Stammzellen mussten eingefroren werden

Genetischer Zwilling: Frau aus Haldorf spendet Stammzellen und rettet Leben

Julia Nitzbon aus Haldorf spendete Stammzellen für einen genetischen Zwilling in England.
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Julia Nitzbon aus Haldorf spendete Stammzellen für einen genetischen Zwilling in England.

„Ich habe Ende 2020 das Geschenk bekommen, einem anderen Menschen das Leben zu retten. Und so begann mein Jahr 2021 mit einem Gefühl, was ich kaum in Worte fassen kann“, sagt Julia Nitzbon aus Edermünde-Haldorf.

Seit vielen Jahren ist die Mutter von zwei Kindern bei der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) registriert, weil es für sie einfach selbstverständlich ist, im Bedarfsfall zu helfen.

Die SMS

Im Sommer 2020 bekam die 32-Jährige eine SMS-Nachricht, die DKMS bitte um Rückruf. Dabei wurde ihr mitgeteilt, dass sie als potenzielle Spenderin für eine andere Person in Frage komme. Kurz darauf erhielt Nitzbon per Post einen Fragebogen mit 50 Fragen rund um ihren Gesundheitszustand. Im Oktober kam dann ein Päckchen mit Röhrchen für Blutproben in Haldorf an. Bei ihrem Hausarzt ließ sich die Haldorferin das Blut abnehmen und schickte das Päckchen wieder an die DKMS zurück. „Bis dahin stand noch gar nicht fest, ob ich überhaupt ein hundertprozentiger, genetischer Zwilling bin. Denn die Chance, seinen genetischen Zwilling zu finden, liegt bei 1 zu 1 000 000“.

Die Vorbereitung

Im Dezember teilte die DKMS in Tübingen Nitzbon schließlich mit, dass sie der perfekte genetische Zwilling sei. Ende 2020 musste die 32-Jährige dann in eine Klinik nach Dresden reisen, wo sie medizinisch komplett auf den Kopf gestellt wurde. „Als ich das Ergebnis der Untersuchung bekam, dass ich gesund und bereit sei, war ich unglaublich stolz und glücklich“. Zurück nach Haldorf ging es mit einer Menge an Medikamenten im Gepäck, unter anderem hormonähnliche Wachstumsfaktoren, die die Stammzellenvermehrung anregen sollen. Obwohl auf dem Beipackzettel der Medikamente einige Nebenwirkungen aufgeführt wurden, hatte Nitzbon lediglich Rückenschmerzen, die aber auszuhalten waren.

Die Spende

Anfang Januar fuhr Julia mit ihrem Mann Marc erneut nach Sachsen in die Klinik. Fünf Stunden dauerte die Zugfahrt – auf Anraten der DKMS nicht nur mit Maske, sondern auch mit Handschuhen – nach Dresden. Dort verbrachten sie die Nacht im Hotel. Am nächsten Morgen ging es für Julia gleich in die Klinik. Ehemann Marc durfte sie aufgrund der Corona-Pandemie nicht begleiten. Im Krankenhaus wurde Julia an ein Gerät angeschlossen, das die Stammzellen und das Blut filtert. „In fünf Stunden wurden mir 400 Milliliter Stammzellen abgezapft. Danach war ich platt, aber trotzdem glücklich“, sagt die 32-Jährige. Da der Empfänger, ein junger Mann aus England, wegen der Corona-Pandemie die Spende nicht unmittelbar bekommen konnte, mussten die Stammzellen eingefroren werden.

Die Rückmeldung

Und mehr war nicht nötig. Nach einem kräftigenden Essen trat Julia Nitzbon zusammen mit ihrem Mann die Heimreise an, begleitet vom überschwänglichen Glücksgefühl, einem Menschen geholfen zu haben. Ob die Aktion erfolgreich war, erfährt die Haldorferin erst 100 Tage nach der Transplantation von der DKMS.

Die Kontaktaufnahme

Ein persönlicher Kontakt mit dem Empfänger ist derzeit für die junge Frau noch nicht möglich, eine Klausel der DKMS, wie Julia Nitzbon sagt. Ein anonymer Briefkontakt hingegen sei jetzt schon erlaubt. Die 32-Jährige hat den ersten bereits über die DKMS auf den Weg gebracht. Sollten beide Seiten sich persönlich austauschen oder gar besuchen wollen, ist das erst nach zwei Jahren möglich.

Das Fazit

„Es war für mich ein Ritterschlag, helfen zu können. Denn dieses Gefühl, ein Lebensretter zu sein, kann mir keiner mehr nehmen. Es war mein ganz persönlicher 6er im Lotto, einfach ein Akt der Nächstenliebe“

Von Peter Zerhau

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