Doppelte Abfuhr für Ortsumgehung

Ortsumgehung Grifte: Bürgermeister  Petrich stellte Anfrage an Verkehrsminister Al-Wazir 

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Tag und Nacht ist hier viel Verkehr: Die Ortsdurchfahrt von Grifte. 

Schon jetzt mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Umweltbelastungen, mehr Gewerbegebiete – und das wird sich durch den geplanten A49-Lückenschluss noch erhöhen: Deshalb ist Edermündes Bürgermeister Thomas Petrich in die Offensive gegangen und hat einen Brief an Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir geschrieben.

Jetzt gab es eine Antwort aus dem Ministerium in Wiesbaden. Allerdings fällt die anders aus, als viele Menschen in Edermünde gehofft haben.

Die Absage

Staatssekretär Jens Deutschendorf teilt im Auftrag von Al-Wazir mit, dass wegen einer Schwerpunktsetzung im Landesstraßenbau – um das Bestandsnetz zu erhalten und zu sanieren – derzeit von Hessen Mobil keine neuen Ortsumgehungen im Zuge von Landesstraßen geplant würden. Das ist eine krachende Absage für den Bau einer Ortsumgehung in Grifte. Und dass obwohl die Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung auch Investitionen in den Bau von Ortsumgehungen vereinbart hatte.

Die Probleme

Den Investitionen in den Bau von Ortsumgehungen müssten Straßenplanungen vorauslaufen, so Deutschendorf. Allerdings lägen diese derzeit auf Eis, weil es organisatorische Änderungen bei der Verwaltung gibt. Grund dafür ist der für 2021 geplante Übergang der Autobahnaufgaben von den Länderverwaltungen an die Autobahn GmbH des Bundes. Die Aufnahme von Planungen neuer, dringlicher Straßenbauprojekte hänge davon ab, bis wann die Aufgaben von der einen auf die andere Behörde übertragen sind. Dies sei nicht vor 2021 der Fall, heißt es. Deshalb gebe es noch keine Aussage zu den Realisierungschancen.

Die Dringlichkeit

Damit nicht genug: Bei den Planungen einer Sanierungsoffensive 2016 – 2022 sei die Ortsdurchfahrt von Grifte bewertet worden – und schnitt im Vergleich zu anderen Landesstraßen besser ab. Was sich negativ auswirkt, denn dadurch entsteht im Vergleich eine „nachrangige Dringlichkeit.“ Die Folge: Die Fahrbahn wurde nicht in das Programm der Sanierungsoffensive aufgenommen.

Die Verkehrszahlen

Seit 2015 ist der Verkehr in Grifte laut einer im Juli 2019 von Hessen Mobil erstellten Berechnung erheblich gestiegen: Fuhren vor sieben Jahren noch 9907 Fahrzeuge pro Tag durch den Ort, so sind es heute 13 100. Davon über 3400 Laster, von denen die Hälfte nachts durch den Ort fährt. Die Zahlen sprächen also eine klare Sprache, so der Bürgermeister. „Immer wieder wurde in den zurückliegenden Jahren der Bau einer Umgehungsstraße geprüft und für positiv befunden.“ 2015 räumte Tarek Al-Wazirs Amtsvorgänger einer solchen Umgehung „eine gute Wirksamkeit und eine positive Wirtschaftlichkeit“ ein. Seither seien die Zahlen gestiegen und wichen erheblich vom bisher gemessenen Verkehrsaufkommen ab. Deshalb bat Petrich um eine Neubewertung der Situation.

Die zweite Abfuhr

Auch eine Sanierung der Fahrbahndecke brachte Petrich ins Spiel. „Vielleicht ist der Einbau von Dehnungsfugen in Wellenform möglich und bringt eine Lärmentlastung“, regte er an. Das sieht man im Verkehrsministerium anders: Die Dehnungsfugen in der Fahrbahn (eine Übergangskonstruktion) dienten zwar der Lärmreduzierungen, der Einbau setze jedoch voraus, dass es keine vertikalen Verschiebungen zwischen Bauwerk und angrenzender Fahrbahn gebe. Dies könne in Grifte aber nicht sichergestellt werden.

Die Reaktion

Die Abfuhr aus Wiesbaden ruft bei Bürgermeister Thomas Petrich unverständliches Kopfschütteln hervor. Denn für ihn steht fest: „Die Anwohner müssen geschützt werden.“

Das Schreiben aus dem Ministerium sei „unglaublich“ und damit könne man nicht zufrieden sein. „Wir wollten eine Neuberechnung und -festsetzung der Priorität“, sagt Petrich. Herausgekommen sei die Info, dass sich in den nächsten zwei Jahren nichts tue – vor allem, weil bei den Behörden die Verantwortlichkeit für die Autobahnen wechsele, werde sich für die vom Lärm betroffenen Menschen nichts ändern.

Termin

Um die Probleme in Grifte, aber auch um weitere Themen, die die Menschen in Edermünde bewegen, soll es am Dienstag, 3. März, beim HNA-Lesertreff zur Bürgermeisterwahl in der Bilsteinhalle in Besse gehen. Die beiden Kandidaten Thomas Petrich und Stephan Wassmuth werden dann Ihnen, liebe Leserinnen und Leser sowie unseren Moderatoren Maja Yüce und Rainer Schmitt Rede und Antwort stehen. Der HNA-Lesertreff ist öffentlich und kostenlos. Bürgermeisterwahl in Edermünde ist am 15. März.

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