Demo "Wir haben es satt" im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche

Mit 40 km/h nach Berlin: Biobauer fährt mit Traktor zur Großdemo

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Essen ist politisch:  Biobauer Martin Döring hat das „Weiter so“ der Agrarpolitik satt, deshalb macht er sich auf die lange Reise zur Demo nach Berlin. 

Edermünde. Martin Döring hat die Agrarpolitik satt. Milliarden gehen an Konzerne statt an Landwirte selbst. Um ein Zeichen zu setzen, demonstriert er mit Zehntausenden in Berlin.

Normalerweise tuckert er gemütlich durchs Dorf. Doch jetzt muss er eine Strecke von mehr als 400 Kilometern bewältigen, dabei gehört er nicht mehr zu den Jüngsten. Gemeint ist der Traktor von Martin Döring. Der Biobauer aus Besse sowie Landwirte aus ganz Deutschland demonstrieren an diesem Wochenende für eine faire Agrarpolitik in Europa. Dafür fährt er mit seinem Schlepper bis Berlin.

Die Demo „Wir haben es satt“ gehört zu den größten ihrer Art. Zehntausende Teilnehmer werden erwartet, um sich rund 120 Landwirten aus Deutschland anzuschließen. „Meine Söhne würden am liebsten mitkommen“, sagt Martin Döring und schmunzelt. Für ihn ist es gleich eine zweifache Premiere. „Das ist meine erste Demo und mein erster Besuch in Berlin“, sagt der Biobauer, der sich mit dem Anbau von Erdbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren eine Existenz aufgebaut hat.

Dürresommer 2018: Landwirte zahlen den Preis

Besonders der Naturschutz liegt dem gebürtigen Besser am Herzen. „Die intensive Landwirtschaft trägt zum Klimawandel bei, das kann auf Dauer nicht funktionieren“, sagt der regionale Sprecher des Bioland-Verbandes. Das haben Bauern im Dürresommer 2018 zu spüren bekommen.

Wenn er mit den anderen Demonstranten in einer Trecker-Karawane am Brandenburger Tor vorbeizieht, geht es um viel: nachhaltige Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung, den Erhalt von Höfen. Vor allem geht es darum, wie in Zukunft 60 Milliarden Euro von der EU verteilt werden sollen. Bisher profitieren vor allem Betriebe mit den größten Flächen.

„Immer mehr, immer billiger“, so lautet das Credo der Agrarindustrie, kritisiert der Diplom-Agraringenieur. Deutschland ist eines der EU-Länder mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen. Damit muss Schluss sein, betont Martin Döring. „Landwirte sollten einen realistischen Preis bekommen, damit auch das Bewusstsein für Lebensmittel wieder steigt.“ Deshalb sei es wichtig, ein Signal zu senden. Doch dafür muss der 42-Jährige zunächst in der Hauptstadt ankommen.

Da sein rotes Gefährt selbst für Schlepper-Verhältnisse ein gemütliches Tempo bevorzugt, wird er vom Traktor einer befreundeten Landwirtin und Mitdemonstrantin gezogen. In einem Durchschnittstempo von 40 km/h geht es auf Landstraßen nach Berlin. 14 lange Stunden bei frostigen Minusgraden. „Als Bauer ist man bei jedem Wetter draußen“, lautet der Kommentar schlicht, während er seinen Taschenofen im Handformat einpackt. „Man muss schon ein spezieller Mensch sein, um diesen Beruf auszuüben“, sagt Martin Döring und lacht. Doch trotz langen Arbeitswochen, seltenen freien Tagen und enormen Aufwand war für ihn immer klar: „Das ist ein fantastischer Beruf. Ich will nichts anderes machen.“

Milliarden für Bauern, statt für Konzerne

2019 entscheidet die Bundesregierung bei der EU-Agrarreform maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU in den nächsten Jahren mit 60 Milliarden Euro unterstützt. Aktuell bekommt viel Geld, wer die größten Flächen besitzt. 

Deshalb geht das Geld oft an Konzerne, statt an die Landwirte selbst, sagt Susanne Kagerbauer, Pressesprecherin von Bioland. Der Verband mit fast 8000 Mitgliedern in Deutschland fordert daher unter anderem, dass die bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft erhalten bleibt. 

Wer die Landwirte der Demo "Wir haben es satt" in Form von Spenden unterstützen möchte, kann eine Treckerpatenschaft übernehmen. 

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