Gemeinde will weitere Bauentwicklung kontrollieren

Edermünde setzt auf günstigen Wohnraum

Am Besser Ortsrand soll neuer Wohnraum entstehen. Die Gemeinde sucht für das Grundstück an der Teichstraße einen Investor. Foto: Gemeinde Edermünde

Edermünde. Die Gemeinde Edermünde will dafür sorgen, dass es auch künftig bezahlbare Wohnungen in den Ortsteilen gibt.

 Deshalb vergibt die Gemeinde öffentliche Grundstücke nun nicht mehr an den Interessenten, der Höchstpreise zahlt, sondern an den, der das interessanteste Nutzungskonzept vorlegt.

Damit ist Edermünde eine der ersten ländlichen Kommunen in Hessen, die verhindern wollen, dass die Mieten im Ort explodieren – und die deshalb auf das Prinzip der sogenannten Konzeptvergabe setzen. Deren Ziel ist es, Grundstücke zu einem guten Preis an einen Investor mit einem guten Konzept zu verkaufen. Das bietet Städten und Gemeinden die Chance, die bauliche Entwicklung zu steuern.

Die Nachfrage nach Bauland zu befriedigen wird vor allem in den Ballungsgebieten immer schwieriger. Dort steigen die Grundstückspreise in schwindelerregende Höhen. Auch Edermünde, das im Kasseler Speckgürtel liegt, kann gar nicht so viel Bauland bieten, wie nachgefragt wird. „Wir haben mittlerweile 150 Interessenten für ein Grundstück,“ sagt Bürgermeister Thomas Petrich.

Das für dieses Jahr geplante Bauprojekt in der Teichstraße in Besse, bei dem 25 bis 30 kleine Wohnungen entstehen, soll den Druck aus dem Edermünder Immobilienmarkt nehmen, denn statt auf das klassische Einfamilienhaus setzt das Projekt auf kleinere, barrierearme Wohnungen.

Bei dem Grundstück in der Teichstraße handele es sich um eine der besten Lagen in Edermünde. Natürlich wolle die Gemeinde einen guten Preis dafür erzielen: „Vor allem wollen wir aber sicherstellen, dass Wohnraum bei uns bezahlbar bleibt und dass dort keine sündhaft teuren Luxuswohnungen entstehen.“

Die Gemeinde stehe in der Verantwortung, Lösungen für die Einwohner zu finden, die sie brauchen. Dafür seien solche Investorenmodelle ideal. 


Mehr Wohnungen zum Mieten

 Der Bebauungsplan steht bereits, jetzt sucht die Gemeinde Edermünde den Investor, der das Wohnbauprojekt Teichstraße nach einem klaren Konzept und Vorgaben umsetzt.

In Besse sollen auf zwei gemeindeeigenen Grundstücken (insgesamt knapp 6200 Quadratmeter) moderne Wohnungen für je ein bis zwei Menschen entstehen. Diese Wohnungen sollen dem demografischen Wandel angepasst und barrierearm sein. Zudem hoffe die Gemeinde Edermünde, dass sie den Besser Immobilienmarkt beleben und das Zusammenleben mehrerer Generationen fördern, sagt Bürgermeister Thomas Petrich. Aber: Das Projekt Teichstraße soll nicht nur auf ältere Bewohner zugeschnitten sein. „Wir wollen keinesfalls eine Seniorenresidenz bauen,“ so Petrich.

Am Besser Ortsrand soll eine verdichtete, mehrgeschossige Bebauung mit 25 bis 30 kleinen Wohnungen entstehen. Standard sollen hohe energetische Werte und so wenige Stufen wie nötig und so viele begrünte Pultdächer wie nur möglich sein.

Die eine Hälfte der Wohnungen soll zu ortsüblichen Preisen (um die 7 Euro/qm) vermietet, die andere Hälfte als Eigentumswohnungen verkauft werden. Die Erschließung der beiden Baugrundstücke am „Höllengraben“ soll über die Rundstraße erfolgen.

In dieses Bauvorhaben integriert ist auch das bereits bestehende dreigeschossige Wohnhaus in der Rundstraße 8, in dem zwölf gemeindeeigene Seniorenwohnungen untergebracht sind.

Dort herrsche zurzeit ein starker Sanierungsstau, sagte Petrich: Das Gebäude sei zwar bereits gedämmt worden, doch gebe es Probleme mit Leitungen und Rohrbrüchen. Das Innere des Gebäudes müsse komplett erneuert werden. Die Mieter könnten trotz Sanierung auf jeden Fall dort wohnen bleiben, es soll eine zehnjährige Bestandsgarantie für die Mietverträge geben.

In der Sitzung der Gemeindevertreter ging es darum, klare Richtlinien und Grundlagen für das Vergabe-Verfahren der Gemeinde zu erarbeiten. Es sei schwer, dafür allgemeingültige Kriterien zu finden, merkte Markus Opitz (FWG) an, doch sei der vorliegende Beurteilungsmaßstab gut: Seine Fraktion wolle den Kriterien und den Gremien vertrauen. „Wir denken, das Projekt ist eines, das gelingen kann.“ Die anderen Fraktionen sahen es ähnlich wie die FWG. (bra)


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