freitag das Urteil in dem Verfahren, in dem der Angeklagte sich wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten musste. „Der Beschuldigte kann für seine Tat nicht bestraft werden“, betonte der Vorsitzende Richter Volker Mütze in der Urteilsbegründung. Er habe sich zum Zeitpunkt der Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit befunden – das habe die Beweisaufnahme eindeutig ergeben.

„Beim Angeklagten lag an dem Tag eine akute Psychose vor, mit gesteigertem Verfolgungswahn und Ängsten“, fasste Mütze zusammen. Er habe in seiner eigenen Welt gehandelt, die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten sei während der Tat aufgehoben gewesen. Allerdings sei es erforderlich, die Allgemeinheit vor möglichen weiteren Taten des Angeklagten zu schützen. Deshalb werde seine Unterbringung in der forensischen Psychiatrie verfügt.

Staatsanwalt: Glück, dass es nicht noch mehr Opfer gab

Der Staatsanwalt erkannte in seinem Plädoyer Hinweise auf Mord und Mordversuch im Handeln des 26-Jährigen, etwa Heimtücke und den Einsatz gefährlicher Mittel (des Autos), sowie die Arglosigkeit der Opfer, die gegen den Unfall nichts machen konnten. „Der Zusammenstoß wurde bewusst herbeigeführt“, betonte er. Es sei reines Glück gewesen, dass es nicht noch mehr Opfer gegeben habe. Allerdings gebe es keine Zweifel an der Schuldunfähigkeit des Mannes.

Er hoffe, dass der Angeklagte in der Klinik viel Zeit haben werde sich zu überlegen, was er getan habe, sagte Anwalt Ullrich Goetjes für die Nebenklägerin, deren Freund bei dem Zusammenstoß ums Leben gekommen war. Seiner Mandantin sei es wichtig zu erwähnen, dass es nicht nur ein Unfall gewesen sei: Ein junger Mensch sei gestorben, der Verlust für Familie und Freunde groß, der Schmerz unermesslich.

Unfall auf A 49: Angeklagter steigerte sich in Wahn hinein

Goetjes führte aus, dass der Angeklagte den Tod vieler Menschen in Kauf genommen habe. „Sie sollten sich klarmachen, dass diese Krankheit ihnen den Kragen rettet“, sagte er, denn sonst hätte der Beschuldigte eine lebenslange Freiheitsstrafe zu erwarten.

In ihrem Plädoyer der Verteidigung schilderte die Anwältin Susanne Leyhe, wie verzweifelt die Freundin des Beschuldigten am Tattag versucht habe, Hilfe für ihren immer psychotischer werdenden Freund zu finden. Der habe sich immer mehr in einen Wahn gesteigert, fühlte sich von allen, auch ihr, verfolgt, fürchtete wohl die stationäre Einweisung in eine Klinik unter Zwang.

Angeklagter entschuldigt sich bei den Familien der Opfer

Unter diesem Druck kam es zu der Tat, die ein „Befreiungsschlag“ von seinen immer stärker werden Ängsten sein sollte. „Der Angeklagte war ein Spielball seiner Erkrankung“, sagte sie und plädierte auf Totschlag infolge von Schuldunfähigkeit sowie die Sicherungsunterbringung. „Mein Mandant leidet schrecklich unter seiner Tat“, führte sie aus, er sei schwer erschüttert von den Folgen. An die Tat selbst habe er keine Erinnerung. Über seine Anwältin entschuldigte sich der 26-Jährige bei den Familien der Opfer. (Ulrike Lange-Michael)

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