Viel Glück gehabt im Leben

August Pfaar, Ehrenobermeister der Tischlerinnung, wird heute 90

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August Pfaar arbeitete zunächst mit Metall: Das Modell eines Stuka fertigte er, als er Soldat in der Luftwaffen-Erprobungswerft Rechlin war. Bei der Henschel-Flugmotorenwerken hatte er Schlosser gelernt, bevor er Tischler wurde.

Besse. Der Seniorchef der Tischlerei Pfaar und Ehrenobermeister der Tischlerinnung Schwalm-Eder, August Heinrich Pfaar, wird heute 90 Jahre alt. Von 1986 bis 1992 war er Innungs-Obermeister. Heute vor 60 Jahren hat Pfaar seine Meisterprüfung bestanden. In fünf Jahren vom Lehrling zum Meister - eine besondere Leistung. „Ich bin Schlosser, Landwirt und Schreiner", sagt Pfaar.

Dabei wollte August Pfaar gar nicht in den Tischlerberuf. „Mein Lust-Beruf ist Schlosser”, sagt er. Schon als Kind spielte er gern mit Trix-Metallbaukästen und wünschte sich zu Geburtstagen neue Kästen mit dem Metallspielzeug. Als 13-Jähriger begann er als Schlosserlehrling bei den Henschel-Flugmotorenwerken in Altenbauna. Voller Stolz zeigt Pfaar heute nicht nur sein Meisterstück, einen Wohnzimmerschrank aus französischem Nussbaum, sondern auch ein Stukka-Modell. Das hatte er schon 1944 als Soldat in der Luftwaffen-Erprobungswerft in Rechlin am Müritzsee gebaut.

Pfaars ältester Bruder fiel 19-Jährig im Krieg. Sein zweiter Bruder verunglückte 1950 ebenfalls im Alter von 19 Jahren.

Eine Kuh, eine Hobelbank - so beschreibt Pfaar die Situation 1950. Nachdem er im September 1945 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, erlernte er von 1946- bis 1948 das Tischlerhandwerk. Nach dem frühen Tod seines Vaters Karl Pfaar übernahm er die väterliche Tischlerei und Landwirtschaft sowie die Bestattungen.

„Ich habe immer gekämpft”, sagt Pfaar heute, „ich habe Glück, viel Glück gehabt.” Mit seinem Leben sei er sehr zufrieden, und es sei ein Glück, „dass ich immer die richtigen Leute getroffen habe”.

„Mein Hobby war der Stammisch”, erzählt der Tischler. Den hat er 1953 mit gegründet, und in guten Zeiten trafen sich bis zu 15 Männer in geselliger Runde im Besser Hof. Heute seien nur noch er und der Schlossermeister Heinrich Hildebrand übrig geblieben. Der ist vor vier Wochen 90 geworden.

Nachdem Pfaar Witwer geworden war, fing er mit 68 Jahren mit dem Golfspielen an. Bis zum 82. Lebensjahr war er aktiv. „Ich gehöre zu den Mitbegründern des Golfclubs Waldeck”, sagt er.

Stolz ist die Besser Tischlerei Pfaar auf viele Kunden in der Region Kassel. „Ich bin der Haus- und Hofschreiner der HNA, habe dort alle Türen eingesetzt”, sagt Altmeister August Pfaar. Viele Jahrzehnte arbeitete er im Presse + Druckzentrum am Park Schönfeld, dem Stammhaus der HNA. Als ein Glücksfall habe sich die gute Zusammenarbeit mit Architekt Werner Hasper - er erfand und plante die Treppenstraße als erste Fußgängerzone Deutschlands - erwiesen.

Den ersten Großauftrag habe man für das Verwaltungsgebäudes des Möbelhauses Jürgens erhalten. Pfaar und sein Team arbeiteten unter anderem im Stadtbad Mitte, für die Bekleidungswerke Fisser und für Polyma. Kirchenbänke aus der Tischlerei wurden unter anderem für Kirchen in Besse, Hannoversch Münden, Niederzwehren und Brüchköbel bei Hanau gefertigt.

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